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Öffentliche Ladesäulen für Stadtwerke „wohl nie ein wirtschaftlich attraktives Geschäft“

Bild: Stadtwerke Bielefeld | Thorsten Ulonska

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Holger Mengedodt, Geschäftsbereichsleiter Markt & Kunde bei den Stadtwerken Bielefeld, hat in einem Interview einen Einblick in das Geschäft mit dem Betrieb von Elektroauto-Ladestationen gegeben. Bisher konnten Kunden an den Säulen der Stadtwerke kostenlos Ökostrom laden, künftig werden Gebühren erhoben. Kostendeckend sei dies aber weiter nicht.

Ziel des acht Jahre lang angebotenen Gratis-Stroms für Elektroautos sei gewesen, „diese neue Art des Autofahrens in der Stadt sichtbar zu machen“, so Mengedodt im Gespräch mit dem Branchenmagazin Energate Messenger. Da die Zahl der Stromer zunehmend steige und die Hersteller immer mehr Modelle anbieten, sei eine Unterstützung der E-Mobilität in dem bisherigen Umfang nicht mehr nötig. „Auf Dauer wäre sie auch nicht finanzierbar“, betonte Mengedodt.

Die Stadtwerke Bielefeld machen auch mit den nun aufgerufenen Gebühren weiter Verlust. Mengedodt gehe davon aus, dass der Umsatz mit öffentlichen Ladesäulen für die Branche „wohl nie ein wirtschaftlich attraktives Geschäft“ darstellen wird. Er begründete dies damit, dass die abgegebenen Strommengen auch bei mehr Elektroautos auf den Straßen lediglich eine Teilfinanzierung von Kosten wie Installation, Wartung, Pflege und zukünftige Umrüstung erlauben würden.

Geld verdienen wollen die Stadtwerke mit weiteren Angeboten rund um E-Mobilität und Ladeinfrastruktur für Hauseigentümer und Unternehmen – etwa für Fuhrparks, Mitarbeiter und Kunden. Mengedodt rechnet damit, dass 80 Prozent des Elektroauto-Ladens nicht dauerhaft an öffentlichen Säulen stattfinden wird. „Erst durch die Kombination von öffentlichem Laden, Laden zu Hause und Laden beim Arbeitgeber wird die E-Mobilität in der Breite und für Unternehmen attraktiv“, sagte er. Hinzu kämen neue Mobilitätslösungen in der Stadt, die auf Ladeinfrastruktur angewiesen sind. Auch hier wollen die Stadtwerke aktiv werden.

Damit sich die E-Mobilität langfristig für Stadtwerke lohnt, sind Mengedodt zufolge unter anderem schnelle und unkomplizierte Standortgenehmigungen und einfachere Förderanträge nötig. Bund und Länder müssten zudem weitere Fördermittel zur Verfügung stellen – „und zwar gut planbar“, dies sei heute nicht unbedingt der Fall.

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