Europäische Automobilhersteller und -zulieferer haben sich im Februar mit EU-Kommissar Stéphane Séjourné getroffen, um zu erörtern, was zur Stärkung der gesamten automobilen Wertschöpfungskette erforderlich ist – „von Batterien und wichtigen Rohstoffen bis hin zu zugänglicher, erschwinglicher Energie für Industrie und Verbraucher“.
Der Automobilsektor sei ein Schlüsselbeispiel für die „fehlende Planung der EU, die eine Klimapolitik ohne Industriepolitik verfolgt“, so der europäische Autoherstellerverband ACEA nach dem Treffen. Der hiesige Automobilsektor sehe sich derzeit mit einer „äußerst kritischen Lage“ konfrontiert, der sich aus hartem globalen Wettbewerb um wichtige Ressourcen, Finanzmittel, Investitionen und Kunden zusammensetze. Verstärkt werde das durch steigende Geschäftskosten, „eine sich radikal verändernde geopolitische Landschaft“ und einen noch lange nicht ausgereiften Markt für E-Fahrzeuge.
„Die Umstellung auf Null-Emissionen bedeutet weit mehr als eine einfache Umstellung von einer Fahrzeugtechnologie auf eine andere; wir brauchen einen breiteren Ökosystemansatz, der Anreize für neue Partnerschaften in der Wertschöpfungskette schafft“, so Sigrid de Vries, ACEA-Generaldirektorin. „Der Automobilsektor ist eine europäische Erfolgsgeschichte, aber die Regulierung einzelner Schritte der Wertschöpfungskette wird unseren Sektor nicht in die Lage versetzen, diesen Wandel anzuführen und seinen Status als Drehscheibe der Automobilherstellung zu behalten.“
„Europa sollte die erste Wahl für die Herstellung von emissionsfreien Fahrzeugen sein“
De Vries weiter: „Wir können unseren Wettbewerbsvorteil nur dann voll ausschöpfen, wenn wir Anreize schaffen und unseren Regulierungsansatz überarbeiten. Europa sollte die erste Wahl für die Herstellung von emissionsfreien Fahrzeugen sein, aber wir brauchen ein Umdenken und eine drastische Überarbeitung der Art und Weise, wie wir Anreize schaffen und unsere Industrie regulieren, um dies schnell zu erreichen.“
Ohne gezielte Unterstützung würden innovative Ideen nie auf die Straße kommen. „Die Zukunft der Mobilität in der EU hängt davon ab, dass wir auf unserer Innovationsstärke aufbauen und sicherstellen, dass wir neue Technologien schneller skalieren und industrialisieren“, sagt Benjamin Krieger, Generalsekretär von CLEPA, dem europäischen Verband der Automobilzulieferer.
„Die Regulierung muss die technologische Vielfalt berücksichtigen, um den Ingenieuren die Freiheit zu geben, Innovationen zu entwickeln. Ein gestraffter Finanzierungsrahmen mit einer engen Abstimmung zwischen vorwettbewerblicher Unterstützung und Instrumenten wie wichtigen Projekten von gemeinsamem europäischem Interesse kann dazu beitragen, das Investitionsrisiko zu senken. Wir brauchen eine starke Unterstützung für Durchbrüche in der Frühphase und einen Rahmen, der das Zusammenspiel zwischen Technologien stärkt … , um die Einführung eines breiten Spektrums an nachhaltigen Mobilitätslösungen zu beschleunigen.“
A. Flämig meint
Was bitte soll das immer gleiche Salbadern, von Technologieoffenheit und der Versuch die Emissionsvorgaben abzuschwächen. Deutschland war vielleicht 1 Jahrhundert führend in der Automobilherstellung, aber diese Erpsenzähler als CEO haben die Technologiewende nicht erkannt und hochnäsig negiert. Dann geht diese Industrie halt den Bach runter, genauso wie vor 130 Jahren die Pferdekutschenhersteller. Gorbatschows Worte for 35 Jahren haben immer noch Gültigkeit: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Adieu Verbrennertechnik!!!
South meint
Das ist immer so ärgerlich, dass solche Formulierungen „Die Regulierung muss die technologische Vielfalt berücksichtigen“ unkritisch so übernommen, aber nie hinterfragt werden. Wir sind technologieoffen, berücksichtigen die technologische Vielfalt und zwar in einem Ausmaß, den mal als absurd bezeichnen kann. Wer immer was anderes behauptet, soll bitte darlegen, wo das seiner Meinung nicht der Fall sein sollte.
Ich würde sogar behaupten, dass viel öffentliche Gelder verbraten worden sind, damit jeder noch so abstruse Vorschlag ne Chance bekommt. Von den Oberleitungs-LKW, E Fuels, H Autos… es kann nicht derb genug sein, Steuergelder zu verschwenden und dann gleichzeitig sich noch zu beklagen.
Dann auf der einen Seite wird sich immer beschwert, dass es nicht Technologieoffen zugeht, auf der anderen Seite wird „Industriepolitik“ eingefordert und auch hier in einem Ausmaß, bei dem der Staat für alle Probleme, ja sogar für die Lieferketten und Accuversorgung und für Risiken geradesteht. Hilfe ja, die Arbeit und das Risiko für die Branche übernehmen, klares Nein. Und man würde sich mal ein klares Wort gegen solche Phrasendrescher wünschen…
Tobias Rupp meint
Absolute Zustimmung.
Lanzu meint
Das wirkt total strategielos von der Industrie. Nur der Wille zu Fördergeldern ist erkennbar.
Dieseldieter meint
Die Eu-Regulierung bremst günstige Autos aus, da bin ich ganz bei ihm. Allerdings mit überbordenden Vorschriften was Fahrassistenten für günstige Stadtautos usw. angeht.
Ansonsten ist es wie immer: Gewinne gehen in die eigene Tasche oder die der Aktionäre, das klassische unternehmerische Risiko wird zwar eingepreist aber an den Steuerzahler ausgelagert. Unsere OEMs haben genau eine Chance und das ist den guten Weg den VW, BMW und Mercedes in den letzten 2 Jahren eingeschlagen haben konsequent weiterzugehen.
Lass sie noch ein paar Jahre ihre Verbrenner verkaufen, aber versau es nicht auf den letzten Metern Merz, ehrlich😤
Mike meint
Völlige Zustimmung. Die europäische Automobilindustrie ist offenbar nicht mehr konkurrenzfähig und will sich etwas vom Steuerzahler pampern lassen. Es spricht absolut nichts dafür, dass dies die Probleme der europäischen Automobilindustrie lösen wird. Ich finde, der Markt wird das erledigen und ab und an solle man ihn auch wirken lassen.
David meint
Wann lernen diese Amateure endlich mal, wie man den englischen Begriff „perfect storm“ korrekt übersetzt? Das ist ja nicht nur der ACEA, dieser Begriff wird überall verwendet und nicht verstanden.
ecomento.de meint
Aktualisiert.
VG | ecomento.de
Powerwall Thorsten meint
Vielleicht solltest du dich als Nachhilfelehrer bewerben, das scheint eher deine Kernkompetenz zu sein.