Die Elektrifizierung der Automobilindustrie wird in Europa und vor allem in Deutschland laut dem Bundesverband Beratung neue Mobilität e.V. (BBNM) oft in der öffentlichen Debatte als wirtschaftliches Risiko dargestellt. Wenn man genauer hinschaut, ist aus Sicht des BBNM aber das Gegenteil der Fall.
„Durch ein konsequentes Umsetzen der Elektrifizierung kann nicht nur betriebswirtschaftlich langfristig die Rendite erhöht, sondern auch volkswirtschaftlich enorme Summen an Geld gespart werden“, so der Verband. An diesen Punkten macht der BBNM diese Erkenntnis fest:
- Ein Elektroauto benötige im Vergleich zu einem Auto mit konventionellem Verbrennungsmotor nur knapp 15 Prozent der Energie. Das gelte wegen der hohen Energieverluste bei der Produktion auch, wenn im Verbrennungsmotor E-Fuels anstatt fossiler Treibstoffe verwendet werden.
- Unabhängig vom Loslösen der deutschen Klimaziele von den einzelnen Sektoren hin zu einer Verrechnung, wie es die FDP für das Verkehrsministerium durchgesetzt hatte, gebe die EU für den Verkehrssektor eine CO2-Reduktion von 50 Prozent von 2005 bis 2030 vor. Weil Sofortmaßnahmen nicht umgesetzt wurden, werde dieses Ziel wohl deutlich überschritten. Laut einer Studie werde dies den Steuerzahler bis zu 16,2 Milliarden Euro für den Kauf von Emissionszertifikaten kosten.
- Gemeinhin werde von etwa 200 Euro an Folgekosten für die Gesellschaft pro ausgestoßener Tonne CO2 ausgegangen. Durch die stärker als ursprünglich geplante Nutzung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor kämen BBNM-Berechnungen zufolge somit allein bis 2030 auf unsere Gesellschaft Mehrkosten von weiteren mindestens 900 Millionen Euro zu. Das Umweltbundesamt habe im Herbst die Schätzung sogar von 200 auf 300 Euro pro Tonne angehoben.
- Wirtschaftlicher Nutznießer der verzögerten Elektrifizierung seien zuallererst „die Öl-Milliardäre“. Den BBNM-Berechnungen zufolge verdienen sie bis 2030 somit gut 1,8 Milliarden Euro mehr – „da hat sich die Lobbyarbeit bezahlt gemacht“.
- Langfristig lohne sich die konsequente Elektrifizierung auch für die europäischen Autohersteller finanziell. Zwar koste die Umstellung erst einmal Geld, doch Hersteller aus China, der USA und Südkorea gäben den Takt und die Richtung vor. Wer da nicht auf neue Technologien setze, werde schnell abgehängt und bald in die Bedeutungslosigkeit abdriften. Das habe erst jüngst wieder ein Strategiepapier von Forschungsinstituten in Deutschland, England, Kanada und der Schweiz belegt.
„Mit Blick auf diese Argumente erwarten wir von der kommenden Bundesregierung, das Thema Elektromobilität entschlossen anzugehen und zudem gesamtheitlich zu denken“, so der Verband. „Denn davon betroffen ist bei Weitem nicht nur das Verkehrsressort, sondern auch unter anderem die Felder Wirtschaft, Energie und Digitalisierung. Wir unterstreichen daher unsere Empfehlung, neben dem Ausbau und Förderung der öffentlichen und gewerblichen Ladeinfrastruktur vor allem auch die Netzertüchtigung voranzutreiben.“
Der BBNM weiter: „Wir sind fest überzeugt: Auch wenn die Elektromobilität für viele auf den ersten Blick wohlstandsgefährdend wirken mag, sichert ihre konsequente Umsetzung in Wahrheit den Wohlstand in unserem Land. Denn die finanziellen Chancen für Industrie und Gesellschaft sind bei Zukunftstechnologien ungleich größer als bei denen aus der Vergangenheit.“
Jeff Healey meint
Ich schließe mich den Kernaussagen des BBNM vollumfänglich an.
F. K. Fast meint
Ein Punkt wurde vergessen (oder ich habe ihn überlesen): man macht sich weniger abhängig von dauerhaften Energieimporten.
Werner meint
Das ist sogar der wichtigste Punkt.
Denn mit der Reduzierung der Energieimporte wird nicht nur die lokale Energieerzeugung unterstützt, die Wertschöpfung bleibt hier.
Und man entmachtet damit auch einige Schurkenstaaten.
Marc meint
Ich sehe auch eine Chance über Recycling an Bodenschätze zu kommen.
South meint
Strom kann man aus allen möglichen Quellen supergünstig und einfach erzeugen, kein Vergleich zum Öl…