Die EU-Kommission hat einen Entwurf zur Anpassung der CO₂-Flottengrenzwerte für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge vorgelegt. Dies folgt auf eine Ankündigung der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen von Anfang des Monats, die eine flexiblere Umsetzung der Emissionsziele für die Automobilindustrie in Aussicht gestellt hatte.
Das 29-seitige Dokument, das dem Portal Electrive vorliegt, trägt den Titel „Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Verordnung (EU) 2019/631 zwecks Aufnahme einer zusätzlichen Flexibilität bei der Berechnung der Einhaltung der CO₂-Emissionsnormen“. Die CO₂-Ziele selbst sollen demnach unverändert bleiben, jedoch soll deren Einhaltung durch eine neue Berechnungsmethode erleichtert werden.
Die Hersteller sollen ihre Verpflichtungen also weiterhin erfüllen, bekommen jedoch mehr Zeit dafür. Dies soll insbesondere jenen Unternehmen zugutekommen, die Schwierigkeiten haben, kurzfristig die geforderten Emissionswerte zu erreichen. Gleichzeitig betonte von der Leyen, dass Fairness gegenüber Herstellern gewahrt bleiben müsse, die die Voraussetzungen für die Erfüllung der Vorgaben bereits geschaffen haben.
Im Entwurf heißt es: „Im Zeitraum 2025 bis 2027 sollten die Hersteller sicherstellen, dass die durchschnittlichen spezifischen CO₂-Emissionen ihrer Fahrzeuge ein Emissionsziel nicht überschreiten, das als Durchschnitt ihrer jährlichen spezifischen Emissionsziele für diesen Zeitraum berechnet wird.“ Die Einhaltung der Ziele soll erst am Ende des Dreijahreszeitraums überprüft werden, statt wie bisher vorgesehen jährlich. Auch Strafzahlungen für Überschreitungen sollen entsprechend angepasst werden.
Zudem bleibt das sogenannte CO₂-Pooling bestehen. Dies bedeutet, dass Hersteller weiterhin Emissionswerte mit anderen Unternehmen bündeln können, um ihre Gesamtbilanz zu verbessern. Pooling-Vereinbarungen sollen für jedes der drei betroffenen Jahre bis Ende 2027 möglich sein.
Bevor die neuen Regelungen in Kraft treten können, müssen sowohl das Europäische Parlament als auch der Europäische Rat zustimmen. Die Reform ist Teil eines größeren Aktionsplans aus dem EU-Strategiedialog zur Zukunft der Automobilbranche. Neben den CO₂-Grenzwerten umfasst dieser auch Maßnahmen zu Netzanschlüssen, Batterie-Rohmaterialien und Kaufanreizen für emissionsarme Fahrzeuge.
DIBU meint
Das war 1 zu 1 die Idee von Robert Habeck glaube ich, auf jeden Fall habe ich diese Idee das erste Mal von ihm gehört. Vielleicht war er dann doch nicht so schlecht wie viele behaupten, auf jeden Fall ist er damit wieder mal über seine eigenen parteiideologischen Hürden gesprungen, was ihm ja immer wieder vorgeworfen wird, dafür Respekt.
Ich finde die Vorgehensweise seitens der EU in der jetzigen Situation der Autobauer -siehe Zölle- auf jeden Fall gut und richtig.
EdgarW meint
Genau so ist es, zumindest oberflächlich (ich kenne die Details des Vorschlags und des finalen Papiers nicht) entspricht es Habecks Vorschlag.
Schlecht waren vor allem die Behauptungen.
Letzteres ja, sofern sie in drei Jahren dann nicht die Axt an den Zielen ansetzen – was zu befürchten leider nicht ganz fern liegt …
ID.alist meint
Ist nicht nur Habeck, auch die Britten die uns ein Jahr voreilen haben auch so ein System.
Letztendlich ist der Titel vom Artikel falsch und tendenziös. Es werden keine CO2-Vorgaben abgeschwächt. Die Hersteller haben nicht 12 Monate um im Schnitt die 93g zu erreichen sonder 36 Monate, d.h. Wenn die in den ersten 12 Monaten die Grenze nicht erreichen, müssen die diese in den nächsten 24 diese übererfüllen. Mit der aktuelle Regelung, hat im ersten Jahr vielleicht die Grenzwerte überschritten, aber nach eine Ablasszahlung braucht man nur sich knapp unter des Grenzwertes zu halten.
Letztendlich arbeitet die Erde in viel größeren Zyklen als 12 oder 36 Monaten, aber für manch einer sind manche Zahlen wichtiger als das was sich dahinter versteckt.
Mary Schmitt meint
Naja, nach drei Jahren muss man aber eine Gesamtquote liefern und wer im ersten Jahr zu sehr schwächelt, wird im zweiten und dritten Jahr überproportional Gas geben müssen. Da hat man also nichts von, wenn man nicht echtes Volumen in der Pipeline hat. Insofern ist das fair genug. Und es bringt reine Elektroautohersteller um ihre CO2-Ablasszettel-Erlöse für 2025 und 2026 in Europa. Ist das schon überlegt worden?
MichaelEV meint
„Ist das schon überlegt worden?“
Bestimmt nicht, brandneue Erkenntnis. WOW!
Wer die CO2-Credits negativ konnotieren will, sollte sich mal klar werden, dass die „Ablasszettel-Erlöse“ in Masse bei den Verbrennerherstellern zu finden sind.
Deine Mudder meint
Warum sollte man auf Tesla und irgendwelche Chinesen Rücksicht nehmen, grade Musk sollte man richtig in die Suppe spucken.
Andi EE meint
Das ist wirklich verrückt wie es hier wieder die Täter-Opfer Umkehr gibt. Die Versager bezüglich Klima und Umwelt sind eure Hersteller, es gibt doch keinerlei Grund denen diese Vorteil in den A… zu schieben. Außer dass dieser elende Lobbyismus für die schlechte Sache einmal mehr voll zugeschlagen hat.
Dieseldieter meint
Nur gibt’s noch andere Themen als Klima und Umwelt, und da ist Musk dann der Versager.
eHannes meint
So ist es! Insbesondere dieser Satz macht mich fassungslos: „Dies soll insbesondere jenen Unternehmen zugutekommen, die Schwierigkeiten haben, kurzfristig die geforderten Emissionswerte zu erreichen.“ Gab es denn Unternehmen, die später als andere von den Regularien erfahren haben?
Andi EE meint
@eHannes
Stimmt! 👍
„Dies soll insbesondere jenen Unternehmen zugutekommen, die Schwierigkeiten haben, kurzfristig die geforderten Emissionswerte zu erreichen.“
= Wir ändern die Regeln damit du keine Strafe zahlen musst. Dabei sind die Strafen das einzige was Druck auf einen Hersteller erzeugen kann. Jetzt ist der Druck wieder weg, die Margen auf den Verbrennern immer noch gleich hoch … das ist die eigentliche Katastrophe an der Sache. Sobald die Marge beim Verbrenner signifikant sinkt, ist der Zeitpunkt da, wo der Hersteller wirklich umstellen muss.
Und in zwei Jahren wird es wieder eine Sonderregelung geben und das Verrückte ist doch, dass selbst hier in dieser Elektro-Kommentarspalte so gut wie niemand gegen diesen schädlichen Lobbyismus einsteht. Die Nation ist immer 5 Längen vor Klima, Umwelt und Physik gewichtet, einmal mehr. Und du musst mir da nicht zustimmen, die breite Verteufelung von Musk/Tesla die heute zu 100% Klima und Umwelt erfüllen, ist einfach nur irre. Die Medien sind unfähig zu einer objektiven Berichterstattung.
EdgarW meint
Das wäre eigentlich von Anfang an in Ordnung gewesen. Ich hab nie vertsanden, warum die Stufen so lang und hoch sind, das schafft stets riesige Sprünge auch bei Rabatten – und wenn sie „zu viel“ verkaufen, geht’s iweder in’s Gegenteil. Dito übrigens bei den Kaufprämien (die ich eh nicht mag), wenn dann bitte mit geplantem und vorhersagbarem Abschmelzen.