Der Handel mit gebrauchten Elektroautos nahm in den vergangenen Monaten nur langsam Fahrt auf. Viele halten die Fahrzeuge für zu teuer, technisch schon veraltet und potenziell mit Batterie-Risiken behaftet. Die Preise werden nun durch neue EU-Emissionsvorgaben weiter unter Druck gesetzt.
Die Autohersteller können ihre CO2-Ziele in diesem Jahr nur erreichen, wenn sie mehr lokal emissionsfreie Elektroautos verkaufen. Dazu müssen sie diese mit Rabatten anbieten, denn sonst drohen von der EU wegen verfehlten CO2-Flottengrenzwerten empfindliche Strafzahlungen. Das lässt die Preise für elektrische Gebrauchte laut der Automobilwoche weiter kräftig sinken.
„Wir sind schon mitten in der Preisschlacht“, sagte Thomas Peckruhn, Vizepräsident beim Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK), dem Branchenportal. Durch die CO2-Strafen würde „richtig Druck auf den Kessel“ kommen. Die Hersteller gäben ihre Jahresziele als E-Quote an die Händler weiter. „Bei vielen Herstellern liegt sie zwischen 25 und 30 Prozent“, so Peckruhn.
„Wenn Neuwagen günstiger als Gebrauchtwagen sind, führt das zur Verwerfung der Restwerte“, erklärte ZDK-Präsident Arne Joswig. „Die Hersteller müssen dies sortieren und in den Griff bekommen, sonst wird dies ein Hemmschuh.“
„Im dritten Quartal werden Elektroautos voraussichtlich am günstigsten sein. Bis dahin haben die Hersteller Klarheit über ihre Verkaufszahlen – und die drohenden Strafzahlungen rücken näher“, so VW-Händler Heinz-Dieter Tiemeyer.
Den Markt für Gebrauchtwagen setzt dabei zunehmend auch unter Druck, dass mit der Ende 2023 eingestellten Elektroauto-Kaufprämie „Umweltbonus“ angeschaffte Stromer zurück ins Angebot kommen. Zuletzt gab es für Private bis zu 9.000 Euro Rabatt, was den Anschaffungspreis stark senkte – und darauf basierend bilden sich nun die Restwerte.
Niedrige Restwerte bei E-Autos
Einen neuen Besitzer finden gebrauchte Vollstromer laut Zahlen des Marktbeobachters DAT meist nur mit hohen Abschlägen. Zum Jahresende hatten Elektroautos demnach in Deutschland einen durchschnittlichen Restwert von knapp 52 Prozent – etwa 13 Prozentpunkte weniger als ein Benziner und 11 Punkte weniger als ein Diesel.
„Die Verlierer sind die Hersteller, das bekommen sie natürlich bei ihren Renditen zu spüren“, sagte der Chef einer großen VW-Autohausgruppe der Automobilwoche. „Ich möchte derzeit nicht in ihrer Haut stecken. Rechnen Sie mal: 50 Prozent der UPE eines Porsche oder Mercedes – das ist ein Groschengrab. Das kommt nicht in unsere Bücher.“
Die aktuelle Generation von batteriebetriebenen Fahrzeugen habe kaum noch Hoffnung am Gebrauchtwagenmarkt, meinte Christian Wittmann von der auf den Automobilhandel spezialisierten Unternehmensberatung rpc. „Der Wiederverkaufswert in einigen Jahren ist derzeit nicht realistisch zu beziffern.“
Bei der Volkswagen-Finanztochter VWFS ist man dennoch zuversichtlich. „Wir sehen aktuell, dass insbesondere die großen Händlerbetriebe ihr Gebrauchtwagengeschäft mit E-Fahrzeugen deutlich ausbauen und zunehmend besser in der Lage sind, diese erfolgreich an Endkunden zu vermarkten“, so ein VWFS-Sprecher. „Aktuell sind wir in der Lage, sowohl die älteren als auch die jüngeren gebrauchten E-Fahrzeuge gut zu vermarkten.“
South meint
Also das nenn ich mal jammern auf höchstem Niveau. Die Rückläufer, welche im starken Förderungszeitraum an den Mann gebracht wurden, das sollte ja keine Probleme geben, das wurde hoffentlich realistisch eingepreist. Gut. Wer natürlich in dem überteuertem Zeitraum danach, ich sag jetzt mal Förderungsende bis Ende letztem Jahr, ein offensichtlich überteuertes E Auto mit der Liste auf seine Bücher genommen hat, der hat ein Problem mit der Verwertung, was aber nun wahrlich auch absehbar war und schon sehr naiv wäre, dass nicht eingepreist zu haben. Da jetzt zu jammern, dass man nicht die hohen Listenpreise bekommt, da hat man sein Geschäft nicht verstanden. Und auch heute gilt ganz klar. Die Preise sind aktuell stolz hoch, wer nicht gute Leasingkonditionen oder Rabatte kriegt, der wird draufzahlen.
Und das führt im ersten Augenblick zu dem Paradox, dass E Autos gut kosten und gleichzeitig die Verwerter jammern. Also verscherbeln müssen die Verwerter zumindest normale langstreckentaugliche E Autos wie ID.3 oder TM3 oder TMY sicher nicht….
Till meint
Mein Leasing-ID3 Pure von 2021, geht bald zurück zum Händler. Ursprünglich spielte ich mit dem Gedanken der Übernahme. Neupreis Liste ca. 40.000€. Preis bei Förderung ca. 30.000€. Vergleichbare Fahrzeuge werden bei Mobile zwischen 16.000€ (privat) und 20.000€ (VW Händler u. Garantie) angeboten. VW-Leasing möchte von mir 23.760€. Verhandlungsspielraum, null.
Ich kenne ähnliche Fälle aus den einschlägigen Foren. Einer ließ sein Auto regulär auslaufen, nachdem auch 24.000€ verlangt wurden. Einen Monat später kaufte er sein!! Fahrzeug bei einem VW Händler für 19.500€ wieder zurück.
Die Spekulation der VW Leasing ist, dass bei hohen Rückkaufpreisen, die Kunden sich dann einen Neuen leasen, kaufen. Auch hier zeigen die einschlägigen Foren, dass das wohl nicht so toll funktioniert. Auch ich wechsle die Marke und habe nun einen Neuwagen zum Kauf bei einem anderem Hersteller geordert.
South meint
Also ich glaub dir die Zahlen und kann die unrealistische Jammerei der Verwerter nicht nachvollziehen. Der Listenpreis war ja ein künstlicher Mondpreis und die 30T ja der „echte“. Und nach drei Jahren kosten allgemein nahezu jedes Auto nur so gut ein Drittel des Kaufpreises oder knapp 50% des Listenpreises. Also die 20T sind da völlig Normal, mal davon abgesehen sollte ein Pure Modell nochdazu schwerer vermarktbar sein. Ich würde sogar sagen, gut bepreist oder viel Ausstattung und/oder wenig Kilometer …
Andi_XE meint
ein wesentlicher Faktor werden die Unterhals- und Betreibskosten im Verleich Verbrenner zu BEV sein.
Wenn die Steuern und Abgaben für Verbrenner deutlich steihen werden sich die Restwerte zu gunsten der BEV verschieben. Denke da vor allem an die ETS-2.
Die als Cap bezeichnete Obergrenze beträgt etwa eine Milliarde Tonnen CO 2 im Jahr 2027.
Das würde einen weiteren Anstieg von bis zu 19 Cent pro Liter Benzin und Diesel bedeuten.
hu.ms meint
Genau mit diesem finaziell wesentlichen punkt beschäftigen sich viel zu wenige neuwagen- und heizungs-käufer !
Die CDU will alles über co2-abgaben regeln. Ein auto wird 15 jahre eine heizung 25 jahre genutzt. Da sollte man schon mal rechnen was da so an emissionsabgabe die nächsten jahrzehnte auf einen zukommen.
Dieseldieter meint
Doch ich glaube das tun viele. Nur ist die Erhöhung viel zu gering. 50 Cent mehr beim Liter Sprit sind bei 1000 km im Monat ca. 30 €…
South meint
Also das ist schon ein verniedlichende Darstellung. Das sind 360€ im Jahr oben drauf …
Dieseldieter meint
Das ist ja richtig. Aber viele könnten jetzt schon 50€ im Monat mit einem Elektroauto sparen. Das sind mal eben 600€ im Jahr. Das ist denen aber völlig egal, sonst müsste ja zumindest jeder mit eigener wallbox schon eins haben. Meinst du wegen 360€ mehr steigen die dann um?
Die Abgabe muss höher angesetzt werden.
South meint
Es wird hier immer so getan, als wenn jeder bei seinem Autokauf völlig rational das Auto wählt, was für ihn am günstigsten ist. Das stimmt einfach nicht. Viele kaufen nicht einfach mal einen E Neuwagen oder ein gebrauchtes E Autos, wenn man der neuen Technik nicht traut. Ein typisches Gespräch läuft oft in diese Richtung…
Wie kannst du dir ein E Auto kaufen?
Du weißt doch nicht wie lange es hält?
Es wird schnell veralten oder es wird bald günstiger werden?
Wie ist es denn tatsächlich mich Reichweiten?
Wenn der Vorgänger den Accu nun fast geschrottet hat?
Es ist also superrational einfach mal abzuwarten, denn nicht jeder ist so innovationsfreudig, ja risikofreudig und wartet ab. Veränderungen dauern, weil die Erfahrung fehlt. Aber das wird sich mit zunehmender Verbreitung und Erfahrungsberichten, Langzeittests langsam auflösen…
FahrradSchieber meint
Der steigende CO2-Preis betrifft übrigens auch Strom.
Ja, auch Ökostrom (Quelle: Vattenfall).
Bei 70 Euro pro Tonne CO2 sind das momentan 3 Cent pro kWh (Quelle: tagesschau).
Thomas meint
Die CO2-Abgabe fällt auf den Brennstoff an. Sie erhöhen die Grenzkosten, zu denen Kohle- und Gasstrom an der Börse angeboten werden. Somit sind Stromquellen ohne Brennstoffe nicht betroffen.
CJuser meint
Ich behaupte mal, dass die Geschichte besser aussehen könnte, wenn gerade deutsche Hersteller bessere Garantiebedingungen bieten würden. Zurzeit gelten diese nur auf den Akku. Meines Erachtens sollten diese für HV- und Antriebskomponenten grundsätzlich gelten. Laut Statistik scheint bspw. gerne der AC-DC-Wandler den Geist aufzugeben. Ist auch mal eben vierstellig. Nachdem mein aktuelles BEV ein gebrauchtes Leasingfahrzeug ist, müsste der Kostenvorteil zu einem Neuwagen schon sehr deutlich sein, dass ich wieder einen Gebrauchtwagen nehme.
F. K. Fast meint
Ich sehe das ähnlich. Wenn ich einen VW gebraucht kaufe, habe ich doch meist gar keine Werksgarantie drauf. Die Gebrauchtwagengarantie ist meist auch nicht viel wert.
Mary Schmitt meint
Das ignoriert die Realität. Es gibt sehr interessante elektrische Gebrauchtwagen im Leasing über VW und an Bord ist meist eine Gebrauchtwagengarantie. Die ist ein Versicherungsprodukt zu fairen Konditionen und lässt sich bis 8 Jahre und 150 tkm abschließen. Da hat der Käufer also kein Risiko. Wenn was ist, übernimmt die VW Werkstatt die Kommunikation mit der Versicherung. Easy.
CJuser meint
Die Gebrauchtwagengarantie gilt nur ein Jahr und Folgegarantien können über ein Jahr bei einem gebrauchten Fahrzeug alleine schon vierstellig kosten. Was soll daran attraktiv sein?
Mary Schmitt meint
Ich bezog mich auf Angebote, bei denen über die Leasingzeit diese Versicherung inklusive war. Das Gesamtpaket ist attraktiv.
hu.ms meint
Für meinen ID.3 Pro aus 11/20 bekäme ich jetzt immer noch mind. 14.000 €.
Was nach 5 wintern die selben 45% wie bei verbrenner sind.
Restwert kommt ähnlich wie bei stinkern auf hersteller und modell an.
Wieviel % muss man für ein gleich altes TM3 bezahlen ?
prief meint
Ziemlich wirrer Artikel.
Sind gebrauchte e-Autos nun teurer als Neuwagen und daher kaum verkäuflich, oder so billig, dass ihr Wertverlust dramatisch höher als bei Verbrennern ist?
Beides ist im Artikel zu finden. Bitte um Aufklärung!
MartinAusBerlin meint
Genau. Was soll das?
Beides gleichzeitig geht nicht.
E.Korsar meint
Kommt immer darauf an, wer gerade jammert. Die Leasinggeber haben einige Jahre Förderung eingesackt. (Ganz tolle Geschäftsleute, echte Leistungsträger!) Jetzt kommen die geförderten Fahrzeuge zurück und können nicht nach Schwackeliste verkauft werden. (Die bösen Kunden haben sich das gemerkt. Gemein!) /s
Mäx meint
Es bleibt spannend.
David meint
Ich hätte eher gesagt, es war klar, dass sich für ein neues Produkt erst ein Markt bilden muss.
Richtig ist, dass der VW seinen Händler das Restwertrisiko abgenommen hat. Aber sie wissen, was sie tun. Die Gebrauchtwagen Vermarktung ist professionell, es wird viel Gebrauchtwagen-Leasing angeboten und das Thema Batterie Zertifikat ist auch schon gut vorangekommen. So ist das, wenn der Hersteller sich um das Thema kümmert.
Bei Tesla sieht es anders aus. Die Restwerte sind zusammengebrochen, der Markt ist zusammengebrochen, kein Ankaufsportal kauft einen Tesla an. Da trifft die bekanntermaßen schlechte Qualität auf die politische Ächtung der Swasticars.
Future meint
Die gebrauchten deutschen Teslas werden wohl sehr gerne ins Ausland verkauft. »Besonders lange stehen die von ihren Vorbesitzern verschmähten Stromer nicht bei den Händlern, bestätigen Angaben des Portals mobile.de – die Standtage hätten sich 2024 sogar verkürzt.« Das steht heute auf Spiegel Online. »Zwar wollten derzeit viele ihren Tesla abgeben, sagt Händler Veit Neises. Doch genauso schnell werde seine Firma die Autos wieder los. Der Großteil gehe ins Ausland, etwa nach Ungarn. Dort schere sich kaum jemand um das politische Gebaren von Elon Musk.« So haben alle etwas davon und freuen sich über die Schnäppchen aus Deutschland. Irgndwer profitiert immer.