Die Beratung BearingPoint hat eine neue Befragung von Automobil-Interessierten in der Bundesrepublik in Auftrag gegeben. Untersucht wurden die individuellen Kaufabsichten, Markenpräferenzen und Gründe für oder gegen einen Umstieg auf batteriebetriebene Fahrzeuge.
Das jüngste „Trendbarometer“ bestätigt, was Verkaufszahlen des Vorjahres, Medienberichte und politische Debatten bereits haben vermuten lassen: Der Markt für Stromer in Deutschland wartet weiterhin auf den Durchbruch, aktuell ist die Abkehr von Fahrzeugen mit Verbrennermotor noch nicht zu beobachten. Die Zahlen zeigen, dass der Zuspruch weitgehend stabil bleibt. Eine deutlich wachsende Motivation, in Zukunft hinter dem Steuer eines batteriebetriebenen Pkw Platz zu nehmen, lassen die Befragten nicht erkennen.
Zu Beginn 2025 geben von den potenziellen Autokäufern bundesweit knapp 30 Prozent an, dass ein Elektroauto für sie grundsätzlich infrage kommen würde. Allerdings lag der Anteil an Neuzulassungen reine batteriebetriebener Fahrzeuge bei nur 14 Prozent im gesamten Jahr 2024 und im Januar 2025 bei lediglich 17 Prozent. Die Diskrepanz zwischen Kaufabsicht und Zulassungszahlen bietet für Hersteller laut den Beratern die Chance, das prinzipielle Interesse an E-Autos in tatsächliche Käufe umzuwandeln. Eine bevorstehende Veränderung auf der Angebotsseite lasse für die kommenden Monate des Jahres zusätzlich einen deutlichen Anstieg möglich erscheinen.
Manuel Schuler von BearingPoint: „Im Jahr 2025 werden vermehrt Elektrofahrzeuge für deutlich preissensiblere Käuferschichten auf den Markt kommen. Zudem werden viele Hersteller – insbesondere in der zweiten Jahreshälfte – ihren Absatz vor dem Hintergrund der auf europäischer Ebene vorgegebenen niedrigeren CO2-Flottenziele im größeren Maßstab ankurbeln müssen. Das Jahr 2024 war in der Folge des kurzfristigen Wegfalls von staatlichen Förderinstrumenten von einem Einbruch des Marktes für Elektrofahrzeuge geprägt. Aufgrund der beiden beschriebenen Entwicklungen rechnen wir für das laufende Jahr wieder mit einer Rückkehr zum Wachstum des Marktanteils an E-Fahrzeugen.“
Markenpräferenzen vor dem Hintergrund veränderter Produktportfolios
Ein besonderes Interesse verdient der Blick auf die unterschiedlichen Marken und ihre Modelle mit E-Antrieb. Diese Detail-Analyse macht den Einfluss des veränderten Produktportfolios einzelner Hersteller im Vergleich zum Vorjahr deutlich.
„Man sieht eindeutig, wie das Produktportfolio über die verschiedenen Marken hinweg wächst und Marktanteile sich dementsprechend verschieben. Insbesondere für diejenigen, die früh absatzstarke Fahrzeuge auf dem Markt hatten, bedeutet das nun einen wesentlich größeren Kampf um Marktanteile. Renault ist hier ein Beispiel und die Zeiten, in denen der Kleinwagen Zoe ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt hatte, sind längst vorbei. Für Hyundai und Kia scheint Ähnliches zu gelten. Auch sie hatten mit dem Ioniq 5 und dem EV6 frühzeitig Mittelklasse-Fahrzeuge mit ordentlicher Reichweite im Portfolio. Hier finden Käuferinnen und Käufer 2025 wesentlich mehr Auswahl als noch vor zwei Jahren“, so Schuler.
Daneben bleiben auch chinesische Hersteller klar im Aufwärtstrend. Die Befragten des aktuellen Trendbarometers aufsummiert, könnte sich inzwischen mehr als jeder Vierte vorstellen, ein Elektrofahrzeug von einem Hersteller der Volksrepublik zu kaufen. Im Vergleich zum Vorjahres-Trendbarometer kommt dieser Wert einer Verdoppelung gleich.
Näher betrachtet wurde auch Tesla. Der auch in Deutschland produzierende US-Anbieter hat, zumindest für den Moment, mit einem rapiden Absinken in der Käufergunst zu kämpfen. Die aktuellen Zulassungszahlen untermauern die Lage von Tesla auf dem deutschen Markt: Im Januar 2025 betrug der Tesla-Anteil an E-Auto-Gesamtzulassungen lediglich knapp 4 Prozent. Im selben Monat des Vorjahres waren es noch 14 Prozent.
Der Preis bremst stärker als je zuvor
Die generellen Motive bei der Entscheidung für oder gegen einen Fahrzeugkauf bleiben auch in der neuen Ausgabe des Trendbarometers weitgehend unverändert. Nachhaltigkeitserwägungen und die Preisgestaltung sind in ihrer jeweiligen positiven wie negativen Ausprägung entscheidungsformende Faktoren. Der Faktor Preis prägt die Entscheidung noch stärker als je zuvor.
Aus Sicht der BearingPoint-Fachleute bleibt es interessant zu beobachten, ob sich die bislang bestehende Pro- und Contra-Gewichtung bei den entscheidungsformenden Faktoren mit den angekündigten günstigen Modellen auf dem deutschen Markt merklich verändern wird.
Manuel Schuler stellt zu den Ergebnissen der Umfrage fest: „In unserem Trendbarometer sehen wir bei der Befragung möglicher Käuferinnen und Käufer klare Veränderungen in den Markenpräferenzen, die von den Zulassungszahlen der Vergangenheit stark abweichen. Hier wird es spannend, ob sich diese Tendenzen auch in der Realität wiederfinden. Falls ja, werden wir definitiv bald mehr chinesische Marken auf Deutschlands Straßen sehen – und viele Vorreiter der Elektromobilität müssen mehr denn je um die Gunst ihrer Kundinnen und Kunden kämpfen.“
E-Mobilität noch immer sehr emotionales Thema
Unverändert im Vergleich zum Vorjahr sind auch die sich scheinbar unumstößlich haltenden Bedenken in Teilen der Bevölkerung rund um das Thema E-Mobilität. Diese reichen von vermuteter Brandgefahr bei den Akkus in den Fahrzeugen über Umweltgefahren, die vorgeblich von E-Pkw ausgehen, bis zu vermuteter Kinderarbeit in der Rohstoffgewinnung.
Ein signifikanter Anteil derjenigen, die die Anschaffung eines E-Autos ablehnen und „Sonstiges“ als Grund angeben, verhält sich laut den Beratern emotional. Da das Thema „Individuelle Mobilität“ ein mit grundsätzlichen Emotionen behaftetes Thema sei, überrascht dies aus Sicht von BearingPoint allerdings nicht.
Die Bedeutung des Alters
Die Analyse der vorliegenden Umfragedaten zeigt nicht zuletzt eine signifikante Korrelation des Zuspruchs zum Thema Elektromobilität mit dem Alter der Befragten. Bei Befragten zwischen 25 und 44 Jahren ist die Quote derer, die davon ausgeht, dass ihr nächstes Auto ein E-Auto sein wird, annähernd doppelt so hoch wie bei den älteren Befragten.
„Eine tiefergehende Analyse der dahinterliegenden Gründe lässt sicherlich viele unterschiedliche Blickwinkel zu. Was sich jedoch aus der Umfrage eindeutig sagen lässt, ist, dass das Erleben des elektrischen Fahrens einen Unterschied macht. Entsprechend sagen von den Befragten, die bereits E-Auto gefahren sind, 43 Prozent ‚Ja‘ zum E-Auto, während es bei den übrigen Befragten nur 13 Prozent sind. Zumindest mit Blick auf die jüngeren Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer spricht einiges dafür, dass die E-Auto-Erfahrung noch fehlt“, so Schuler.
South meint
Wir sollten anstatt immer gleich bei jedem tendenziellen Artikel Schnappatmung zu bekommen einfach mal genau lesen. Die Überschriften polarisieren bewusst. „eine Veränderung auf der Angebotsseite“ wird in naher Zukunft kommen und genau da ist die Krux an der Sache. Wie sollen sich denn bitte Kunden vorstellen ein E Autos zu fahren, dass sie nicht kaufen können? Das Angebot umfasst bei den allermeisten Hersteller ja noch nicht einmal alle gewohnten Klassen, und selbst da, die meisten Modelle sind technisch eher betagt und teuer, von der Unlust der meisten Hersteller mal ganz zu schweigen. Die allermeisten Hersteller bedienen nur was gerade zwecks Quote sein muss. Bedeutet es wird zwar aufwärts gehen, aber das derzeitige Angebot ist zu flach und schlecht um daran was zu ändern. Ein Jammertal also? Nö, es braucht Zeit. Bis zur nächsten Bundestagswahl werden E Autos deutlich in der Kundengunst gestiegen sein…
LarsDK meint
Steuern auf grosse teure Verbrenner und die Einnahmen davon als Förderung für kleine billige Elektro-PKW. Das klappt anderswo warum sollte man es nicht auch mal in Deutschland versuchen.
Gerry meint
Ja es wäre wirklich sehr einfach umzusteuern. Aber dazu bräuchte man auch Leute in der Politik die das halbwegs verstehen. Und da schaut es leider gar nicht gut aus….
Haubentaucher meint
…und wird auch noch weiter warten aber zum Glück wartet die Welt nicht auf D.
Wir sind überaltert und haben den Friedrich zum Kanzler gemacht, damit alle Zukunftsthemen weiter verdrängt und behindert werden.
Frank von Thun meint
15 Jahre E-Auto negativ Berichterstattung wirken noch lange nach!
Dazu verkämpfen sich gewisse Medien an Elon Musk. Das er weltweit über 100 000 Arbeitsplätze geschaffen hat ist dabei völlig Banane. Immer wenn ich in ein neues Auto hinein sehe, fühle ich mich in das letzte Jahrtausend versetzt.
So wird das nichts!
Miro meint
Das kommt davon, wenn man den Leuten die ganze Zeit erst eintrichtert, dass E-Autos umweltunfreundlich sind, ständig abfackeln, Mehrere Stunden zum Aufladen brauchen und im Winter gar nicht funktionieren usw.
Willkommen beim Ergebnis dieser Arbeit.
Future meint
Wie hat China denn jetzt den Sinneswandel geschafft? 25 Prozent können sich vorstellen, ein chinesisches Auto zu kaufen. Doppelt so viele gegenüber dem Vorjahr. Das Image der Chinesen hat sich also enorm verbessert. Vielleicht liegt es am Erfolg des Volvo EX30 von Geely.
brainDotExe meint
Wenn man den Volvo als „Chinese“ betrachtet, dann ja.
Vielleicht ist das ja der Grund.
Ich persönlich käme nie auf die Idee.
E.Korsar meint
Monokausalität kann ich mir bei dem Thema nicht vorstellen. Ich denke eher, dass die Diskussionen rund um die „Strafzölle“ chinesische Autos in den Fokus gerückt haben.