Mercedes-Benz verabschiedet sich offenbar vom Begriff Luxus in seiner Unternehmensstrategie. Nach Informationen des Handelsblatts will der Konzern künftig wieder Premiumfahrzeuge in allen Preisklassen anbieten. Die entsprechenden Pläne bestehen dem Bericht zufolge seit dem Sommer und sollen nun umgesetzt werden.
Intern habe der Luxusbegriff schon länger für Konflikte gesorgt, weil er als polarisierend und zu exklusiv galt. Selbst im oberen Management sei nur noch vom „L-Wort“ die Rede gewesen. UBS-Autoanalyst Patrick Hummel erklärte dem Handelsblatt: „Die Luxusstrategie, wie Mercedes sie vor drei Jahren vorgestellt hat, wurde vom Management in dieser Form still und leise beerdigt.“ Auch Ingo Speich von Deka Investment sieht die Abkehr bestätigt und sagte: „Wenn Källenius ein neues Einstiegsmodell einführt, ist seine Luxusstrategie endgültig Historie.“
Konzernchef Ola Källenius hatte seit 2022 versucht, unter dem Motto „Marge vor Menge“ die Profitabilität zu steigern. Doch die Luxusambitionen scheiterten am Markt: Im ersten Dreivierteljahr brach der Gewinn vor Steuern und Zinsen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 60 Prozent ein. Zudem ist Mercedes derzeit der einzige deutsche Autobauer, der in allen wichtigen Märkten rückläufige Absätze verzeichnet.
Laut dem Handelsblatt arbeitet der Vorstand seit September an einem neuen Einstiegsmodell. Der Konzern wolle zu früheren Werten zurückkehren, mit traditionellerem Pkw-Design und dem neuen Markenversprechen „Welcome Home“. Das neue Modell soll sich preislich und optisch an der A-Klasse orientieren, deren Produktion Källenius ursprünglich reduzieren wollte. Die Fertigung des neuen Einstiegsfahrzeugs soll jedoch im ungarischen Kecskemet erfolgen, wo die Produktionskosten um 70 Prozent niedriger liegen.
Steilheck-Limousine geplant
Källenius zielt dem Bericht zufolge darauf, jüngere Käufer anzusprechen und sie langfristig zu teureren Modellen zu führen. Der Einstieg in die Marke soll preislich nicht zu anspruchsvoll werden: Die A-Klasse startet bei rund 34.000 Euro – das nächstteurere Modell CLA liegt etwa 10.000 Euro höher. Die neue Baureihe soll erneut eine Steilheck-Limousine sein, die vor allem europäische Kunden adressiert.
Technisch soll die Neuheit auf der bereits entwickelten, vorrangig für Elektroautos ausgelegten MMA-Plattform basieren. Auch der neue Elektro-CLA, der kommende neue CLA Shooting Brake sowie die 2026 erwarteten nächsten Generationen der Kompakt-SUV GLB und GLA nutzen sie. Unklar ist, ob auch das neue Einstiegsmodell in mehreren Elektroauto- sowie Hybridversionen angeboten werden soll.
Statt wie geplant nur noch vier Kompaktmodelle anzubieten, werden es künftig fünf sein – lediglich die B-Klasse läuft wie vorgesehen zum Jahresende aus, heißt es in dem Bericht. Mit der Strategieanpassung schaue Mercedes-Benz wieder stärker auf den Absatz. „Mercedes hat die Schraube zu sehr Richtung Luxus gedreht und will mit der angepassten Strategie eine neue Balance finden, damit die Verkaufszahlen nicht zu stark sinken“, so UBS-Branchenexperte Hummel. Was die Erhaltung von Stückzahlen angeht, sei der Konzern mit dem Luxusfokus zu optimistisch gewesen.
Der Konzern will nach Handelsblatt-Informationen auch wieder mehr Pkw an den Autovermieter Sixt verkaufen. Eigentlich wollten sich die Stuggarter aus diesem margenschwachen Geschäft zurückziehen. Sixt wirbt gerade mit der neuen Elektro-Coupé-Limousine CLA. „Solche Werbung wird es demnächst mit noch mehr Modellen geben“, sagt ein Mercedes-Manager der Wirtschaftszeitung.

FrankyAC meint
Wow, so mancher interpretiert offenbar ziemlich viel in das (eigene) PR-Gequatsche. :D
R2D2 meint
Welche Luxustrategie?
Future meint
Die Luxusstrategie von Mercedes-Benz wurde hauptsächlich mit einer höheren Profitabilität und der Konzentration auf wachsende, kaufkräftige Kundensegmente begründet. Der Fokus lag auf der Wertsteigerung des Unternehmens durch die Priorisierung von margenstarken Luxussegmenten wie Top-End Luxury und Core Luxury, was durch eine steigende Anzahl wohlhabender Menschen weltweit ermöglicht werden sollte. Nun, diese wohlhabenden Zielgruppen haben sich allerdings gegen einen Mercedes entschieden, weil die Konkurrenz das bessere Produkt hatte.
brainDotExe meint
Mir wäre jetzt keine direkte Konkurrenz bekannt, welche diesbezüglich bessere Produkte hat.
Die S-Klasse wird nicht umsonst immer so gelobt.
Ich denke eher die Nachfrage wird, verständlicherweise, doch deutlich geringer als gedacht gewesen sein.
eHannes meint
Einfach mal bei BMW gucken …
brainDotExe meint
Der 7er BMW hat zwar gut aufgeholt, aber die letzten Jahre hatte die S-Klasse immer noch die Nase vorne.
Future meint
Die Hauptkonkurrenten von BMW und Mercedes im wichtigen chinesischen Markt sind chinesische E-Auto-Marken wie BYD, Nio und XPeng, die insbesondere im Luxussegment mit Modellen wie dem BYD Han, Nio ET7 und XPeng G9 angreifen. Diese chinesischen Hersteller bedienen sich einer aggressiven Preisstrategie und investieren massiv in Technologie und die gesamte Wertschöpfungskette, was sie zu starken Wettbewerbern macht.
BYD:
BYD ist ein starker Konkurrent in verschiedenen Fahrzeugklassen, einschließlich des Premium-Segments mit der Luxusmarke Denza, die BMW und Mercedes direkt angreift. Der BYD Han beispielsweise konkurriert in der Luxuslimousinen-Klasse.
Nio:
Nio ist bekannt für seine Premium-Elektroautos, wie den Nio ET7, und zielt direkt auf das Luxussegment ab.
XPeng:
XPeng konkurriert mit Modellen wie dem XPeng G9 im SUV- und Luxussegment.
Hongqi:
Auch Hongqi ist eine chinesische Marke, die in der Luxusklasse eine Rolle spielt.
Jeff Healey meint
Der Kern des Problems:
Eine „Luxus Only“-Strategie führt zwangsläufig zu sinkenden Skaleneffekten, und zu niedriger Auslastung der Produktion. Es entsteht in Folge eine ganze Kette von nachteiligen Effekten.
Herr Källenius fällt in seiner Position seit vielen Jahren mit mehreren, massiven Fehlentscheidungen auf, die den Konzern in große Schwierigkeiten gebracht haben. Jeder Auto-Interessierte Laie hätte eine bessere Unternehmensstrategie entwickelt als er. Der Stern hat kein gutes Händchen bei der Auswahl seiner Führungsebene.
eHannes meint
Ich bewundere Hernn K. schon fast dafür, dass er eine Methode hat, sich als sein eigener Nachfolger zu präsentieren und dass er damit auch noch durchkommt. Aber vielleicht muss er ja nur noch den Stellenabbau umsetzen .. Mal sehen, wann es dem AR zu bunt wird.
F. K. Fast meint
Wenn sie heute eine elektrische A-Klasse 169 zu fairen Preisen hätten (wie damals). Sieht man heute noch viel und ich finde sie hat auch heute noch ein harmonisches, attraktives Design. Vorbereitet für Akkus im Unterboden war sie ja eh schon.
Yoyo meint
1997 wurd die damalige A-Klasse (E197) eingeführt, um „Junge Familien an Mercedes heranzuführen“.
Damals hatten aber statt der Zielgruppe Junge Familie die Senioren die Wagen gekauft, weil sie hoch sitzen konnten und das Auto besser einzuparken war.
Genau das wird sich wiederholen, die jungen Familien kaufen sich keinen Mercedes, es sei denn, der Arbeitgeber bezahlt das.
Ich komme vor Lachen fast nicht in den Schlaf….
Yoyo meint
…War natürlich W 168….
Smarty2020 meint
Das Fahrzeugsegment W 168/169 (kurze hohe praktische Autos, welche für E-Antrieb bereits 1999 vorgesehen waren) hat man dort jetzt zu lange vernachlässigt. Notgedrungen habe in 5 Jahren 3 E-Smarts 4-4 (gebaut von Renault, zusammen mit dem Twingo) gefahren. Dann hab ich erkannt, dass deutsche und auch europäische Hersteller keine super-praktischen Autos unter 4 Meter bauen wollen und können. Zudem hat mich der Mercedes-Smart Konzern mit der ersatzlosen Abschaltung der read-to-Funktion dermaßen verärgert, dass ich NIE wieder was bei denen kaufen werde. VW kommt mit dem zu kleinen und unpraktischen ID 1 zu spät. Da hab ich mich Anfang 2025 in den Hyundai INSTER gesetzt: WOW!!! Alles fast wie bei der alten A/Klasse nur komplett mit allen modernen Funktionen! Incl. Glasschiebedach, allen Extras, AHK, Dachträger, höchste Ausstattungsvariante mit fast allen Extras, 3,83 m lang, hinten Platz wie in der S/Klasse: 28.750€. Den Karren hab ich mir sooo gewünscht, und das sollen andere nicht auch hinbekommen??? (0k.: 4,30 lang, 500 kg schwerer und 20.000€ teurer kann jeder🤮)
Selber Schuld, wenn bald alle Lichter ausgehen….
South meint
Soviel zum Thema Mittelklassewagen für 70T€+x…. und Kompaktklasse ist was für die niederen Hersteller…
M. meint
Ich denke, dass sich niemand dort wirklich für diese willkürliche Eingruppierung interessiert, um Fahrzeugpreise festzulegen.
Vorhersage: der GLC wird morgen nicht 20k€ im Preis gesenkt werden, damit das für manche nach ihrer Definition von Klassen besser korreliert.
South meint
Ne, ich habe schon in der Automobilindustrie gearbeitet. Auch in den Marketingabteilungen werden die Konkurrenzmodelle, die sich gewöhnlich in den gleichen Klassen befinden verglichen. Der A4 mit dem 3er und der C Klasse, oder Golf, A3, A Klasse, i30 etc.. Auch beim ADAC steht immer die Fahrzeugklasse in den ersten Zeilen eines jeden Testberichtes.
Das bedeutet natürlich nicht, dass alle Modelle in der gleichen Klasse das gleiche Kosten, auch da fängts halt an und hört auf. Wenn aber ein Modell preislich in eine Klasse höher fällt, dann wirds spannend, da muss es dann schon einen triftigen Grund geben. Denn auch Kunden sind nicht an eine Klasse gebunden. Wie in meinem Fall. Wenn der iX3 soviel kostet wie ein A6etron. Da wäre ich wohl bescheuert, mit ein Auto eine Klasse tiefer zu kaufen…
MrBlueEyes meint
Bescheuert wäre eher, sich für mehr Geld weniger Reichweite zu holen 😉
Ein A6 eTron halt Null Vorteile gegenüber einem iX3… alte Technik… Qualität naja… und Reichweite und Akku auch weniger…
South meint
Ne, so groß ist der Unterschied nicht. 720WLTP vs. 800WLTP und es bleibt abzuwarten, was der iX3 in der Praxis tatsächlich verbraucht. Der A6etron sollte effizienter sein.
Gut, jetzt subjektiv, innen ist der Audi deutlich schöner, als der BMW mit dem hingeklatschten Monitor und den SUV Hasenzähnen, das muss einem gefallen.
Aber hier sind wir wieder im klein, klein. Der iX3 bietet nicht den Mehrwert, dass ich den Preis eine Klasse höher bezahlen würde…
M. meint
Ich glaube, die bei BMW arbeiten auch in der Automobilindustrie.
Daher schätze ich, dass die sich ihre Gedanken auch gemacht haben, ohne zu deinem Ergebnis gekommen zu sein.
Wahrheit meint
Du checkst doch noch nicht mal, dass wir unter anderem auch dein Pumperfreund mit dem Fiat Tipp waren… Wer so naiv ist, denkt natürlich auch mit seinem Auto die Welt zu retten.
Dass bei dir wenig los ist, dürfte den meisten Bier klar sein. Aber so wenig… Junge Junge
RainerLEV meint
Leute mit einem wissenschaftlichen oder technischen Background sind in stürmischen Zeiten besser als Kaufleute. Ola gehört zur 2. Gruppe soweit ich weiß.
Future meint
Philosophen eignen sich sehr gut als Vorstände. Die sind zukunftsorientiert. Bestes Beispiel ist Palantir. Allerdings müssen natürlich auch immer die richtigen Berater beauftragt werden.
CJuser meint
Die können ja gerne eine Luxusstrategie im Oberklassesegment fahren, inkl. mehr Modellen der Submarke Maybach, aber darunter geht es einfach nicht auf. Und vor allem, sollten diese Fahrzeuge dann auch dem Anspruch genügen – Stichwort Innenraum von SL Roadster und GT Coupé.
Miro meint
Das Mittelmäßigste oder Nichts.
Future meint
Welcome home ist auch nicht besser.
Future meint
Der Konzern wolle künftig wieder Premiumfahrzeuge anbieten, steht im Bericht des Handelsblatts. Das ist natürlich Marketingsprech. Viel wichtiger ist doch der neue Billig-Mercedes aus Ungarn. Dort sind die Produktionskosten 70 Pozent niedriger als in Deutschland. Die Kosten müssen überall gesenkt werden, um erfolgreich zu sein. Die gute Zukunft muss viel billger werden.
brainDotExe meint
Nicht billiger sondern höchstens günstiger.
Billiger kann und soll nicht das Ziel sein.
Future meint
Natürlich viel billiger. Die Produktionskosten müssen billiger werden, viel billiger. Und die Verkaufspreise müssen billiger werden, viel billiger, um konkurrenzfähig zu sein in den wichtigsten Märkten. Nur Billigbillig ist gut für die Profitabilität und den Erfolg. Luxus klappt eben nicht in einem Mercedes und das will auch keiner bezahlen.
brainDotExe meint
Eben genau das nicht.
Billig = schlechter bzw. weniger hochwertig.
Günstig ist das Wort was du suchst.
Billig ist nicht das Ziel, im Gegenteil. Besser/Hochwertiger ist das Ziel.
Future meint
Alles ist eine Frage der Definition.
Billig kann ein sehr gutes Produkt sein. Die Discounter sind damit so erfolgreich geworden, weil sie ein hervorragendes Billigprodukt verkaufen, was eine gleichwertige oder höherwertige Qualität hat als das teurere Vergleichspodukt. Beim Auto genau dasselbe. Die Leute merken das langsam, deshalb haben sich auch so viele gegen Mercedes entschieden.
brainDotExe meint
Eben nicht, die Definition von billig ist auch eine schlechtere Qualität.
Günstig bei ähnlicher Qualität, das ist es womit die Discounter groß geworden sind.
Ein Mercedes hat weder den Anspruch billig noch (mit Volumenherstellern verglichen) günstig zu sein.
Was man erreichen muss, ist unter den Premiumherstellern ein günstiges aber hochwertiges Produkt zu haben, das ist ein Gamechanger.
Aber kein billiges, das ist schlecht fürs Image.
Fred Feuerstein meint
Mercedes schafft es nicht nur günstig, sondern auch billig zu sein. Man braucht sich nur reinzusetzen. Aber auch unter der Motorhaube, da setzt man auf billige Renaultmotoren. Da ist nix premium, Luxus schon gar nicht.
Aber jetzt sollen ja BMW und Mercedes zusammen Motoren entwickeln. Vielleicht kommt BMW so zu standfesteren Motoren und Mercedes zu vernünftigen Motoren…
M. meint
„Aber jetzt sollen ja BMW und Mercedes zusammen Motoren entwickeln.“
Da merkt man, woher du deine Infos bekommst. Meine Güte, das ist ja Springer-Niveau.
https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/motorenpakt-bmw-motoren-fuer-mercedes-modelle/
Fred Feuerstein meint
Es wär gut wenn BMW mit Mercedes gemeinsam Motoren entwickeln würde. Denn dann würde BMW endlich wieder zu haltbaren Steuerketten kommen. Mercedes hat damit so gut wie gar keine Probleme.
Aber sei es drum, ist eh egal. Meinetwegen können die auch weiterhin ihre chinesischen Motoren von Geely einbauen.
Ossisailor meint
Das mit den 70 % kannste aber nochmal überdenken.
Future meint
Die 70 Prozent stehen oben im Text.
Einfach nochmal lesen.
LMdeB meint
Z.B Temu ist billig. Dort „holt“ man sich auch Produkte der Begierde und kauft sie nicht.
Future meint
Temu und Shein sind spottbillig, aber die haben noch keine Autos.
Mercedes muss nur billig sein, weil der Name ja immer mitbezahlt werden muss.
MrBlueEyes meint
Und wann verabschiedet sich Mercedes von Ola Källenius???
Der hat den Murks zu verantworten… ein Murks, bei dem jeder vorher gesagt hat, dass das schief gehen wird…
Verantwortung übernehmen ist heutzutage leider nicht mehr angesagt…
Future meint
Alle machen mal Fehler. Eine Luxusstrategie hätte auch erfolgreich sein können. Aber Mercedes hatte einfach kein Luxusprodukt für die Märkte. Das ist wohl eine Fehleinschätzung gewesen.
MrBlueEyes meint
Richtig, es war ein massiver Management-Fehler, der Mercedes wahrscheinlich Milliarden gekostet hat… also wenn das kein Grund zum Rausschmiss ist, dann weiß ich auch nicht…
Wer Millionen im Jahr verdient und solche strategischen Fehler begeht, gehört gefeuert…
Mäx meint
Da waren in den letzten paar Jahren aber ne Menge Fehler:
. Luxusstrategie
. Bisschen auf E
. Doch voll auf E
. Lieber doch nicht
Immerhin ist man nicht zu stolz und steuert aktiv gegen.
Dennoch, jeder macht mal Fehler etc., aber manchmal muss es dann auch mal Konsequenzen geben.