Für eine repräsentative Erhebung zur Elektromobilität befragte das Verbraucherforschungsinstitut Appinio im Auftrag der Managementberatung Horváth knapp 4500 Pkw-Besitzer in 16 Ländern Europas sowie in China, Brasilien, Indien und den USA. Berücksichtigt wurden laut dem österreichischen Portal A3Bau ausschließlich Fahrzeughalter, die in den kommenden zwei bis drei Jahren einen Fahrzeugkauf planen. Die internationale Studie wurde im Februar 2026 abgeschlossen.
In Europa kann sich demnach inzwischen mehr als die Hälfte der Befragten, 55 Prozent, den Kauf eines Elektroautos eines chinesischen Herstellers vorstellen. Das sind sieben Prozentpunkte mehr als 2024 und zwölf Prozentpunkte mehr als 2023. Auch in Deutschland ist die Offenheit gestiegen: 52 Prozent würden chinesische Modelle beim nächsten Autokauf berücksichtigen, nachdem es Anfang 2024 noch 37 Prozent waren.
In Österreich zeigt sich ein anderes Bild. Dort können sich 49 Prozent der Autokäufer vorstellen, ein Elektroauto aus China zu kaufen – dieser Wert entspricht dem Vorjahr. Christoph Kopp von Horváth beschreibt die Entwicklung so: „Das anfänglich große Interesse hat in Österreich spürbar nachgelassen – vor allem, weil die Markenbekanntheit inzwischen gesättigt ist und sich eine klare Präferenz für europäische Modelle herausgebildet hat.“
Besonders hoch ist die Akzeptanz in Spanien und Ungarn, wo jeweils rund drei Viertel der Bevölkerung eine Anschaffung in Erwägung ziehen. Am zurückhaltendsten sind die Schweizer mit 46 Prozent, gefolgt von Niederländern und Franzosen mit jeweils 47 Prozent. Im internationalen Vergleich liegt Europa im Mittelfeld. In den Vereinigten Staaten zieht nur rund ein Drittel der Verbraucher chinesische Autos in Betracht, in Brasilien sind es 88 Prozent und in Indien 78 Prozent.
Beim Umstieg auf Elektromobilität bleibt China der führende Markt. Dort geben 92 Prozent der Befragten an, grundsätzlich bereit zu sein, auf ein batterieelektrisches Fahrzeug umzusteigen. Horváth-Berater Georg Mrusek sagt dazu: „Elektromobilität gehört in China längst zum Mainstream, während sie in Europa noch stark von politischen und wirtschaftlichen Diskussionen geprägt ist.“
In Österreich nennen jene Befragten, die für ein E-Fahrzeug offen sind, vor allem das Preis-Leistungs-Verhältnis chinesischer Autos als Kaufargument. 56 Prozent sehen darin eine zentrale Stärke, die Hälfte verweist auf attraktive Preise. Auch die Qualität wird häufiger als Argument für den Kauf genannt: 2023 lag dieser Wert bei 20 Prozent, nun bei 27 Prozent. Zugleich bleibt Qualität ein Hindernis: 42 Prozent der befragten Österreicher sehen sie als wesentlichen Grund gegen ein chinesisches Auto. Automobilexperte Kopp spricht von einer „strukturellen Verschiebung“.
Die Offenheit für Elektrofahrzeuge insgesamt ist in Österreich zuletzt zurückgegangen. Nur 57 Prozent der österreichischen Fahrzeughalter mit konkreten Neuanschaffungsplänen sind in den kommenden zwei bis drei Jahren offen für den Umstieg auf ein Elektrofahrzeug. Das sind zehn Prozentpunkte weniger als in der Vorjahreserhebung.

LMdeB meint
Ich kaufe nicht bei Temu & Co. und keine chinesischen Autos. Noch kann ich mir’s leisten.
Future meint
Da muss man differenzieren. Auch viele deutsche Händler verkaufen bereits über Temu (Quelle: tagesschaude, 07.04.26). Temu ist nichts weiteres als ein weiterer Marktplatz mit vielen Händlerm, so wie es Amazon als Portal ja seit vielen Jahren auch schon ist.
Gernot meint
«Preis-Leistungs-Verhältnis chinesischer Autos als Kaufargument.»
Darunter dürften viele Menschen mit gewissen Defiziten sein. Viele schauen nur auf den Kaufpreis. Das, was man bei einem Auto tatsächlich bezahlt, ist aber die Differenz aus Kaufpreis und Wiederverkaufspreis/Restwert. Letzterer wird bei vielen Chinesen deutlich niedriger sein als bei europäischen/deutschen Fabrikaten.
Wenn der Chinese 50.000 Euro kostet und nach 3 Jahren 25.000 Restwert hat und das deutsche Auto 60.000 Euro und nach 3 Jahren noch 35.000 Restwert hat, dann ist das deutsche Auto nicht teurer.
Hinzu kommen Kosten durch deutlich schlechtere Service-Netzwerke, meist höheren Verbrauch und das Risiko, dass einige chinesische Autohersteller gar nicht überleben werden und einige den hiesigen Markt zumindest wieder aufgeben werden, womit Ersatzteilversorgung, Software-Updates etc. entfallen.
Das soll überhaupt nicht heißen, dass es nicht individuell sinnvoll sein kann, ein chinesisches BEV zu kaufen. Die Autos sind teils hervorragend und die großen Anbieter wie BYD werden wohl nicht mehr verschwinden. Aber mittlerweile versuchen schon ca. 25! chinesische Marken ihr Glück auf dem hiesigen Markt. Die werden nicht alle bleiben und wer auf das falsche Pferd setzt, dem drohen herbe Verluste.
Und das alles ist ja keine Theorie. Siehe Brilliance, Aiways. Und es ist prinzipiell auch nicht auf die Chinesen beschränkt, siehe Fisker. Wie Vinfast überleben will, weiß ich auch nicht.
South meint
Obwohl ich kein Fan von chinesischen Herstellern bin, die dargestellte Sichtweise ist eher Wunsch als Wirklichkeit. Ja, natürlich verlieren chinesisches Autos mehr an Wert, aber das wäre für mich kein Kriterium, denn ich fahre meine Autos sehr lange und eine nahe Werkstatt braucht man schlicht nicht mehr… reine Veralberung. Es reichen eigentlich Werkstätten in den üblichen Ballungszentren. Mann, ich fahre zum Einkaufen nach München, aber eine VW Werkstatt muss 10km weg sein? Nö, muss sie ganz sicher nicht…
David meint
Das ist ja keine neue Entwicklung, dass es immer Leute gibt, die bei allem billig billig kaufen und sich dann im Nachgang wundern, warum ihr Arbeitsplatz verloren gegangen ist. Die Frage ist also nur, wenn die Chinesen gewinnen, wer denn verliert? Das kann man gut sagen: diejenigen, die vorher die Rolle der Chinesen eingenommen haben und nur billig billig anboten: Dacia, Koreaner und Japaner. Dazu die Stellantis-Gruppe. VW hatte diese Gefahr bereits vor 40 Jahren erkannt und sich in Ruhe zwei Pseudo-Ausländer mit guten Preisen, aber Anspruch aufgebaut: Škoda und Seat/Cupra.
Future meint
Also sind die deutschen Autokäufer daran Schuld, dass Arbeitsplätze und Produktion aus Deutschland verlagert wird? Ich finde, Käuferbeschimpfung bringt nichts, um die heimische Industrie zu unterstützen. Das hat doch bei anderen Industrien, die bereits weitgehend aus Deutschland verschwunden sind, auch nicht geholfen. Es ist doch ganz einfach: Es geht für die Kunden wie bei jedem Produkt um Wettbewerb und um das beste Preis-Leistungsverhältnis. Beim Elektroauto kommen noch Innovation und Lieferbarkeit hinzu. Neue Wettbewerber sind dabei natürlich aus Kundensicht immer willkommen und erweritern das Angebot. So geht das doch überall in den Märkten und das nennt sich Konsum.
David meint
Ich würde gerne öfter diskutieren, aber mit dir hat es keinen Sinn. Du verstehst nichts und weißt wenig.
Mein Beitrag war keine Käuferbeschimpfung, sondern eine Beschreibung eines Kundensegments mit schädlichem Verhalten. Die haben entsprechend keine Markentreue. Neue Intruder in das Segment nehmen also etablierten Herstellern nichts weg. Sondern mehrheitlich denen, die sich vorher als Intruder versuchten.
Damit sind sie keine Gefahr für die deutschen Hersteller. Ganz im Gegenteil fischt VW sogar erfolgreich in diesem Segment mit zwei Pseudo-Ausländern, was dazu führte, dass der Anteil echter Ausländer heutzutage historisch klein ist.
P.S.: Vor den Chinesen waren es die Koreaner, davor die Japaner, davor die Franzosen, davor die Italiener. Das weiß nur heute keiner mehr. Man hatte damals deutsche Autos durch Zölle geschützt und Fiat hatte darauf reagiert und mit einem lokalen Partner in Deutschland eine Fabrik gebaut. Vor knapp 100 Jahren. Auch diese Lösung ist also gar nicht mal so neu. Letzter in Deutschland gebauter Fiat war der 128, ein damals der Mittelklasse zugehöriges Fahrzeug zum Preis eines Käfers.
South meint
Oder die Bauen einfach Fabriken, weil es sich einfach ab einer bestimmten Absatzgröße lohnt, die Autos nicht um die Halbe Welt verschiffen zu müssen… ;-)
South meint
Völlig verdrehte Weltsicht. Die Kunden kaufen Lösungen und vergeben keine Almosen… die Kunden haben eine Heimbias, der gerne mit Markte und Image vermischt wird, aber dafür muss das Angebot halt auch passen…