Polestar hat nach den Ergebnissen des ersten Halbjahres seine Absatzprognose für 2026 gesenkt. Statt des bislang erwarteten niedrigen zweistelligen Volumenwachstums rechnet der schwedisch-chinesische Elektroautobauer nur noch mit einem Wachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich.
Im ersten Halbjahr setzte Polestar 30.423 E-Autos im Einzelhandel ab, 0,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im zweiten Quartal gingen die Verkäufe gegenüber dem Vorjahr um 4,0 Prozent auf 17.296 Stromer zurück.
Polestar erzielte im ersten Halbjahr 1,36 Milliarden US-Dollar Umsatz, 4,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die bereinigte Bruttomarge verschlechterte sich von -1,4 auf -8,5 Prozent. Den Umsatz belasteten nach Unternehmensangaben insbesondere Preisdruck, Kosten aus Restwertgarantien und der US-Restrukturierung sowie niedrigere Erlöse aus CO₂-Zertifikaten. Bei den Umsatzkosten wirkten sich zudem höhere Zölle und gestiegene Rohstoffkosten, insbesondere für Batterien, negativ aus.
Der ausgewiesene operative Verlust verringerte sich zwar um 42,6 Prozent von 1,096 Milliarden auf 629 Millionen US-Dollar, der Vorjahresvergleich wird jedoch maßgeblich durch Wertberichtigungen von 724 Millionen Dollar im ersten Halbjahr 2025 beeinflusst. Die bereinigte EBITDA-Kennzahl entwickelte sich gleichzeitig negativ: Der Verlust stieg von 302 auf 521 Millionen Dollar. Der Nettoverlust sank von 1,193 Milliarden auf 842 Millionen Dollar.
Rückzug vom US-Neuwagengeschäft
Eine zusätzliche Belastung entsteht aus dem Rückzug vom US-Neuwagengeschäft. Das US-Handelsministerium erteilte Polestar keine Genehmigung nach den Connected-Vehicle-Regeln für den Verkauf von Fahrzeugen ab dem Modelljahr 2027. Das Unternehmen beziffert die daraus resultierenden negativen Anpassungen im ersten Halbjahr auf rund 130 Millionen Dollar. Fahrzeuge früherer Modelljahre sollen noch aus bestehenden Beständen verkauft werden, anschließend will die Marke in den USA vor allem Bestandskunden betreuen.
Zum 30. Juni verfügte Polestar den Angaben nach über rund 888 Millionen Dollar an liquiden Mitteln. Zugleich wurden im ersten Halbjahr 700 Millionen Dollar neues Eigenkapital aufgenommen und rund 640 Millionen Dollar an Darlehen von Geely Sweden und Volvo Cars in Eigenkapital umgewandelt. Polestar gehört wie Volvo zum chinesischen Geely-Konzern.
Polestar hat fünf Modelle im Programm: die Mittelklasselimousine Polestar 2, das große SUV Polestar 3, den Polestar 4 Coupé, ganz neu den Polestar 4 SUV sowie die Oberklasselimousine Polestar 5. Zu den geplanten Modellen gehören der Nachfolger des Polestar 2 (Markteinführung 2027), das Kompakt-SUV Polestar 7 (Markteinführung 2028) und der Roadster Polestar 6. Das Unternehmen, dessen Fahrzeuge derzeit auf zwei Kontinenten – in Nordamerika und Asien – hergestellt werden, plant eine weitere Diversifizierung seiner Produktionsstandorte: Die Fertigung des Polestar 7 soll in Europa erfolgen.

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