Auf dem Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos hat ein Wandel stattgefunden, da die Nachfrage mittlerweile das Angebot übersteigt. Lange Zeit galt das Segment als schwierig, da Kunden aufgrund von Sorgen um Reichweite und Ladeinfrastruktur bevorzugt Neuwagen oder Verbrenner kauverkauften. Dies führte bei Händlern, Leasinganbietern und Herstellern teilweise zu finanziellen Verlusten.
Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs hat sich die Marktlage jedoch verändert, berichtet die Automobilwoche. Die Gebrauchtwagenbörsen Mobile.de und AutoScout24 verzeichneten demnach bis Ende Mai eine Verdopplung der Kaufanfragen pro Inserat innerhalb eines Jahres. Mobile.de meldete für den Zeitraum seit Januar ein Plus von 62 Prozent. Ein Sprecher von Mobile.de bezeichnete die Situation gegenüber dem Branchenportal als einen eindeutigen Nachfrageüberschuss.
Die Bestände der Händler werden derzeit laut dem Bericht stark reduziert. Bei AutoScout24 sank die durchschnittliche Standzeit zwischen Online-Stellung und Löschung eines Inserats von durchschnittlich 55 Tagen im Januar auf 47 Tage im Mai, was einem Rückgang von 15 Prozent entspricht. Stefan Schneck zufolge, Chief Sales Officer bei AutoScout24, ist das Angebot an gebrauchten Stromern seit Jahresbeginn marktgetrieben um 25 bis 30 Prozent gesunken. Mobile.de meldete bei den Standtagen gebrauchter batterieelektrischer Fahrzeuge ein Minus von 30 Prozent seit Mai 2025.
Hohe Spritpreise, erschwinglichere Gebraucht-Stromer
Auch die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts belegen diesen Trend. Im April dieses Jahres lag die Zahl der Besitzumschreibungen gebrauchter Elektroautos mit 42.500 Halterwechseln erstmals über den 35.500 gewerblichen Neuzulassungen. Martin Weiss, Leiter Fahrzeugbewertung bei der Deutschen Automobil Treuhand (DAT), sieht die Ursache für die gestiegene Nachfrage vor allem in hohen Spritpreisen und der Erschwinglichkeit gebrauchter Fahrzeuge. Elektroautos kosten laut der Automobilwoche nach drei Jahren derzeit etwa die Hälfte des ursprünglichen Listenpreises, während Verbrenner bei rund 60 Prozent liegen.
Die hohen Kraftstoffkosten fungieren als maßgeblicher Treiber für den Umstieg. Laut Stefan Schneck von AutoScout24 zeigen sich nun auch jene Personen für einen Wechsel offen, die zuvor aus emotionalen Gründen an Verbrennungsmotoren festhielten. Besonders gefragt sind ältere und günstigere Modelle mit zwei oder mehr Vorbesitzern. So erhielt ein drei bis vier Jahre alter VW ID.3 AutoScout24 zufolge bis zu dreimal mehr Anfragen pro Inserat als jüngere Modelle. Schneck beschrieb die Entwicklung mit den Worten: „Das Stiefkind älterer Elektro-Gebrauchtwagen ist jetzt auf einmal die Prinzessin.“
Ein Mangel an Fahrzeugen im Alter von drei bis vier Jahren verstärkt die Situation, da diese aufgrund der Lieferkrise in geringeren Stückzahlen produziert wurden. Laut DAT-Experte Martin Weiss bestätigen viele Händler, dass sie mehr gebrauchte Fahrzeuge verkaufen könnten, sofern diese im Bestand verfügbar wären, insbesondere bei Pkw unter 20.000 Euro.
Die Durchschnittspreise auf den Gebrauchtwagenbörsen sind nach Informationen der Automobilwoche von etwa 33.000 Euro im Januar auf 37.600 Euro im Mai gestiegen. Dieser Anstieg resultiert Stefan Schneck zufolge primär aus dem Abverkauf älterer, günstigerer Fahrzeuge und dem Nachrücken jüngerer Gebrauchtwagen. Ob die Preise weiter steigen, hängt nach Einschätzung von Mobile.de von der Verfügbarkeit von neuem Inventar sowie den Auswirkungen der E-Auto-Prämie ab.

Paule meint
Im Ernst? Nachfrageüberschüss diagnostiziert wegen mehr Clicks?
Bei Autoscout24 stehen alleine 5.000 IDs zum Verkauf. 4.600 e-tron. In Summe über 57.000 BEVs, die weg müssen. 24.000 Stück unter 5.000 km. 7 Davon sind Teslas, nebenbei erwähnt.