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Studie: Deutschlands Autoindustrie hat ein Führungsproblem

03.09.2026 in Autoindustrie, Studien & Umfragen von Thomas Langenbucher | 23 Kommentare

Volkswagenwerk-Wolfsburg-

Bild: VW (Symbolbild)

Die größte Schwäche der kränkelnden deutschen Autoindustrie ist „die maßlose Überschätzung der eigenen Unfehlbarkeit an den Konzernspitzen“. Das ist das Fazit über diese Branche im aktuellen „Wirtschaftsreport 2026“ der Management-Community United Interim. Der Bericht basiert laut Studienleiter Harald Schönfeld auf einer Umfrage unter 550 Interim-Managern mit viel Branchen-Know-how.

Das Ergebnis der Umfrage wirft ein wenig schmeichelhaftes Licht auf das Topmanagement der deutschen Autoindustrie. So testieren beinahe drei Viertel (74 %) der Befragten den Branchenvorständen eine „Überschätzung der eigenen Unfehlbarkeit“. Zwei Drittel (Mehrfachnennungen waren erwünscht) sprechen von „wenig Weitsicht für künftige Entwicklungen“, 61 Prozent von „mangelnder disruptiver Innovationskraft“. In der Studie ist von einer „Entscheidungswelle mit Serienfehler“ die Rede.

„Entscheidungswelle mit Serienfehler“

„Den Wandel vom Fortbewegungsmittel zum Computer auf Rädern hat die Branche lange Zeit verschlafen und scheint bis heute noch nicht ganz wach zu sein. Die Bedeutung von Software für die eigene Branche wurde viel zu spät erkannt“, sagt Umfrageteilnehmer Jan Beutnagel. 53 Prozent der Befragten schreiben den Herstellern bis heute nur eine geringe Softwarekompetenz zu. Studienteilnehmer Ulvi Aydin: „Bei den besonderen Anforderungen der Benutzerschnittstelle im Auto befindet sich die Branche immer noch im Experimentalstadium, vom alles überstrahlenden Hyperscreen über die Erweiterung des Head-up-Displays zur Zentralanzeige bis hin zum Retro-Design.“

Jane Enny van Lambalgen fügt hinzu: „Den Trend zu selbstfahrenden Fahrzeugen hat die Branche lange Zeit abgetan, um ihm dann mit vermeintlich modernen Assistenzsystemen hinterherzufahren. Zwischenzeitlich haben die Branchengrößen erkannt, dass dies ein Irrweg ist und autonome Fahrzeuge auf Künstlicher Intelligenz basieren müssen, um selbstständig durch den Straßenverkehr zu navigieren. Doch die KI-Kompetenz der deutschen Autohersteller geht gegen Null und die US-amerikanische Nvidia-Plattform für autonomes Fahren muss als Rettungsanker herhalten.“

61 Prozent der Befragten meinen, dass die deutschen Hersteller bei selbstfahrenden Autos den Wettbewerbern aus den USA und China hinterherfahren. „Asien ist den deutschen Autoherstellern davongefahren“, sagt Friedhelm Best. „Auch wenn in China nicht alles Gold ist, was glänzt, so haben die chinesischen Autobauer doch viele Innovationen hervorgebracht, von denen ein Gutteil auch für den europäischen Markt von Bedeutung ist.“

Laut der Studie ebenso gravierend wie die mangelnde Innovationskraft ist die Vernachlässigung der Kundenwünsche über Jahre hinweg. 57 Prozent der Interim-Manager haben bei ihren Praxiseinsätzen festgestellt, dass in den oberen Etagen der Autobranche die Wünsche der Kunden nur eine geringe Rolle spielen. 51 Prozent vertreten die Auffassung, dass die Konzernspitzen lange Zeit ihre eigenen Vorstellungen in die Köpfe der Kunden projiziert haben statt sich um die wahren Kundenwünsche zu kümmern.

„Kundenorientierung entsteht nicht im Vorstand, sondern im täglichen Kontakt mit dem Markt. Genau deshalb kommt dem Automobilhandel eine Schlüsselrolle zu: Er erklärt neue Technologien, begleitet den Kunden bei Förder- und Prämienmodellen, nimmt Fahrzeuge in Zahlung, sichert mit seinem Werkstatt- und Servicenetz langfristige Mobilität und liefert den Herstellern das wichtigste Feedback überhaupt – das des Kunden“, sagt Ulf Camehn. „Wer den Kundenfokus verliert, gefährdet das Unternehmen“, sagt Christian Florschütz. „Wenn eine ganze Branche die Kundenwünsche über Jahrzehnte ignoriert, manövriert sie sich systematisch ins Abseits“, ergänzt Christian Jung. „Ist dies eine Schlüsselbranche, gefährdet diese Ignoranz den Wirtschaftsstandort insgesamt“, so Jan Beutnagel.

Nicht nur bei den Fahrzeugen, sondern auch bei den Fertigungsmethoden haben die Interim-Manager jahrelange Versäumnisse ausgemacht. 80 Prozent meinen, dass die Branche viel zu lange auf überholten Produktionsverfahren beharrt hat, über die Hälfte davon stuft dies als ein gravierendes Versäumnis mit weitreichenden Konsequenzen ein. Eine Folge davon benennt Christian Jung: „Die Autos made in Germany sind zu teuer im Vergleich zum Wettbewerb“. Laut Umfrage teilen zwei Drittel der 550 kontaktierten Interim-Manager diese Einschätzung.

„Mit der Verlagerung von immer mehr Produktionskapazitäten von Deutschland nach Osteuropa wollen sich die Autohersteller wieder ein wettbewerbsfähiges Kostenniveau verschaffen“, sagt Sven Mues, „und das gelingt auch bis zu einem gewissen Grad. In den letzten Jahren wurden dadurch mehr als 100.000 Stellen in Deutschland gestrichen, während gleichzeitig etwa in Polen, Tschechien oder Ungarn sogar noch mehr Industriearbeitsplätze geschaffen wurden.“ Sein Kollege Andreas Vieweg ergänzt: „Aber auf Dauer genügt die Verlagerung alleine nicht, sondern die Kostenvorteile durch Prozessoptimierung und hochautomatisierte Smart Factories müssen hinzukommen, um langfristig am Weltmarkt konkurrieren zu können.“

„Bedeutung der Infrastruktur unterschätzt“

Weiterer Schwachpunkt der deutschen Autostrategie laut der Studie: Die Hersteller haben die Bedeutung der Infrastruktur viel zu wenig berücksichtigt, sind drei Viertel der Befragten überzeugt. „Die bloße Fokussierung auf das Fahrzeug ist längst nicht mehr genug“, sagt Ulf Camehn. Sein Kollege Ulvi Aydin erläutert: „Bei Verbrennern waren und sind die Tankstellen der großen Ölkonzerne ein Selbstläufer, um die sich die Autohersteller nicht zu kümmern brauchten. Aber bei den Ladestationen für E-Autos ist die Situation völlig anders.“

Ulrich Schmidt sagt: „Mit Deutschland als Autoland Nummer 1 in Europa hätten die heimischen Konzerne frühzeitig den Aufbau einer europaweit einheitlichen Lade-Infrastruktur forcieren sollen.“ 69 Prozent seiner Kollegen stimmen ihm laut Umfrage zu. „Der Wildwuchs an Standards insbesondere auch bei der Abrechnung und den intransparenten Kosten bis hin zum aberwitzigen Abo-Modell hat viele Verbraucher verunsichert“, ist Jane Enny van Lambalgen überzeugt. Sie zieht den Vergleich zum „super-einfachen Infrastrukturkonzept“ bei Verbrennern: „Man kann buchstäblich an jeder Tankstelle in Europa tanken, ohne Abos und zu Kosten, die vor Ort groß angeschrieben sind.“

Zudem kommen neue Infrastrukturanforderungen auf die Autohersteller zu, sind drei Viertel der Interim-Manager fest überzeugt. Eckhart Hilgenstock gibt ein Beispiel: „Der Zugang zu Künstlicher Intelligenz im Fahrzeug wird künftig der Normalfall werden. Dazu muss der Wagen nicht nur die nötige Rechenleistung und Software mit sich bringen, sondern auch die Konnektivität zu einer leistungsstarken KI aus der Cloud. Das bedeutet, dass die Leistungsfähigkeit der KI im Rechenzentrum zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor auf dem Automobilmarkt wird.“

Auf einem weiteren infrastrukturellen Feld haben die Interim-Manager ebenfalls mangelnde Voraussicht festgestellt: Satelliten. Die Bedeutung der Satellitenkommunikation für künftige Autogenerationen wird unterschätzt sind sich 41 Prozent der Befragten einig. Die Palette reicht von sicherheitskritischen Funktionen wie redundanter Notfallkommunikation über die Unterstützung autonomer Fahrfunktionen, Verkehrsdaten und Cloud-Anbindung bis hin zu Entertainment-Features. Die orbitale Infrastruktur dazu kommt derzeit und auf absehbare Zeit indes ausschließlich aus den USA. SpaceX betreibt mit Starlink bereits eine derartige Satellitenkonstellation, Blue Origin baut derzeit unter dem Namen Amazon Leo ein vergleichbares globales Netzwerk im Orbit auf. „Eine europäische Alternative ist nicht in Sicht“, sagt Klaus-Peter Stöppler.

Zukunft der Zulieferer macht Sorgen

Die Schwierigkeiten der Hersteller schlagen unmittelbar auf die Zulieferindustrie durch, so die Studie weiter. Über ein Drittel (36 %) der befragten Interim-Manager befürchten, dass das Gespenst der Insolvenz weiterhin durch die Branche geistern wird. Wenn dadurch Teile der heimischen Zulieferer wegfallen, steigt die Abhängigkeit der Hersteller von asiatischen Anbietern, blicken 58 Prozent sorgenvoll in die Zukunft.

Deutsche Zulieferer werden verstärkt von asiatischen Firmen aufgekauft, verbunden mit einer Abwanderung des Know-hows nach Fernost, sind sich 37 Prozent der Führungskräfte auf Zeit einig. „Das ist im Grunde noch die positive Lösung im Vergleich zur drohenden Insolvenz“, sagt Friedhelm Best. Er verweist darauf, dass es bereits erste Fälle gibt, in denen sich überhaupt keine Interessenten für deutsche Zulieferer in Not finden, weil deren Aussichten offenbar als ungenügend bewertet werden, so dass sich die Übernahme nicht lohnt.

Über die Hälfte (52 %) der Interim-Manager gibt der wankelmütigen Industriepolitik – von der zeitweisen E-Auto-Förderung bis zum Hickhack um das Verbrenner-Aus – die Hauptschuld an dieser Misere. 79 Prozent testieren allerdings der Branche selbst eine Mitschuld an der verheerenden Entwicklung, wobei die geringe Innovationskraft der Hersteller für 71 Prozent eine Schlüsselrolle in diesem Drama spielt.

Ausweichmärkte für die Auto- und Zulieferindustrie

„Noch haben viele Firmen eine Chance, das Ruder herumzureißen“, sagt Studienleiter Harald Schönfeld. Angesichts der zu weiten Teilen hausgemachten schwierigen Lage im Kerngeschäft stellt sich die Frage nach Ausweichmärkten für die Automobil- und Zulieferindustrie.

„In welchen Zukunftsmärkten liegen die erfolgversprechendsten Transformationen von Automotive-Kompetenzen?“, hat United Interim die 550 Führungskräfte auf Zeit gefragt. Bei den Antworten steht das Geschäft mit Batterien und Energiespeichern mit 72 Prozent Zustimmung an erster Stelle. Mit deutlichem Abstand folgt die Wehrtechnik, die indes immerhin noch mehr als die Hälfte der befragten Manager (54 %) als ein lohnenswertes Ziel für die Verwendung von automotivem Know-how einstufen. Der in diesem Zusammenhang ebenfalls häufig genannte Markt für Luft- und Raumfahrt einschließlich Drohnen wird von 42 Prozent als besonders attraktiv bewertet. Davor liegt noch die Leistungselektronik einschließlich Leistungshalbleitern mit 46 Prozent.

Die weiteren möglichen Ausweichfelder in absteigender Reihenfolge sind: Optik/Photonik (35 %) gleichauf mit der Kreislaufwirtschaft (ebenfalls 35 %), Photovoltaik- und Windkraftanlagen (29 %), Smart Logistics und Verpackung (28 Prozent) sowie Medizintechnik (23 %). „Das industrielle Know-how insbesondere im Mittelstand ist breit und tief zugleich, so dass sich damit eine Vielzahl von Branchen erfolgreich adressieren lassen“, bricht Christian Jung eine Lanze für die heimische Industrie.

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(Zum Vergrößern anklicken) Bild: United Interim

„Für die deutsche Automobil- und Zuliefererindustrie gibt es viele Chancen, aber die Frage ist, ob sie flexibel genug ist, diese auch zu erkennen und zu ergreifen“, sagt Ulrich Schmidt. Paul Stricker fügt hinzu: „Der Wechsel in eine neue Branche ist ein Kraftakt, von mutigen Managemententscheidungen an der Spitze bis hin zu entsprechenden Qualifizierungsprogrammen für die Belegschaften. Hinzu kommt die Frage nach der Flexibilität auf Gewerkschaftsseite. Denn alle diese Schritte sind nur erfolgversprechend mit Zustimmung und Begleitung durch die Gewerkschaft. Diese sollten indes vernünftige Ausweichbewegungen aus dem Kerngeschäft heraus unterstützen, weil das letztendlich ein vielversprechender Weg ist, um Industriearbeitsplätze in Deutschland zu erhalten.“

„Dieser Weg ist ohne umfassende Transformationsmaßnahmen nicht zu beschreiten, die von allen Seiten getragen werden müssen“, fasst Roland Streibich zusammen. Er verweist auf den Aufruf dazu von Digitalminister Karsten Wildberger: „Die Zeit, in der die Industrie eine Jobmaschine war, geht zu Ende. Mein Appell geht daher an alle Gruppierungen: an Arbeitgeber, Gewerkschaften und aus der Zivilgesellschaft: Wir müssen uns zusammenraufen und die Zukunft neu gestalten.“

In Bezug auf die Aussichten der deutschen Automobilindustrie geben sich die Interim-Manager alles in allem aber eher pessimistisch. 72 Prozent der Befragten schreiben dieser Branche einen Anteil am wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands zu. 79 Prozent gehen davon aus, dass dieser Sektor weiterhin zur steigenden Arbeitslosigkeit beitragen wird. Die Aussage „Die deutsche Autoindustrie ist auf Dauer nicht mehr zu retten“ stößt bei über der Hälfte (53 %) der Führungskräfte auf Zeit auf Zustimmung. Nicht einmal ein Zehntel ist fest davon überzeugt, dass die Branche in Zukunft wieder zu neuen Höhenflügen ansetzen wird.

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Via: United Interim
Tags: Autozulieferer, China, Europa, USA

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. Future meint

    04.09.2026 um 08:40

    Bald übernimmt die KI, dann brauchen wir keine gierigen Manager mehr für ein gutes, sicheres und lohnenswertes Leben. In China ist das alles längst Realität.

    Antworten
    • Future meint

      04.09.2026 um 09:46

      Du hattest halt nie Managementerfahrung. Aber einer muss immer den Job machen und wenn er nur noch das Licht ausschaltet. Du weißt, wovon ich rede: 4 Fabriken, Bruder.

      Antworten
  2. ChriBri meint

    03.09.2026 um 14:17

    Ich nenne das immer deutsche Ingenieursarroganz. Wenn man teilweise in den Kommentaren liest, wie die neuen deutschen Fahrzeuge wie BMW iX3 oder Mercedes GLC gehyped werden und das Ende der Konkurrenz vorausgesagt wird, spiegelt sich das Problem der Geisteshaltung der Führungsebene dort wieder. Man müsste selbstkritischer, unaufgeregter und professioneller das Agieren der Konkurrenz beobachten und hieraus die richtigen Schlüsse ziehen. Es kommt nicht darauf an, dass man die technologische Spitze zu sechsstelligen Preisen aufruft, damit macht man international keine Zahlen. Man muss technologisch, auch im niedrigen und mittleren Preisniveau agieren, das ist in Deutschland noch nicht angekommen, auch nicht bei solchen Fahrzeugen wie IDPolo, der in einer einigermaßen angemessenen Ausstattung immer noch sehr, sehr teuer ist. Die Zahlen werden es zeigen, ob die deutsche Industrie hier richtig liegt, ich habe meine Zweifel.

    Antworten
  3. Hans Meier meint

    03.09.2026 um 11:50

    Missmanagement scheint generell in Deutschland (schon längere Zeiträume) ein Problem zu sein. Solange daraus keine Konsequenzen gezogen werden wird es auch so weitergehen. (Billige Energie aus RU, alles torpedierende und lobbyierende Autoindustrie, mässig unterstützte Solarindustrie, vergeigtes Lithium-Abkommen mit Südamerika …) daran Schuld sind nicht die normalen Leute im Land sondern primär ganz konkret Leute mit Verantwortung an der Spitze von Unternehmen.

    Antworten
  4. Haubentaucher meint

    03.09.2026 um 11:15

    Seltsam, die CEOs erklären uns die Welt immer mit der Schuld der „Anderen“ wie Corona, Lieferketten, Zöllen, staatliche Subventionen.
    In 10 Jahren wird es „unsere“ Autoindustrie nicht mehr geben.

    Antworten
  5. Jeff Healey meint

    03.09.2026 um 11:07

    Und ich dachte, die links-grün versiffte Politik der letzten Jahre wäre schuld am Niedergang der deutschen Autoindustrie…
    /s

    Wenn ich so manchen Blau/braunen in der Verwandschaft so reden höre, dann soll obiges Narrativ zutreffend sein.
    Genau für diese Klientel werde ich diesen Artikel zur zukünftige Verwendung mal schön sorgsam abspeichern…

    Antworten
  6. Future meint

    03.09.2026 um 10:51

    Es sind immer schon die Fehler des überheblichen und selbstverliebten Managements gewesen, wenn Deutschland wichtige Industriebranchen ganz oder weitgehend verloren hat.
    Und ich erlaube mir als Branchenfremder die Feststellung, dass diese »maßlose Überschätzung der eigenen Unfehlbarkeit« (Studienleiter Harald Schönfeld) der Akteure aus dieser Branche auch hier im Blog regelmäßig erkennbar ist.

    Antworten
  7. David meint

    03.09.2026 um 10:39

    Das klingt genauso wie die Statements der abgehängten Mitmenschen hier im Kommentarbereich, die sich bei solchen Themen an dem Fakt abarbeiten, dass renommierte Unternehmen es bevorzugt hatten, auf Ihre Dienste zu verzichten und sie auch woanders ihre wertvolle Arbeitskraft nicht gut genug verkaufen konnten.

    Warum das so klingt, ist eigentlich klar. Denn ein Interim-Manager ist kein Manager. Es ist jemand, den man für eine begrenzte Zeit als kleinsten Schaden nimmt. Aber nicht bei den OEM, allenfalls vermutlich bei kleineren Zulieferern.

    Was sind das für Leute? Sie haben meist die vollständige Ausbildung, aber oft eine toxische Persönlichkeit oder, seltener, ein anderes Handicap, so dass sie schnell aussortiert wurden. Zu Vorständen sowieso nicht und nicht einmal zu mehr als einem Bereichsleiter dürften sie in ihrer Tätigkeit Kontakt gehabt haben.

    Daher bleibe ich hier ad hominem. Mehr hat das nicht verdient.

    Antworten
    • Future meint

      03.09.2026 um 12:30

      Es könnte natürlich durchaus sein, dass sich da auch mal jemand selbst angesprochen fühlt oder sogar erkennt. Das soll vorkommen, sogar wenn man das erstmal nicht wahrhaben will. Das macht aber nichts. In ein paar Jahren werden wir sehen, was aus dieser Branche übriggeblieben ist.

      Antworten
      • Referendar meint

        03.09.2026 um 18:29

        Wer soll denn hier im Blog ein „Akteur“, Entscheider, oder Manager der Automobilbranche sein?
        Lächerlich.

        Antworten
        • Future meint

          04.09.2026 um 17:26

          Es kommt nicht daraf an, wer man »ist«, sondern wofür man sich »hält«. Ich dachte immer, das wäre dir klar. In der Studie wird das auch nochmal thematisiert.

  8. F. K. Fast meint

    03.09.2026 um 10:12

    Die Auswertung scheint sich selbst zu widersprechen. Ich (als Kunde) sehe bspw. keine Notwendigkeit von AI im Auto (ausser vielleicht für autonomes Fahren) und erst recht keine Anbindung an irgend eine schlecht gepflegte Cloud. Vielleicht bin ich paranoid, aber ich (als Kunde) will nicht, dass mein Auto von irgend einer Ecke der Welt gehackt oder getrackt werden kann.

    Antworten
    • Jeff Healey meint

      03.09.2026 um 12:32

      Ich bin des gleichen Typus: Lieber weniger fehleranfällige Elektronik und Software, als dieser Technik-Overkill, den nach zehn Jahren niemand mehr halbwegs wirtschaftlich vertretbar reparieren kann.

      Antworten
    • M. meint

      03.09.2026 um 20:35

      Geht mir genauso. Ich brauche das Ding zum fahren, sonst nichts. Dazu braucht das keine Cloud und nicht die Rechenleistung eines aktuellen Laptops.
      Mir ist sogar lieber, wenn das Ding so wenig wie möglich in einer Cloud speichert. Was nicht gespeichert wird, kann niemand stehlen oder missbrauchen.

      Ich brauche z.B. auch kein „Kindererkennungsystem“ im Auto. Wenn’s mal soweit ist, dass ich mich nicht mehr erinnern kann, dass ich bei Fahrbeginn Kinder im Auto hatte, kann ich mich kompostieren lassen. Aber jeder sollte in dem Fall schon ehrenhalber den Führerschein abgeben. Wer weiß, was man sonst noch alles vergessen hat.

      Antworten
  9. EVrules meint

    03.09.2026 um 09:55

    Die „maßlose Überschätzung der eigenen Unfehlbarkeit an den Konzernspitzen“ zeigt sich seit vielen Jahren in der deutschen und auch europäischen Automotive-Industrie, vorallem bei den OEM, sehr stark. CEOs wie bspw. Winterkorn, Tavares, Zipse haben in ihrem schadhaften Wirken Symbolwirkung und stehen für ein destruktives Verhaltensbild, dass sich weit nach unten zieht.

    Antworten
  10. Jörg2 meint

    03.09.2026 um 09:37

    Gute Zusammenfassung.

    Ich vermute allerdings, dass die Ausgangsannahme, die dortigen Führungskräfte würden die „Autoindustrie“ führen, würden sich für deren Produkte interessieren, dass diese Ausgangsannahme nicht so wirklich stimmt.
    Die angestellten Führungskräfte haben die Aufgabe, pro Quartal positive Zahlen zu erzeugen, Dividende sicherzustellen… und werden dafür über Boni belohnt. Ob das Werkzeug dazu „Autoindustrie“ als Namen trägt und die Produkte Autos sind, ist dabei nebensächlich.

    Das, was in der Untersuchung als abzustellende Mängel in der Führung, in der Langzeitplanung… benannt wird, ist existenziell für familiengeführte Unternehmen, die auch für ihre eigene Nachkommenschaft arbeiten. Für solche AG´s wie VW&Co sind das keine Punkte. Das Invest ist per Mausklick abgezogen und woanders untergebracht.

    Antworten
    • Jeff Healey meint

      03.09.2026 um 12:36

      Im gängigen Boni-System höherer deutscher Management-Ebenen scheint also kein Interesse an weitsichtigem Verhalten aufzukommen.
      Ein systemischer Fehler?

      Antworten
      • Jörg2 meint

        03.09.2026 um 13:55

        Das kommt sehr darauf an, woran die Boni gebunden sind.
        Bei VW wohl z.B. an das überraschende Auffinden von 6 Mrd zum Jahresende.

        Wenn ich mir die Fakten ansehe, dann ist die erfolgreiche Teilnahme am internationalen BEV-Markt offenbar keine bonirelevante Größe. Der Aufbau eigner IT-/KI-Kompetenzen wohl auch nicht.
        Das Hochhalten des alten Verbrennergeschäftes wohl eher.

        Antworten
    • David meint

      03.09.2026 um 14:57

      BeTja, dann erklär doch mal, warum dir das gar nicht komisch vorkommt, wenn du kommentierst, dass VW angeblich beschlossen hat, in acht Jahren ein Werk zu schließen? Merkst du selber…

      Antworten
      • Jörg2 meint

        03.09.2026 um 16:40

        Ich habe keine Schließungspläne kommentiert.

        F30.9 zu F30.2 ?

        Antworten
        • Future meint

          03.09.2026 um 20:15

          Vielleicht braucht es tatsächlich mehr Psychologen in den Aufsichtsräten, so wie es sie schon bei den Beratern gibt. Mit den selbstverliebten Maschinenbauern und Volkswirten kommt die Industrie doch nicht mehr weiter. Auch Philosophen im Vorstand wie bei Palantir halte ich für eine bessere Wahl.

        • Future meint

          04.09.2026 um 11:36

          Und natürlich braucht es mehr KI, ersatzweise auch AI in den Firmen. Viel mehr. Und weniger Demokratie natürlich, denn zuviel Freiheit ist das größte Hindernis für wirtschaftlichen Erfolg. Damit Deuschland bald wieder so stark ist wie es früher einmal war.

        • Future meint

          04.09.2026 um 17:39

          Ja Bruder, da ist was dran. Wenn sich die Mehrheit weniger liberale Demokratie wünscht, dann kann sie sich weniger liberale Demokratie wählen. Das ist offensichtlich in Deutschland der Fall und da kann sich keiner nachher beschweren, dass die Demokratie dann weniger liberal ist. In Polen und Ungarn haben wir das erlebt. Vielleicht ist man in Deutschland noch etwas gründlicher dabei.
          Die Wirtschaft würde sich das wohl auch wünschen, weil sie es dann einfacher hätte, wenn nicht soviel rumdiskutiert und verhindert würde. Deshalb hat Blume wohl vor ein paar Wochen hier das erfolgreiche chinesische System so gelobt.
          Fazit: Es geht den Menschen und Unternehmen immer um Macht, Geld, Sicherheit und Erfolg. Freiheit wird häufig nur mit Reisefreiheit verwechselt. Ja, soweit ist es gekommen. Vielleicht verliert Deutschland die Demokratie, weil es sich nicht konsequent zum Wandel hin zu den Grünen Industrien entscheiden kann. Aber vielleicht ist es auch andersrum.

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