Trotz einer hohen Auslastung von über 93 Prozent im zweiten Quartal 2026 trübt sich die Stimmung in deutschen Kfz-Werkstätten ein, berichtet die Automobilwoche. Während der europäische Ersatzteilmarkt demnach bis 2035 auf 270 Milliarden Euro wachsen soll, sorgen die wirtschaftliche Lage und steigende Kosten für Unsicherheit.
Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge in Deutschland hat mit 10,9 Jahren ein Allzeithoch erreicht. Doch die wirtschaftliche Situation der Kunden belastet das Geschäft. Laut einer der Automobilwoche vorliegenden Umfrage erwägt mehr als die Hälfte der Autofahrer den Einsatz gebrauchter Teile zur Kostenersparnis. Zudem führen steigende Preise für Ersatzteile und Stundenverrechnungssätze dazu, dass Reparaturen wie Dellen oder Kratzer aufgeschoben werden. Detlef Peter Grün vom Bundesinnungsverband des Kfz-Handwerks (BIV) berichtet, dass oft nur noch das Nötigste durchgeführt werde.
Zusätzlicher Druck entsteht durch die technische Entwicklung der Fahrzeuge. Werkstätten müssen in neue Ausrüstung für E-Autos und Assistenzsysteme investieren, wobei die Kosten hierfür deutlich gestiegen sind. „Die Stimmung kippt langsam“, sagt Zoran Nikolic, Geschäftsführer vom Marktbeobachter Wolk & Nikolic After Sales Intelligence.
Der Ausbau der Elektromobilität stellt eine langfristige Herausforderung dar, da technikbedingt viele Wartungsarbeiten entfallen. Für freie Werkstätten prognostiziert Nikolic einen Umsatzverlust von rund 20 Prozent durch die E-Mobilität. Im Bereich der Vertragswerkstätten mit vor allem jüngeren Fahrzeugen zwischen einem und drei Jahren nehme der Wettbewerb um ältere Fahrzeuge bereits zu. „Jeder versucht, die Verbrenner im Pkw-Bestand möglichst lange in der eigenen Werkstatt zu halten“, zitiert die Automobilwoche den langjährigen Präsidenten des Volkswagen- und Audi-Partnerverbands Dirk Weddigen von Knapp.
Die Branche sieht sich also mit einem Bündel an Herausforderungen konfrontiert. Neben der schwachen Konjunktur, neuen Technologien und dem zunehmenden Wettbewerb belasten auch der Fachkräftemangel sowie die Unternehmensnachfolge die Situation der Betriebe.

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