Viele Elektroautobesitzer machen bessere Erfahrungen mit ihrem Fahrzeug als ursprünglich erwartet. Dennoch ziehen einige von ihnen beim nächsten Autokauf einen Wechsel zu einem Hybridmodell oder einem Elektrofahrzeug mit Reichweitenverlängerer in Betracht. Das zeigt die aktuelle Studie HERE-SBD EV Index 2026, für die Besitzer eines Stromers in verschiedenen Ländern befragt wurden.
Weltweit würden 64 Prozent der Befragten wahrscheinlich erneut ein Elektroauto kaufen. Gleichzeitig ist der Anteil derjenigen, die beim nächsten Fahrzeug am ehesten einen Plug-in-Hybrid, Hybrid oder ein sogenanntes Range-Extender-Elektrofahrzeug mit Verbrennungsmotor als Stromgenerator wählen würden, von 23 auf 28 Prozent gestiegen. In Italien erreicht dieser Anteil sogar 39 Prozent.
Zwischen den untersuchten Ländern bestehen erhebliche Unterschiede bei der Wiederkaufabsicht für Elektroautos. In Großbritannien liegt sie bei 87 Prozent und in Deutschland bei 78 Prozent, während in Italien lediglich 48 Prozent der Befragten erneut ein rein batterieelektrisches Fahrzeug kaufen möchten. Italien und Spanien weisen zudem ein vergleichsweise hohes Interesse an Hybridfahrzeugen und eine geringere durchschnittliche Ladeleistung auf. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Ladeleistung und Kaufabsicht wurde jedoch nicht nachgewiesen.
Viele Elektroautobesitzer bewerten ihre bisherigen Erfahrungen positiver als ursprünglich erwartet. So gaben 68 Prozent der Befragten an, dass das Laden ihre Erwartungen übertroffen habe, während 67 Prozent dies über die Reichweite berichteten. In sämtlichen untersuchten Märkten bewerteten Elektroautobesitzer die lokale öffentliche Ladeinfrastruktur positiver als Menschen ohne Elektroauto.
„Wenn die Menschen mit ihrem Elektroauto zufrieden sind, aber dennoch das Bedürfnis nach einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor verspüren, ist das beachtenswert. Das zeigt uns, dass die Fahrer Schwierigkeiten mit dem Lebensstil der Elektromobilität haben und dass Verbesserungen notwendig sind“, sagt Robert Fisher von SBD Automotive.
Ladeprobleme trüben positive Erfahrungen
Trotz der überwiegend positiven Erfahrungen bestehen Schwierigkeiten beim öffentlichen Laden. Insgesamt 54 Prozent der befragten Elektroautobesitzer haben bereits eine Fahrt aus Sorge vor fehlenden Lademöglichkeiten vermieden. Weitere 59 Prozent berichteten von defekten öffentlichen Ladestationen, an denen sie ihr Fahrzeug nicht laden konnten. Dabei haben 65 Prozent der Befragten ihr einziges Auto durch ein Elektrofahrzeug ersetzt und leben damit in einem Haushalt ohne weiteres Auto.
Die Bedeutung der Ladeinfrastruktur geht über die Zahl verfügbarer Ladestationen hinaus. Für längere Fahrten spielen die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der Ladepunkte, die Routenplanung, transparente Preise und funktionierende Bezahlmöglichkeiten eine Rolle. Der Index nennt schnelles Laden als wichtigstes Merkmal, während standardisierte Anschlüsse und automatische Bezahlverfahren ebenfalls einen hohen Stellenwert besitzen. Auch Einrichtungen in der Nähe und sichere Parkmöglichkeiten sind während eines Ladestopps relevant.
Bei der Wahl des nächsten Fahrzeugs spielen zudem die Anschaffungs-, Energie-, Wartungs- und Betriebskosten eine Rolle. Haushalte mit einem zusätzlichen Verbrenner können diesen für bestimmte Fahrten nutzen, während ein Elektroauto als einziges Fahrzeug andere Anforderungen erfüllen muss. Die gestiegene Berücksichtigung von Hybridmodellen lässt deshalb laut den Studienautoren weder auf tatsächlich erfolgte Fahrzeugwechsel noch automatisch auf Unzufriedenheit mit dem bisherigen Elektroauto schließen.
Es gibt laut den Studienautoren Bereiche, auf die sich Automobilhersteller gemeinsam mit ihren Partnern konzentrieren sollten: Reichweitenprognosen und Routenplanungen, die die tatsächliche Leistung des Fahrzeugs widerspiegeln, zuverlässige Informationen zum Ladezustand, klare Preise und eine reibungslose Zahlungsabwicklung. Schnellladen sei nach wie vor die wichtigste Ladefunktion. Standardisierte Stecker und automatische Zahlungsabwicklung nähmen ebenfalls einen hohen Stellenwert ein. Die Infrastruktur in der Umgebung und sichere Parkmöglichkeiten seien während eines Zwischenstopps wichtig, insbesondere wenn das Laden länger dauert als erwartet.
