Ferrari erweitert mit dem Luce seine Modellpalette um das erste vollelektrische Fahrzeug der Unternehmensgeschichte. Zugleich ist es das erste Modell der Marke mit vier Türen, fünf Sitzen und Allradantrieb, dessen Einstiegspreis in den USA bei 560.000 Dollar liegt. Bis 2030 sollen Elektroautos 20 Prozent der Modellpalette ausmachen, während sich die übrigen 80 Prozent auf Hybridfahrzeuge und Modelle mit Verbrennungsmotor verteilen.
Ferrari betrachtet Elektrofahrzeuge als technologische Ergänzung und nicht zwangsläufig als grundlegenden Marktwechsel. Bei einem Auftritt am Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Oktober betonte Luca Zanetti, Präsident für die Region Amerika, dass die neuen Modelle der Identität des italienischen Luxusherstellers treu bleiben sollen. „Wir brauchten einen weiteren Ferrari, der zufällig elektrisch ist“, erklärte Zanetti. Die Gestaltung des Luce übernahm die Designfirma LoveFrom des früheren Apple-Chefdesigners Jony Ive, während Ferrari-Ingenieure die zentralen Fahrzeugkomponenten entwickelten.
Zu den technischen Besonderheiten gehören das sogenannte Torque Shift Engagement und das regenerative Bremssystem, die dazu beitragen, die für Ferraris Supersportwagen charakteristische Leistungsfähigkeit zu erhalten. Nach Angaben von Zanetti besitzt das Elektroauto aufgrund seiner Linienführung den niedrigsten Luftwiderstandsbeiwert aller Ferrari-Modelle.
Das Unternehmen verkauft weniger als 14.000 Fahrzeuge pro Jahr, wobei 2025 rund 84 Prozent der Neuwagen an bestehende Ferrari-Besitzer gingen. Die Nachfrage übersteigt das verfügbare Angebot deutlich. Ferrari verfolgt eine Strategie des kontrollierten Wachstums, bei der neue Modelle eingeführt werden, statt die Produktionszahlen bestehender Baureihen zu erhöhen, um die Exklusivität der Marke zu bewahren.
„Wir wollten uns Gedanken darüber machen, was passiert, wenn der Luce in 20 bis 30 Jahren kein innovatives Auto mehr ist, sondern ein Klassiker, der in eine Sammlung gehört“, so Zanetti. „Jeder Sammler wird weiterhin Freude daran haben, so wie es bei jedem anderen Ferrari der Fall ist.“
Die Abweichungen vom traditionellen Ferrari-Design lösten bei der Vorstellung teilweise intensive Reaktionen aus. „Es ist klar, dass die Marke sehr beliebt ist, daher glaube ich, dass es eine sehr intensive, instinktive Reaktion gab“, meinte Zanetti. „Ich weiß nicht, ob ich mit einer solchen Intensität gerechnet hatte, aber ich denke, dass das Auto dadurch sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.“ Der Manager ist überzeugt: „Der Luce entspricht voll und ganz unserer DNA.“
