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Preisforscher: Warum sich Autofahrer an hohe Spritpreise gewöhnen

09.10.2026 in News & Trends von Thomas Langenbucher | 10 Kommentare

Mercedes-C-Klasse-Kombi-2026

Bild: Mercedes‑Benz (Symbolbild)

Die deutlich gestiegenen Kraftstoffpreise haben der Elektromobilität in Deutschland spürbaren Auftrieb verliehen. Doch die Autofahrer werden sich zunehmend an die höheren Verbrenner-Kosten gewöhnen und es als „normal“ empfinden, glaubt ein Preisexperte.

„Jeder Autofahrer hat einen inneren Vergleichspreis im Kopf, an dem er misst, ob ihm ein Preis günstig oder teuer vorkommt. Dieser Vergleichspreis wandert mit jedem Tankstopp ein Stück in Richtung des tatsächlich bezahlten Preises, und zwar umso schneller, je häufiger wir kaufen“, so Markus Husemann-Kopetzky, der an der Freien Universität Berlin zu Preispsychologie forscht, im Gespräch mit Auto Motor und Sport. „Beim Tanken dauert das – nach allem, was die Forschung zeigt – nur wenige Wochen.“

Deshalb seien die Mineralölkonzerne in der Lage, ein auf Dauer höheres Preisniveau durchzusetzen. Husemann-Kopetzky: „Die Gewöhnung spielt den Anbietern in die Hände: Je länger ein hohes Preisniveau anhält, desto eher empfinden wir es als normal.“

Allerdings würden die Verbraucher je nach Ursache des höheren Preisniveaus unterscheiden, ob die Preise als „fair“ empfunden werden. „Autofahrer fragen sich, warum der Preis steigt. Sind es höhere Produktionskosten, akzeptieren sie das eher. Vermuten sie dagegen, dass die Konzerne vor allem ihren Gewinn steigern wollen, bleibt das Gefühl von Unfairness, und das bremst die Gewöhnung.“

Psychologie ist auch bei der Bewertung des Tankrabatts und eines Preisdeckels im Spiel. „Solche Instrumente schaden eher, als dass sie helfen“, sagt Husemann-Kopetzky. Der Autofahrer erlebe drei Schritte: Der Preis steige stark, sinke durch den Rabatt etwas und steige nach dessen Ende erneut. „Preiserhöhungen schmerzen uns aber mehr, als uns gleich große Senkungen freuen, und zwei Erhöhungen tun mehr weh als eine große. Die kurze Entlastung wird vom zweiten Preissprung also mehr als aufgezehrt, wie man nach dem Ende des Tankrabatts im Herbst 2022 sehen konnte“, erklärt der Preisforscher.

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. MK meint

    09.10.2026 um 12:39

    Wie Preise als Maßstab genommen werden, sieht man ja auch an Diskussionen über BEV: Leute, die nicht vom Verbrenner zum BEV wechseln wollen argumentieren dann oft mit den „hohen Strompreisen“ von z.B. 49 ct an Ladesäulen. Und ja, dieser Preis ist bedeutend viel höher als der Strom daheim…aber trotzdem bin ich selbst bei 20 kWh Verbrauch unter 10 € pro 100 km. ..und bei 20 kWh Verbrauch bin ich entweder im tiefsten Winter oder gerast. Beides Aspekte, die auch beim Verbrenner den Energieverbrauch hochtreiben. Wenn man dann die Leute fragt, welchen VERGLEICHBAREN Verbrenner man denn für unter 10 € auf 100 km so fahren könne, kommt dann meist nicht mehr viel.

    Antworten
  2. F. K. Fast meint

    09.10.2026 um 11:11

    Die Erklärung klingt plausibel. Manche Leute sind ohnehin faktenresistent, können weder rechnen, noch sind sich ihrer irrationalen Entscheidungen bewusst. Wer heute noch einen neuen Verbrenner kauft, dem ist nicht zu helfen.

    Antworten
  3. Mario ob Plehn meint

    09.10.2026 um 10:29

    So ein Schwachsinn,was bleibt einem übrig als zu tanken,egal was es kostet!!!!!

    Antworten
    • M. meint

      09.10.2026 um 11:44

      Da gibt es schon Möglichkeiten, die einen auf dieser Seite geradezu anspringen.

      Davon ab, egal wie viele ! man verwendet, das entwertet keine Forschungsergebnisse.
      Immerhin merkt man draussen nicht, dass die Menschen auf unnötige Fahrten verzichten würden.

      Antworten
    • hu.ms meint

      09.10.2026 um 12:15

      Auto wechseln….
      BEV-mehrpreis in 2 jahren über günstigere fahrenergie aufholen und dann günstiger fahren.

      Antworten
    • MK meint

      09.10.2026 um 12:45

      @Mario ob Plehn:
      Elektroauto fahren?

      PS: Wenn ich sehe, wie viel an Wochenenden los ist auf deutschen Autobahnen und wie voll die vor Allem in der Sommerferienzeit waren: Das sind ganz oft keine notwendigen Fahrten. Das sind ganz oft Fahrten, die die Menschen gerne machen wollen. Auch kenne ich immer noch Leute, die selbst kürzeste Strecken mit dem Auto zurücklegen.
      Von daher lautet eine weitere mögliche Antwort auf ihre Frage: Ab und zu auch mal das Auto stehen lassen, wenn die Fahrt nicht wirklich notwendig ist.

      Spritpreise sind das Ergebnis von Angebot und Nachfrage: Beim Angebot haben wir uns wohl unwiderbringlich in die Situation manövriert, von einer Hand voll untereinander gut abgestimmter, allesamt ausländischer Konzerne abhängig zu sein. Den Preis zu senken bekommt man also wohl nur durch sinkende Nachfrage hin: Würden plötzlich hunderttausende beschließen, über Weihnachten oder in den Sommerurlaub den ICE statt das Auto zu nutzen, würde das die Mineralölkonzerne zum Handeln zwingen um diesen Wandel zu stoppen. Auch der Wandel zum Elektroauto senkt eben die Nachfrage…so lange aber selbst bei den Neuwagen noch zu zwei Dritteln Verbrenner gekauft werden, werden die Ölkonzerne ihre Rekordgewinne beibehalten wollen.

      Antworten
  4. hu.ms meint

    09.10.2026 um 10:22

    Wir hatten doch schon rohölpreise über 100 $ vor wenigen jahren. Da kostete treibstoff aber unter 2€. Wer kassiert da wohl heftig ab ?

    Antworten
    • MK meint

      09.10.2026 um 12:33

      @hu.ms:
      Fun Fact: Im dritten Quartal 2026 sind die Gewinne 8 großer westlicher Mineralölkonzerne gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 43 Milliarden Dollar auf 80 Milliarden Dollar gestiegen…trotz der Hinweise auf horrende Mehrkosten z.B. durch das Niedrigwasser in ganz Europa, dass nicht nur in Deutschland viele Transporte vom Schiff auf teurere LKW verlagert hat und anderer Aussagen, die nur auf die Behauptung abzielen, dass die Konzerne ja nur gestiegene Kosten weitergeben würden.

      Antworten
  5. ebiker meint

    09.10.2026 um 10:12

    „Beim Tanken dauert das, nach allem, was die Forschung zeigt, nur wenige Wochen, bis der Groschen fällt: Mit einem Elektroauto liegen die Energiekosten oft nur bei etwa einem Drittel der Kosten eines Verbrenners. Mir begegnen inzwischen viele Menschen, die noch vor ein oder zwei Jahren einen neuen Verbrenner gekauft haben und nun mit dem Gedanken spielen, kurzfristig auf ein batterieelektrisches Fahrzeug (BEV) umzusteigen.

    Die Forschung zur Diffusion neuer Technologien kommt zudem zu einem interessanten Ergebnis: Der Übergang zu einer neuen Produktgeneration dauert im Durchschnitt ungefähr so lange wie die Lebensdauer der jeweils ersetzten Produkte. Überträgt man dieses Muster auf den Pkw-Markt, ergibt sich folgendes Bild: Addiert man die durchschnittliche Lebensdauer eines Autos von rund 15 Jahren zum Erscheinen des ersten erfolgreichen modernen BEV, des Nissan Leaf im Jahr 2010/2011, landet man bei den Jahren 2025 bis 2026. Genau in diesem Zeitraum erleben wir nun den weltweiten Durchbruch der Elektromobilität. Die Theorie scheint die Realität erstaunlich gut zu beschreiben.“

    Antworten
  6. South meint

    09.10.2026 um 09:25

    Im Grunde muss man sich immer an höhere Preise „gewöhnen“, weil eben das Preisniveau immer steigt, sprich sogar durch normale Inflation. Kunden reagieren aber in der Regel sensibel auf Preissprünge oder in dem Fall sogar Preisschocks. Natürlich sind Kunden, ich nenne es mal veränderungsfaul, aber es gibt halt immer eine Schwelle, ab wann man handelt. Klar, ist man schneller veränderungswillig, wenn man sich betrogen fühlt, aber im Grunde sucht man bei Preisschocks immer nach Alternativen, teilweise muss man sogar nach Alternativen suchen.
    Der Kunde konsumiert normalerweise weniger, schiebt Neukäufe auf (bei Autos beobachtbar, da gabs ja auch Preissprünge), sucht sich eine andere technische Alternative oder bezahlt murrend den höheren Preis. Jetzt kommt es halt drauf an. Und da sind wir wieder beim Thema Marktmacht.
    Öl kann man auf kurze Sicht nicht ersetzen und die Ölmultis beherrschen den Markt, ÖPNV ist auch nicht immer gegeben, aufschieben beim Tanken bei nem Auto geht auch schwer (schafft nur Mike mit zwei Benzinkanister durch den Winter zu kommen ;-) ), also bezahlen viele noch murrend den höheren Preis. Aber. Es gibt natürlich technisch jetzt das eAuto und das ist genau der langfristige Effekt. Wir nicht jeder gleich den Verbrenner ersetzen, aber ist halt die Frage, gewöhnen sich die Kunden an den Preis oder werden sie wechseln?
    In Kürze. Bei Öl ist man immer den paar Ölmultis ausgesetzt, auch bei der nächsten Krise. Strom hingegen kann man aus sehr, sehr vielen Quellen gewinnen, substituieren, zum Teils sogar selber produzieren. Sprich. Mit einem eAutos ist man deutlich weniger abhängig und das genau befeuert auch langfristig die eAutos…

    Antworten

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