Bei den Firmenwagen in Deutschland setzt sich der Trend zur Elektromobilität fort, doch in Sachen Ladeinfrastruktur droht ein Engpass. Das zeigt eine aktuelle Befragung von puls Marktforschung und DEKRA unter Flottenverantwortlichen. Hohe Kraftstoffpreise und staatliche Förderung sind demnach die wichtigsten Treiber der Elektrifizierung. Reichweite und Anschaffungskosten sind die größten Hürden.
Für die Studie hat puls Marktforschung im Juli und August mehr als 250 Personen befragt, die in Unternehmen mit einer Flotte von mindestens 50 Pkw für das Fuhrparkmanagement beziehungsweise die Fahrzeugbeschaffung (mit)verantwortlich sind. In der Summe entscheiden die Befragten über eine Gesamtflotte von fast 50.000 Fahrzeugen.
Die zunehmende Elektrifizierung der Pkw-Flotte ist der Bereich, in dem die meisten Befragten großen Handlungsdruck sehen. 46 Prozent nannten das Thema als eines der drei wichtigsten Handlungsfelder. Die Umstellung der Flotten hat längst begonnen, das zeigt der aktuelle Antriebs-Mix: Heute fährt jeder fünfte Pkw (20 %) in den Unternehmensflotten der Befragten rein elektrisch, 17 Prozent sind Hybridfahrzeuge. Dem gegenüber sind Diesel (37 %) und Benzin (25 %) bisher noch die am häufigsten genutzten Antriebsarten.
Mehr E-Autos geplant – Ladeinfrastruktur hält nicht Schritt
Der Trend ist allerdings klar: In drei Jahren erwarten die Befragten schon einen Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge in ihren Flotten von durchschnittlich 39 Prozent. Deutlich mehr als die Hälfte (61 %) der in der Befragung vertretenen Unternehmen wird in den nächsten zwei bis drei Jahren verstärkt in die Elektrifizierung ihrer Flotte investieren.
Auffällig ist die Diskrepanz zwischen diesem Investitionsbereich, der mit Abstand als der wichtigste eingestuft wird, und dem Auf- bzw. Ausbau unternehmenseigener Ladeinfrastruktur, wo nur 35 Prozent der Befragten verstärkte Investitionen in den nächsten Jahren erwarten.
Gleichzeitig bewertet nur eine Minderheit von insgesamt 27 Prozent der Befragten die öffentliche Ladeinfrastruktur als gut oder sehr gut. Bei der eigenen Ladeinfrastruktur im Unternehmen liegt dieser Wert mit 46 Prozent deutlich höher (unter Verantwortlichen für Flotten mit einem Anteil von 40 % batterieelektrischen Pkw oder mehr sogar bei 67 %).
Elektrifizierung soll Einsparungen bringen
Die Elektrifizierung ist in vielen Unternehmen eine der wichtigsten Maßnahmen zur Kostenoptimierung des Fuhrparks. 55 Prozent der Befragten nennen diesen Punkt. Die Haupttreiber für die Elektromobilität sind aus Sicht der befragten Flottenverantwortlichen hohe Kraftstoffpreise (für 39 % einer der wichtigsten Faktoren) und tatsächliche oder erwartete staatliche Förderungen beziehungsweise steuerliche Vorteile (von 34 % genannt).
Bei der Frage nach den Hürden, die die Elektrifizierung der Pkw-Flotten erschweren, steht die zu geringe Batteriereichweite ganz oben auf der Liste der genannten Faktoren (37 %), vor den hohen Anschaffungskosten für E-Fahrzeuge (35 %). Sowohl bei den Treibern als auch bei den Hürden waren Mehrfachnennungen möglich.
„Die Ergebnisse unserer Flotten-Studie – insbesondere mit Blick auf die unterschiedlichen Investitionspläne in Sachen Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur – stützen unsere Überzeugung, dass die Elektromobilität nur als Gesamtsystem Erfolg haben kann“, so Guido Kutschera, Vorsitzender der Geschäftsführung der DEKRA Automobil GmbH. „Es braucht nicht nur technisch ausgereifte Fahrzeuge, sondern auch sichere und bedarfsgerechte Infrastruktur, qualifizierte Reparaturbetriebe und verlässliche Prüfprozesse. Für die Flotten wird es eine der zentralen Aufgaben sein, die Elektrifizierung des Fuhrparks und den Ausbau der Lademöglichkeiten von Anfang an gemeinsam zu planen.“
