Audi kehrt frühzeitig zum klassischen Händlervertrieb zurück: Bereits zum 1. Juli 2025 soll das bisherige „Agenturmodell“ beim Verkauf von Elektroautos eingestellt werden. Ursprünglich war geplant, es bis Ende 2025 beizubehalten – doch Insider sagten dem Manager Magazin, dass die „Reintegration“ der E-Modelle in den Händlervertrag deutlich früher erfolgen solle. Ziel sei es, „möglichst schnell stabile Rahmenbedingungen“ für die Zusammenarbeit mit dem Handel zu schaffen, erklärte eine Sprecherin.
Das Agenturmodell hatte Audi erst im März 2024 eingeführt – nach dem Vorbild der Konzernschwester VW. Dabei tritt der Hersteller gegenüber Privatkunden selbst als Vertragspartner des Endkunden auf, während Händler nur als Vermittlungsagenten agieren. Die Preise legt zentral Audi fest; die Händler erhalten eine fixe Prämie pro Abschluss, haben aber keinen eigenen Spielraum mehr für Preisgestaltung oder Verkaufsverhandlungen.
Die pauschale Vergütung fällt beim Agenturmodell deutlich niedriger aus als im traditionellen Vertrieb, bei dem Händler eigene Margen durch den Weiterverkauf erwirtschaften. Dies führt zu einem geringen Anreiz für den Handel, aktiv Elektroautos zu verkaufen – vor allem dann, wenn bei Verbrennern oder Hybriden höhere Gewinne möglich sind. Audi und andere Hersteller erhofften sich indes geringere Vertriebskosten durch das Agenturmodell.
Dass das Modell im Volkswagen-Konzern scheitert, zeichnete sich schon Ende 2024 ab. Damals kündigte VW an, zum klassischen Vertrieb zurückzukehren, woraufhin auch Audi und VW Nutzfahrzeuge ein Ende des Agenturmodells bis Ende 2025 erklärten. Die neue Entscheidung von Audi, bereits Mitte 2025 umzusteuern, kommt daher überraschend schnell.
Verantwortlich für die beschleunigte Rückkehr zum Händlervertrieb soll vor allem Yves Becker-Fahr sein, der neue Deutschland-Vertriebschef von Audi. Der 43-Jährige kam kürzlich von Porsche und will offenbar rasch mit alten, als unpraktikabel angesehenen Strukturen brechen.

