Der chinesische Elektroautobauer BYD hat nach strategischen Fehlschlägen eine Neuausrichtung seiner Europageschäfte eingeleitet. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider.
Laut Aussagen aktueller und ehemaliger Führungskräfte scheiterte das Unternehmen zunächst daran, genügend lokale Händler zu gewinnen, Marktkenntnis in der Führungsebene aufzubauen und Hybridmodelle in Märkten anzubieten, in denen rein elektrische Fahrzeuge schwer verkäuflich sind. Um gegenzusteuern, wurde das Händlernetz stark erweitert und europäische Topmanager – insbesondere von Stellantis – mit attraktiven Gehältern abgeworben.
Ein Wendepunkt war die Entscheidung im Dezember, auch Plug-in-Hybridfahrzeuge ins Zentrum der Europastrategie zu stellen. Diese Kurskorrektur erfolgte auf Anraten von Alfredo Altavilla, einem europäischen Manager und Berater von BYD-Gründer Wang Chuanfu. Altavilla betonte demnach, dass der Fokus auf reine Stromer vielerorts in Europa zu früh komme und eine Kombination aus Elektro- und Hybridfahrzeugen notwendig sei.
Altavilla, früher bei Fiat-Chrysler (heute Teil von Stellantis) tätig, holte dem Bericht zufolge weitere, profilierte Manager von Stellantis ins Boot, um zentrale Märkte wie Deutschland, Italien und Spanien zu betreuen. Zudem wurde mit Stella Li eine hochrangige Führungskraft zur Chefin für Europa ernannt.
E-Marktführer in China, geringer Erfolg in Europa
Ende 2024 lag BYD in Europa laut Reuters nur bei 2,8 Prozent Marktanteil mit 57.000 verkauften Fahrzeugen. Ein Anteil von 5 Prozent sei das Ziel gewesen. Im Heimatmarkt China konnte das Unternehmen seine Verkaufszahlen seit 2020 schon versiebenfachen und stieg mit 4,2 Millionen Fahrzeugen 2024 zum größten Elektroautobauer weltweit auf. Der Großteil des Absatzes erfolgt bisher noch im Heimatmarkt.
Neben dem Druck durch steigende Konkurrenz chinesischer Marken wie Chery, Geely und Xpeng sieht sich BYD gezwungen, im Ausland zu expandieren. Der heimische Markt ist aufgrund eines Preiskriegs unter vielen E-Auto-Anbietern wenig profitabel.
Die ersten Anzeichen der Neuausrichtung sind laut dem Bericht ermutigend: Im ersten Quartal 2025 konnte BYD seine europäischen Verkaufszahlen auf über 37.000 Fahrzeuge steigern, im Vorjahresquartal waren es rund 8.500. Auf der jüngsten Automesse in Shanghai präsentierte der Konzern zudem ein Spektrum an neuen Fahrzeugen über verschiedene Preissegmente hinweg.
Ein zentrales Problem in Europa sei BYDs Mangel an lokaler Marktkenntnis gewesen, sagte ein Insider gegenüber Reuters. Die Expansion erfolgte demnach mit einer Strategie, die Europa als homogenen Markt behandelte. So trat BYD als Sponsor der EM 2024 in Deutschland mit dem Begriff „NEV“ (New Energy Vehicle) auf, der hier nicht geläufig ist. Zudem sei das Händlernetz anfangs zu klein und auf Großstädte beschränkt gewesen. Es werde nun aber massiv ausgebaut, allein in Deutschland von 27 auf 120 Standorte.


Gernot meint
Die Strafzölle machen es für die Chinesen schwer, hier wettbewerbsfähig bepreiste Elektroautos auf den Markt zu bringen. Wettbewerbsfähig heißt dabei eben nicht, vergleichbare Preise wie europäische Anbieter, sondern die Preise müssten deutlich unter den Preisen europäischer Anbieter liegen, um Kunden zum Kauf der chinesischen No-Names zu bewegen.
Auf Hybride/Verbrenner umzuschwenken, mag da naheliegend erscheinen, wird aber nicht funktionieren. Das ist hier ein extrem reifer und in allen Segmenten gesättigter Markt, in dem die Europäer deutlich wettbewerbsfähiger sind als bei Elektroautos. Es gibt Billigangebote wie von Dacia, die die Chinesen preislich schwer ausstechen können und anders als BYD ist Dacia eine am hiesigen Markt seit 20 Jahren etablierte Marke mit Renault im Rücken.
Die Chinesen sind auch nicht für besonderes Verbrenner-Knowhow und besondere Effizienz bekannt. In China kostet der Liter Diesel nur ca. 0,82 Euro und der Liter Benzin 0,95 Euro. Da lohnen Investitionen in extreme Effizienz weniger. Gleiches gilt übrigens für Elektroautos. Es wird auch immer lamentiert, dass die chinesischen Elektroautos nicht sonderlich effizient sind. Das stimmt auch. Es erklärt sich damit, dass fast alle chinesischen BEV, die hier auf den Markt kommen, ursprünglich für den chinesischen Markt designed waren. Da kostet die kWh 6-9 Cent. Selbst wenn das Auto 2 KWh mehr pro 100 km verbraucht, macht das in China nur 20 euro im Jahr an Mehrverbrauchskosten aus. Bei Motoren, Leistungselektronik, Klimatisierung aufwändig und teuer auf Effizienz hin zu optimieren, macht da wenig Sinn. Und für die Reichweite ist es billiger 5 KWh Akku mehr zu verbauen.
Monica meint
tja. kürzlich im TV eine Sendung über den kältesten Ort der Welt gesehen… die zahlen für eine Wohnung zum beheizen bei – 56 Grad(Sibirien auf aktuell noch Permaforst), keine 20 Dollar im Monat… Wenn denen die Heizung zu warm ist, machen die einfach für ne Minute die Fenster auf. Aber wir in Dt retten die Welt mit co3 und so..
Dieseldieter meint
Oh nein, Rüüüüüüüüüttttttttlllllller!!!! Warum wollen die Leute freiwillig Autos die dauernd abbrennen, wo dauernd der Auspuff abfällt?
Ständig Abgasuntersuchung!
Ständig Zahnriemen!
Donald meint
Presseferngesteuerte Gehirne. Jeder Vollpfosten ohne Ausbildung darf sich Journalist nennen, publizieren und die Ergüsse dann Pressefreiheit nennen.
Monica meint
Zahriemen hatte ich die letzten 1,9 Mio. KM keine im Auto. Aber mein Aufsitzrasenmäher braucht fast jedes Jahr zwei stück…
Futureman meint
Einfach das meistverkaufte BYD Modell in China (kostet dort unter 10.000$) mit 20% Aufschlag nach Europa bringen = 12.000€ zzgl. Transport 1000€ zzgl. Zoll 5000€ plus Marge für den Händler 1999€ ergibt 19.999€. Da haben doch alle etwas davon. Auch wenn der Zoll erschreckend viel an der Aktion verdient…
Mary Schmitt meint
Seagull. Bei uns nicht zulassungsfähig, das hat nichts mit fehlender Typgenehmigung inkl. Tests für EU zu tun, sondern damit, dass die Karosseriestruktur solche Tests schlicht nicht überstehen würde. BYD wird einen eigenen Seagull nur für Export entwerfen und das haben sie gemacht. Der kommt angeblich dieses Jahr als Dolphin Surf und beginnt bei 20k. Nur, wer kauft ihn?
Donald meint
Warum nicht Zulassungsfähig? Fahrzeuge mit zu hohen Abgaswerten lassen sich ja auch in Deutschland zulassen. Einfach dreist be sch eis ss en und lüüchen , fertig.
brainDotExe meint
Abseits davon, dass der in der EU nicht zulassungsfähig ist, warum sollte man genau das Modell aus der Klasse mitunter der geringsten Nachfrage bringen?
Werner meint
Ist schon erschreckend, wie BYD in jeder Pressemeldung das Thema Preis umgehen will.
Hoffentlich glauben die intern nicht wirklich, dass es am unbekannten Begriff „NEV“ lag.
M. meint
BEV sind nicht schwer verkäuflich, nur chinesische Massenware zu Premiumpreisen zieht nicht.
Hybride klingen da nach einer Lösung, treffen aber auf einen besetzten Markt. Auch da geht es wieder nur über den Preis.
Und wehe, es kommen mal noch Zölle auf die Dinger…
F. K. Fast meint
Vielleicht sollten sie Modelle bringen, die nach europäischen Vorlieben entwickelt wurden, und die Preise nicht ganz frech gestalten? MG hat beim MG4 wohl viel richtig gemacht – ordentliches Design, günstiger Preis. Da sahen Kunden sogar über Bedienmängel hinweg (aber das kennt man ja von Tesla-Nutzern auch).
Kasch meint
Der Hauptgrund dürfte wohl neben Zoll und Einfuhrumsatzsteuer der zusätzliche Strafzoll für eine Korrektur sein. Wie mehrfach erwähnt, dürfte dem Konzern, mit inzwischen 4,2 Mio Absatz alleine im Heimatland, Absatz in der EU ziemlich am A… vorbei gehen. Europäische Importeure erhoffen sich dennoch hohe Gewinne mit den neuen Fahrzeugen, insbesondere mit den neuen Blade-Batterien.
ID.alist meint
Will Frau Li in Deutschland im Jahr 2025 immer noch 50.000 BEVs verkaufen? So langsam wird es schwierig, selbst wenn man die Autos mit Vrebrennungsmotor mitzählt.
David meint
Wieso? Nach 1/3 des Jahres fehlen doch nur etwa 48.000….