Der Hochlauf der Elektromobilität stellt die Autoindustrie vor ein zentrales Dilemma: Um „Reichweitenangst“ zu begegnen, werden vor allem größere Batterien verbaut. Doch genau sie sind der teuerste und schwerste Bestandteil eines E-Fahrzeugs. Sie machen rund 40 Prozent der Gesamtkosten und mehr als ein Viertel des Gewichts aus. Mehr Kapazität bedeutet daher mehr Gewicht, höhere Kosten und physikalische Nachteile.
Ford setzt bei seiner neuen Universal EV Platform (UEV) auf einen anderen Ansatz. Statt immer größere Batterien einzubauen, will der Hersteller das Fahrzeug als Gesamtsystem optimieren, um mit kleineren Energiespeichern mehr Reichweite zu erzielen. Ziel ist es laut dem US-Traditionskonzern, die Komplexität deutlich zu reduzieren und so eine neue Generation erschwinglicher Elektrofahrzeuge zu entwickeln – beginnend mit einem mittelgroßen Elektro-Pick-up.
„Bezahlbarkeit ist für uns kein Marketing-Schlagwort“
„Bezahlbarkeit ist für uns kein Marketing-Schlagwort“, heißt es aus dem Unternehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, habe man gezielt nach Kostensenkungspotenzialen gesucht. Dazu wurde innerhalb einer „Skunkworks“-Einheit ein Team gebildet, das klare Kennzahlen für Reichweite, Effizienz und Leistung definierte – etwa in Bezug auf Gewicht, Luftwiderstand, Rollwiderstand und letztlich die Batteriegröße.
Kern des Ansatzes ist eine interne „Bounty“-Kultur (Prämie/Belohnung). Das für die Reichweite, Effizienz und Leistung zuständige Team legte Zielwerte fest, die andere Entwicklungseinheiten erfüllen mussten. Während Ingenieure in klassischen Strukturen häufig in Abteilungen isoliert arbeiten und primär ihre jeweilige Komponente optimieren, sollen die „Bounties“ Zielkonflikte transparent machen und an konkreten Auswirkungen auf Reichweite und Batteriekosten messen.
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Ein Beispiel: Aerodynamiker bevorzugen ein niedrigeres Dach für weniger Luftwiderstand, während andere Teams mehr Kopffreiheit oder geringere Innenraumkosten anstreben. Mit dem neuen System bei Ford wird die Auswirkung messbar: Eine Erhöhung der Dachhöhe um nur einen Millimeter würde 1,30 US-Dollar (1,10 €) zusätzliche Batteriekosten oder 0,055 Meilen (0,09 km) weniger Reichweite bedeuten, erklärt das Unternehmen. Damit verfolgten alle Teams ein gemeinsames Ziel: maximale Reichweite bei minimalen Batteriekosten.
Die Methode wurde laut Ford auf zahlreiche Bereiche angewandt. So sei das Gehäuse der Außenspiegel nun um mehr als 20 Prozent kleiner als bei konventionellen Modellen. Das senke Gewicht und Kosten, verbessere die Aerodynamik und bringe 1,5 Meilen (2,4 km) zusätzliche Reichweite.
Intelligenteres Energiemanagement, 48-Niedervoltsystem
Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Energiemanagement. Die elektrische Architektur bestimmt, wie Strom und Signale im Fahrzeug verteilt werden. Energieumwandlungen – etwa von 400 Volt auf 48 Volt für Niedervolt-Verbraucher – führen zu Verlusten. Zudem sind solche Systeme häufig auf mehrere externe Zulieferer verteilt, was zusätzliche Gehäuse, Befestigungen und Steckverbindungen sowie mehr Gewicht und Kosten bedeutet. 2023 holte Ford daher die Entwicklung der Hochvolt-Leistungselektronik ins eigene Haus und übernahm das Unternehmen Auto Motive Power. Dessen Ingenieure bringen Erfahrung in Leistungsumwandlung und Energiemanagement aus Elektrofahrzeugen ein.
Künftig sollen Kunden erstmals ein vollständig von Ford selbst entwickeltes elektrisches Lade-Ökosystem erleben – inklusive Software und bidirektionaler Ladefähigkeit. Verbesserungen sollen die Ladezeiten verkürzen, die Batterielebensdauer maximieren und die Gesamtbetriebskosten senken.
Die neue Hard- und Softwarearchitektur ermöglicht zudem Fords erstes 48-Volt-Niedervoltsystem. Im mittelgroßen Elektro-Pick-up ist der Kabelbaum dadurch den Angaben zufolge 4000 Fuß (ca. 1,2 km) kürzer und 22 Pfund (ca. 10 kg) leichter als bei einem Elektrofahrzeug der ersten Generation. Statt mehr als 30 dezentralen Steuergeräten kommen nur noch fünf Hauptmodule zum Einsatz, was den Verkabelungsaufwand deutlich reduziert.
„Andere Unternehmen werden behaupten, dass sie vieles davon bereits zuvor versucht haben. Aber Physik ist kein geschütztes Eigentum“, so Ford. „Wir entwickeln eine wirklich integrierte Plattform für Elektrofahrzeuge, bei der kein einzelnes Bauteil leicht kopiert werden kann.“ Gelingt das Vorhaben, erwartet das Unternehmen eine Fahrzeugfamilie, die preislich mit den Besten der Welt – einschließlich Verbrennern – konkurrieren kann. Noch sei viel Arbeit zu leisten, doch man mache Fortschritte, erklärt Alan Clarke, der die Entwicklung verantwortet.

Steffen meint
Genau, wir setzen jetzt total auf Effizienz – und als erstes bauen wir einen Pick-up. :-D
Franky meint
…und Monster-SUV… :D
Diese bahnbrechende Erkenntnis, dass größere Autos/Teile schwerer sind und somit mehr Sprit verbrauchen, ist schon nobelpreisverdächtig. Man merkt, Ford baute nie Motorräder. Die wissen seit Jahrzehnten, wie man Gewicht an jeder Schraube spart. ;)
Von wann ist dieses PR-Gequatsche eigentlich? 40% der Fahrzeugkosten für Akkus dürfte so 2020 der Fall gewesen sein, heute kosten „nackte“ 1KWh weit unter 50$.
David meint
Vor allen Dingen ist die Strategie für die Zukunft gar nicht mal so sinnvoll. Denn die Energiedichte der Akkus wird immer höher und die Preise pro Kilowattstunde werden immer niedriger. Wenn also der Ur-Ioniq früher mal eine gute Idee gewesen ist, Ist er es heute nicht.
Echte Kunden stellen sich ein bestimmtes Fahrzeugformat vor und einer der Gründe, wenn auch nicht unter den ersten zehn, für Teslas Misserfolg ist auch, dass sie kein vernünftiges Kombiheck am Model Y anbieten. Andererseits ist Fords Erfolgsmodell der Explorer: Genial sparsame MEB Technik und eine großzügige Karosserie, die gut aussieht.
Natürlich könnte man den Explorer ausbeinen und die Komponenten auf ein Sportwagenchassis setzen, 1,45 m Breite und 1,13 m Höhe wie die erste Alpine A110. Dann würde man Rekordverbrauchswerte erzielen. Nur hat heute keiner mehr Lust, sich da reinzuquetschen und einen Euro NCAP besteht man damit auch nicht.
Lataffa meint
Entfernt, da themenfern. Die Redaktion.
cbzac meint
Für Ford mag die Erkenntnis ja neu sein, für andere nicht.
Mercedes geht z.B. beim CLA EQ mit seinem cW-Wert von 0,21 bereits sehr effizient mit dem 85kWh-Akku um. Ich glaube kaum, dass Ford da noch sensationelle Verbesserungen erreichen wird.
Futureman meint
Eine tolle Erkenntnis, das ein Unternehmen wo alle zusammen arbeiten bessere Produkte hervorbringen kann. Gibt halt nicht viele Unternehmen in denen der Chef von (fast) allen Dingen etwas (oder viel) Ahnung hat und damit das große Ganze sieht. Und wenn dann noch weltweites Internet und günstige Raketen dabei rauskommen, stehen erfolgreiche Produkte und weltweiter Neid nichts mehr im Wege.
MK2 meint
Natürlich ist es keine Erkenntnis, dass alle in Unternehmen zusammenarbeiten sollten. Die spannende Frage ist aber: wie wird ein Unternehmen gesteuert, damit das passiert und nicht das übliche Silodenken entsteht.
Eine mögliche Antwort ist: Mikromanagement des CEO. Das halte ich aber maximal für die zweitbeste Lösung, da die Organisation dann nur so schlau ist wie die Person an der Spitze.
Ford probiert es hier mit der Steuerung durch ein Kennzahlensystem, das den Einfluss auf Reichweite bzw. Batteriekosten bewertet. Und das ist durchaus eine Erkenntnis.
Netscgeu
Lotti meint
Da kann man sich ja auch gleich einen Tesla kaufen 🤙
Tomas Angelus meint
Wenn man keinen Anstand, keinen Charakter Uwe keine Moral besitzt und Trump und die AfD finanzieren will.
Gunnar meint
„Wenn man keinen Anstand, keinen Charakter und keine Moral besitzt“
Genau das trifft aktuell auf die gesamte VW Führungsebene zu. Mal wieder fette Sparmaßnahmen ankündigen und durch Bilanztricks sich selber pro Person 1,75 Mio € Bonus auszahlen. Genau mein Humor. VW ist damit so was von durch. Das werden die VW Manager demnächst merken durch sinkende Absatzzahlen in Deutschland, weil sich die Leute so was nicht gefallen lassen wollen.
Lataffa meint
Im Vergleich zu Elon sind die VW Manager Heilige. Elon ist inzwischen für Hundertausendfaches Elend und Leid auf der Welt mindestens mitverantwortlich. Pfui, wer sowas unterstützt.
RudiFaehrtTesla meint
Na denn lataffa. Wir wissen ja bereits, dass deine Ausführungen völlig aus der Luft gegriffen sind und du mit absoluter Sicherheit keine Belege anführen kannst.
Auf jeden Fall geht das was VW gerade macht, überhaupt nicht!
M. meint
Ja. Engel sind das auch nicht. Muss man auch nicht unterstützen und ggf. überlegen, ob man da „mitspielt“. Man kann auch schauen, ob da etwas „gedreht“ wurde – wenn da etwas strafbares dabei ist, muss man handeln, keine Frage.
Aber der Vergleich mit einem FakeNews verbreitenden, den Klimawandel leugnenden, homophoben Mann, der dabei mithilft die Demokratie zu stürzen – das lässt tief blicken.
Gunnar meint
@M. Wo in meinem Kommentar ziehe ich einen Vergleich zwischen Musk und VW Managern? Wo? Richtig, nirgendwo.
M. meint
Erste und zweite Zeile, in der du den Beitrag von Tomas Angelus aufgreifst.
Merkst du selbst nicht, hm?
Steffen meint
@Gunnar Kaum zu glauben, dass du das nicht merkst. Oder war das so typisch pop_ulistisch einfach mal was behaupten und dann verleugnen und zurückrudern?
Bob meint
Musk ist dabei aber nicht wirklich besonders. Die Superreichen wollen offene politische Macht.
Powerwall Thorsten meint
Eigentlich ging es hier ja um Ford.
Mit einem Nick, der sich aus zwei religiösen Heiligen Namen zusammensetzt, war er wohl nicht viel anderes zu erwarten.
Wenn man Tesla technologisch und was Innovation betrifft, nicht das Wasser reichen kann, ist eben das einzige Mittel, den CEO zu verunglimpfen und das geschieht hier quasi jeden Tag, nur helfen wird es leider nicht.
M. meint
Der CEO ist für dich doch selbst eine heilige Figur, und der verunglimpft sich selbst ständig.
Zum Glück hat er Schafe wie dich, die alles geben, um zu relativieren und umzudeuten, was dort passiert.
Es darf halt nicht passieren, dass dein Depot Schaden nimmt.
Wenn zu dessen Rettung die Welt im Chaos versinkt, macht das nix. Hauptsache die Aktie…
Tinto meint
Das Anbeten von Elon ist also nur ein Vorwand, weil seine zutiefst sozial verwahrlosten Jünger in Wahrheit nur den schnöden Mammon anbeten?
Klingt nach einem erfüllten Leben ..
Steffen meint
Verunglimpfen ist gut. Bei dem Typen muss man nur Fakten beschreiben und er ist unterndurch.