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Studie: Zulieferindustrie vor schwieriger Dekade, Branchenmanager sind pessimistisch

17.03.2026 in Studien & Umfragen von Thomas Langenbucher | 2 Kommentare

Mahle-Powertrain

Bild: Mahle

Die Kfz-Zulieferindustrie steuert laut der Unternehmensberatung BCG auf eine tiefgreifende Zäsur zu. Bis 2035 wird demnach die Nachfrage nach Automobilkomponenten zwar jährlich um 3,5 Prozent steigen. Davon profitieren aber längst nicht alle Unternehmen. Gewinner sind die Hersteller von Fahrzeugsoftware, Batterien und Elektrofahrzeugkomponenten. Sie können mit Wachstumsraten zwischen 13 und 16 Prozent pro Jahr rechnen. Produzenten von Komponenten für Verbrennungsmotoren verlieren deutlich – bis 2035 im Schnitt zwischen drei und acht Prozent pro Jahr.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „How Auto Suppliers Can Rebuild and Rise Again“ der Boston Consulting Group (BCG). Für die Analyse haben die Berater die Finanzsituation von über 750 Zulieferern und rund 50 Fahrzeughersteller weltweit analysiert sowie 127 Führungskräfte auf C-Level befragt.

Neue Geschäftsfelder liefern die besseren Margen

In jenen Bereichen, die für die Transformation von Verbrenner auf Elektro zentral sind, bieten sich Zulieferern tendenziell mehr Chancen: „Elektrifizierung, Elektronik und Software sind schnell wachsende Geschäftsfelder, in denen sich mit der richtigen Strategie deutlich höhere Gewinnmargen erzielen lassen als in klassischen Segmenten“, sagt Alex Brenner, Automobilexperte bei BCG und Co-Autor der Studie (ENG).

Klassische Komponenten-Zulieferer haben laut BCG 2025 im Schnitt mit 5,7 Prozent erstmals seit fünf Jahren wieder höhere EBIT-Margen erwirtschaftet als die Automobilhersteller. In Wachstumsfeldern wie Batterien und Halbleitern lagen die EBIT-Margen nochmal deutlich höher – bei über 7 Prozent respektive über 20 Prozent. Bei Halbleitern, Batterien und anderen Nicht-Kerngeschäftsbereichen haben Zulieferer 2025 mit 5,7 Prozent erstmals seit fünf Jahren wieder höhere EBIT-Margen erwirtschaftet als die Automobilhersteller. Für 2027 prognostizieren die Autoren eine Stabilisierung der Marge bei 6 Prozent für klassischen Komponenten-Zulieferer.

Dennoch ist die Unsicherheit in der Branche groß. Der Grund: Die Transformation hin zur Elektromobilität verläuft deutlich unruhiger als erwartet. Programme für reine Elektrofahrzeuge sind allein im ersten Halbjahr 2025 teils um mehr als den Faktor drei von den ursprünglichen Verkaufsprognosen abgewichen – sowohl nach oben als auch nach unten. Für Zulieferer bedeutet das BCG zufolge: Milliardeninvestitionen treffen auf hohe Auslastungsunsicherheit – und damit auf ein Risiko, das sich nicht mehr mit klassischem Kapazitätsmanagement beherrschen lässt.

„Die akute Krise liegt hinter uns, aber Normalität ist nicht zurückgekehrt. Höhere Zinsen, geopolitische Spannungen und volatile BEV-Nachfrage sind kein Übergangsphänomen mehr – sie definieren das neue Grundrauschen der Branche“, sagt Albert Waas, Leiter des Bereichs Automobil und Mobilität bei BCG in Europa, dem Nahen Osten, Südamerika und Afrika. „Zulieferer müssen ihre Gewinnschwellen strukturell senken, indem sie ihr Portfolio vereinfachen, Werke und Standorte konsolidieren, wo die Größe nicht ausreicht, und indirekte Kosten und Gemeinkosten rigoros reduzieren. Das Ziel ist nicht eine einmalige Kostensenkung, sondern eine neu gestaltete Ertragsbasis, die auch bei schwankender Nachfrage robust bleibt.“

China gewinnt Tempo, Europa verliert Position

Der globale Vergleich verschärft den Druck auf Europa laut der Analyse zusätzlich: Zulieferer aus China haben ihre europäischen Wettbewerber 2024 bei der Profitabilität überholt. Die Kapitalmärkte folgen dem Wachstum: China legte zwischen 2019 und 2025 beim Börsenwert der Zulieferer stärker als jede andere Region zu. Die chinesischen Zulieferer zeigen den Beratern zufolge auch die klarste Wachstumsorientierung – mit Fokus auf Expansion, Partnerschaften sowie neue Produkte und Technologien.

Entsprechend angespannt ist die Stimmung in der Branche: Jede zweite Führungskraft rechnet damit, dass sich der Markt verschlechtert, so BCG. In Europa fällt die Einschätzung am negativsten aus. Führungskräfte verweisen vor allem auf starken wirtschaftlichen Druck, unsichere Regeln und mehr Insolvenzen.

BCG hat fünf Hebel identifiziert, die nach der Einschätzung der Berater den Weg zum erneuten Aufstieg ebnen: „Erfolgreiche Zulieferer erschließen sich eine neue Ertragsbasis, erhöhen ihre Widerstandsfähigkeit und gehen gezielt in die Offensive in Bereichen mit hohem Wachstumspotenzial, die an bestehende Kompetenzen angrenzen. KI als operatives Nervensystem und ein starkes Changemanagement machen es möglich.“

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Via: BCG (ENG)
Tags: Autozulieferer, China, EuropaAntrieb: Elektroauto

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. R2D2 meint

    17.03.2026 um 17:12

    Produktion lohnt sich hier einfach nciht mehr. Jeder der halbwegs was im Kopf hat, verlässt das Land. Selbst in Ungarn isses schöner zu Leben.

    Antworten
  2. Daniel S meint

    17.03.2026 um 15:03

    Jetzt sind Ideen gefragt. Da genügt Management nicht mehr.

    Antworten

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