Im Rahmen der in Kürze stattfindenden virtuellen Hauptversammlung der Mercedes-Benz Group kritisieren der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre die hohe Dividende und den damit verbundenen Mittelabfluss sowie zu geringe E-Auto-Anteile.
Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim BUND und Vorstandsmitglied des Dachverbands, sagt, dass jeder Euro, der statt in Klimaschutz-Investitionen in hohe Dividenden fließt, den Konzern schwäche. „Absatzkrise, Gewinnrückgang und sinkende Rentabilität fordern dringend einen Kurswechsel vom Vorstand. Investitionen in Klimaschutz und E-Mobilität sichern Arbeitsplätze und den Standort Deutschland.“
In Zeiten, in denen der Konzern einen harten Sparkurs mit massivem Stellenabbau umsetze und beim sogenannten Verbrenner-Aus lautstark Zugeständnisse der Politik einfordere, ist es nach Auffassung beider Organisationen „schlichtweg falsch“, eine der höchsten Dividenden der letzten 20 Jahre auszuzahlen.
„In den vergangenen vier Jahren hat das Unternehmen insgesamt 27,8 Milliarden Euro über Dividenden und Aktienrückkäufe ausgeschüttet – mehr als jeder andere deutsche Automobilhersteller“, erklärt Hilgenberg. „Statt auf diese Weise viele Milliarden Euro nach China und Kuwait abfließen zu lassen, muss der Konzern in die eigene Zukunft investieren.“
Wie dringend beim Umbau des Konzerns mehr Tempo erforderlich sei, zeigten aktuelle Zahlen. So habe der Anteil von reinen E-Autos bei Mercedes-Benz Cars 2025 bei lediglich 9,37 Prozent und damit merklich unter dem von 2023 mit 11,77 Prozent gelegen. Folgerichtig sei auch der durchschnittliche CO2-Ausstoß pro Pkw von 103 g/km CO2 im Jahr 2024 auf 106 g/km CO2 im Jahr 2025 gestiegen.
„Während die Nachfrage nach E-Autos und damit die Verkäufe der Hersteller weltweit steigen, kann Mercedes-Benz diesen Trend bislang nicht nutzen. Mehr als 90 Prozent der 2025 von Mercedes-Benz verkauften Pkw hatten noch einen Verbrennungsmotor. Das ist mehr als enttäuschend für einen Konzern, der bis 2024 die ‚electric only‘-Strategie verfolgte“, so Hilgenberg.
BUND und Kritische Aktionäre bemängeln seit Langem eine falsche Flottenstrategie des Konzerns. Mit Blick auf die aktuelle Modellpalette erklärt Hilgenberg: „Viel zu spät wird jetzt eine rein elektrische Nachfolge für die A-Klasse als erschwingliches Einstiegsmodell angekündigt. Es wird sich zeigen, ob die überfällige Abkehr von der Luxus-Strategie und neue Modelle wie der elektrische CLA dafür sorgen können, dass Mercedes-Benz für das faktische Ende des Verkaufs neuer Pkw mit Verbrennungsmotor in der EU 2035 gerüstet ist. Denn das ist nach wie vor geltende Rechtsgrundlage und darauf muss sich die Strategie des Konzerns ausrichten.“

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