Ein Jahr nach der Fusion von McLaren Automotive mit dem Start-up Forseven hält Konzernchef Nick Collins an dem grundlegenden Umbau des Herstellers kostspieliger Sportwagen fest. Die Pläne, die Ende 2025 mit einem größeren öffentlichen Auftritt präzisiert werden sollten, sind weiter nicht vollständig vorgestellt. Collins betont jedoch im Gespräch mit Autocar, das Unternehmen habe in den vergangenen zwölf Monaten die Basis für die nächsten Schritte gelegt.
Im Zentrum stand demnach zunächst die Stabilisierung des Geschäfts. McLaren habe Schulden abgebaut und sei nun schuldenfrei, zugleich seien mehr als zwei Milliarden Dollar an Investitionen zugesagt worden. Collins spricht von schnellen Entscheidungen und tiefgreifenden Veränderungen, mit denen die Grundlagen für Wachstum geschaffen worden seien.
Zu den ersten Maßnahmen gehörten Eingriffe in Produktion und Qualität. Die Jahresproduktion wurde 2025 um rund 1000 Fahrzeuge auf 2000 reduziert. Collins begründet das mit zu hohen Beständen bei den Händlern. Zugleich seien die Garantieleistung um 80 Prozent und die Produktionsqualität um mehr als 60 Prozent verbessert worden.
Neuorganisation nach Fusion mit Forseven
Die Integration von McLaren und Forseven, das rund 700 Beschäftigte hatte, führte zu einer Neuorganisation. Collins räumt ein, dass dabei Mitarbeiter das Unternehmen verließen. Zu ihnen gehörten der damalige McLaren-Chef Michael Leiters und Chefdesigner Tobias Sühlmann – Leiters ist nun bei Porsche der CEO, Sühlmann verantwortet dort künftig das Design. Collins beschreibt die aktuelle Belegschaft von McLaren zugleich als technisch stark und vergleichsweise jung.
Die Probleme der vergangenen Jahre führt der Firmenchef nicht auf fehlendes Personal, sondern auf Abläufe zurück. Entscheidungen seien nicht schnell genug getroffen worden, komplexe Themen nicht konsequent vereinfacht. Zudem habe es eine falsche Sicherheit über den tatsächlichen Zustand des Unternehmens gegeben. Aus seiner Sicht mussten deshalb Maßnahmen mit hoher Dringlichkeit umgesetzt werden.
Das von CYVN Holdings – ein Investitionsfonds der Regierung von Abu Dhabi – investierte Kapital in Höhe von 1,5 Milliarden Pfund fließt nach Collins’ Angaben in neue Produkte und in Fähigkeiten zu deren Umsetzung. Dazu zählt eine umfassende Modernisierung der IT-Systeme. Auch das Design wurde ausgebaut. In Bicester entstand ein neues Designstudio mit vollständiger Clay-Modellierung und deutlich mehr Raum als zuvor in Woking. Gleichzeitig soll McLaren in Woking bleiben.
Nach Abschluss von Restrukturierung und Fusion um Oktober des vergangenen Jahres legte das Management fest, welche Technologien und welche Segmente künftig bedient werden sollen. Händler bekamen Ende 2025 bereits Modelle in Originalgröße zu sehen, die bis zum Ende des Jahrzehnts geplant sind. Ab diesem Sommer will man damit auch an die Öffentlichkeit gehen.
Portfolio soll wachsen und klarer differenziert werden
Als ein nächster sichtbarer Schritt gilt der W1. Die Auslieferungen des Hypercars mit potentem V8-Hybridantrieb sollen in diesem Sommer beginnen. Darüber hinaus kündigt Collins an, das Portfolio werde mit der Zeit wachsen und klarer differenziert werden.
An der langfristigen Elektrifizierung hält der CEO grundsätzlich fest, sieht sich hier aber nicht unter Zugzwang. „Wir werden ein Elektroauto auf den Markt bringen, wenn unsere Kunden eines wollen. Wir werden es nicht einem Markt aufzwingen, der es noch nicht will, und derzeit will der Markt es nicht“, so Collins. „Wir verfügen über die Mittel, um E-Autos dann einzuführen, wenn es notwendig ist. Diese klare Zielsetzung ist wichtig, um unseren Plan voranzutreiben. Wir haben eine sehr klare Vorstellung von den technologischen Bausteinen, die zur Umsetzung unseres Portfolios erforderlich sind.“
Wachsen soll auch McLaren Special Operations. Die Individualisierungsabteilung soll breiter aufgestellt werden, damit mehr Kunden ihre Fahrzeuge personalisieren lassen. Collins verweist auf langjährige Verbindungen mancher Käufer zur Marke und betont, man nehme deren Ideen auf. Für das kommende Jahr plant der CEO mehrere Markteinführungen. Zudem soll die Zusammenarbeit mit dem Formel-1-Team enger werden, man wolle künftig stärker voneinander lernen.

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