Rund 15 Prozent der Pkw-Besitzer, die mit einem Benziner oder Diesel unterwegs sind, wollen sich angesichts der gestiegenen Preise an den Tankstellen nun ein Elektroauto zulegen. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage im Auftrag der Versicherung DEVK. Hochgerechnet wären das E-Fahrzeuge für 6,6 Millionen Menschen. Die neue staatliche E-Auto-Kaufprämie dürfte die Nachfrage zusätzlich ankurbeln. Dabei stellen 70 Prozent der Befragten die Antriebsart ihres Autos nicht in Frage.
Zwar geben 70 Prozent der befragten Autofahrer an, dass sich ihre Kaufbereitschaft bezüglich E-Autos durch die hohen Spritpreise nicht verändert habe. Aber mehr als 15 Prozent mit einem Benziner sagen, dass sie angesichts der Kosten eher ein Elektroauto kaufen würden. Bei den Diesel-Besitzern sind es ebenfalls knapp 15 Prozent. Nach Angaben vom Kraftfahrt-Bundesamt gab es 2025 noch 29,9 Millionen Pkw mit Ottomotor und 13,8 Millionen mit Dieselantrieb. Hochgerechnet bedeutet das: 4,6 Millionen Menschen in Deutschland, die einen Benziner fahren, und 2,0 Millionen, die aktuell mit einem Diesel unterwegs sind, würden nun vorzugsweise ein E-Auto kaufen.
Diejenigen, die bereits rein elektrisch fahren, fühlen sich durch die hohen Spritpreise in ihrer Bereitschaft bestätigt, sich auch künftig für ein E-Auto zu entscheiden, so die Umfrage. Hybridfahrzeuge sind für diese Gruppe keine Alternative. Wer einen Verbrenner besitzt, kann sich schon eher vorstellen, ein Auto mit Hybridantrieb (Plug-in) zu kaufen: Für 6,5 Prozent der Befragten mit Benziner kommt das in Frage und für 4,5 Prozent der Leute mit einem Diesel vor der Haustür.
Angesichts der weiterhin großen Verbreitung von Verbrennern in Deutschland – der Umfrage zufolge fast 57 Prozent Benziner und 26 Prozent Diesel – dürfte die Nachfrage nach E-Autos nun deutlich steigen. Der Trend scheint bereits im Automarkt angekommen zu sein, wie Zahlen vom Kraftfahrt-Bundesamt belegen. Im April 2026 sind bundesweit 41,3 Prozent mehr E-Pkw zugelassen worden als im Vorjahresmonat und 6,6 Prozent mehr Autos mit Hybridantrieb. Dagegen sind die Zulassungszahlen bei Benzinern um 20,0 Prozent gesunken und bei Dieseln um 13,8 Prozent.
Den Markt ankurbeln dürfte auch die neue staatliche Elektroauto-Kaufprämie, die die Bundesregierung bereits im Herbst 2025 beschlossen hat. Ende Mai sollen alle erste Anträge stellen können, die sich dieses Jahr bereits ein rein elektrisches Neufahrzeug gekauft haben und über ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen verfügen von nicht mehr als 80.000 Euro im Jahr ohne Kinder oder 90.000 Euro mit Kindern. Gestaffelt nach Einkommen und der Zahl der Kinder unter 18 Jahre sind bis zu 6000 Euro Förderung möglich. Geringer fallen die Zahlungen für Plug-in-Hybride aus.


Futureman meint
Was würde wohl passieren wenn (dank Trump) die Spritpreise noch länger so hoch bleiben und die ersten anfangen sich nicht nur ein neues Auto kaufen, weil sie sowieso eins kaufen wollten, sondern aufgrund der hohen Betriebskosten einfach ihren Verbrenner vorzeitig gegen einen günstigen E-Wagen tauschen?
In der letzten Gaskrise haben z.B. auch einige ihre fast neuen Gasheizungen gegen Wärmepumpen getauscht.
Da kann man nur hoffen, das die Ölpreise noch lange hoch bleiben und die Bemühungen von Merz und Co, die CO2 Grenzwerte aufzuweichen ins Nirvana laufen.
F. K. Fast meint
Du unterschaetzt das Beharrungsvermoegen vieler. Hohe Spritpreise kennen sie schon und koennen sie ertragen, aber BEV sind Teufelswerk, sagt der Stammtisch.
South meint
Nee, die Zeiten sind vorbei, als am Stammtisch über BEV gelächelt wurde. Die meisten Kilometer je Auto werden auf dem Land runtergespult und genau da lohnt ein BEV, zumal viele auch noch eine PV Anlage haben oder zumindest zuhause mit HH Strom laden können. Wenn einer bei uns über Spritpreise jammert, da kriegt er mittlerweile eher den SelberSchuld Kommentar ab…
In Kürze. Die BEV sind auf dem Land deutlich im Kostenvorteil und bei uns in der Gegend boomen eAutos… wir sollten deutlich über dem Schnitt liegen…
M. meint
Das ist wirklich so.
Ich hatte – schon etwas her – mal ein Gespräch mit einem Typen:
– neu gebautes EFH + Garage
– 2 neue Verbrenner (die gleichen!)
Er: „Elektro funktioniert nicht“
Ich: wie weit fährst du auf die Arbeit?“
Er: „15 km“
Ich: „also 30 km gesamt, das hast du zu Hause in gut 30 Min. an der Wallbox nachgeladen“
Er: „ich habe keine Wallbox“
Ich: „hast du Strom in der Garage?“
Er: „natürlich, 400 Volt“
Ich: „dann fehlt nur die Wallbox“
Er: „wir fahren manchmal auch weiter, so 400 km“
Ich: „ok, dann lädst du eben über Nacht auf“
Er: und was, wenn ich heimkomme, und will spontan nochmal 500 km weg will? Zum Einkaufen im Outlet oder so?“
Ich: „wie oft kam das schon vor?“
Er: „das ist egal, es könnte ja mal so sein“
Ich: „aber…“
Er (gereizt): „elektrisch funktioniert das nicht, und damit ist die Diskussion beendet“
Und politisch funktioniert die Argumentation dort genauso.
MK meint
@M:
Das ist richtig: Die Leute „ich habe es zwar die letzten 20 Jahre kein einziges Mal gebraucht, aber es könnte ja mal sein…“ gibt es auch weiterhin und das sind die, die sich auch mit Logik nicht kriegen lassen…und die, auf die die Politik reagiert, wenn sie bei steigenden Spritpreisen panikartig die Energiesteuer auf Benzin und Diesel senkt, sie aber vom Strom weiterhin in voller Höhe weiterhin verlangt (und die EEG Umlage zum Ausbau erneuerbarer verteufelt, jetzt aber eine neue Strom-Umlage zur Finanzierung neuer Gaskraftwerke ankündigt).
Aber das was South hier beschreibt, erlebe ich auch: Die große Mehrheit fängt solche Diskussionen eben nicht an, sondern hört nur zu und reagiert nur knapp. Und diese Reaktionen haben sich durchaus recht großflächig von „Ja, da hat er recht…das geht mit einem eAuto nicht“ zu „Lass den mal reden, ich nehme einfach das, was für mich günstiger ist“ gewandelt.
FunFact: Vor 3 oder 4 Monaten (auf jeden Fall vor Beginn des Iran-Kriegs) gab es eine repräsentative Umfrage, die u.a. von der Wirtschaftswoche veröffentlicht worden ist. Ergebnis: Rund 56% derjenigen, die in der „Sonntagsfrage“ gesagt haben, dass sie AfD wählen wollen, wollen bei einer neuen Heizung auf eine Wärmepumpe setzen. Was Leute nach außen hin unterstützen (auch weil sie vielleicht nicht zugeben wollen, die letzten Jahre auf dem Holzweg gewesen zu sein) und was sie tun, unterscheidet sich oftmals, wenn es Einfluss darauf hat, was am Ende des Monats auf dem Konto übrig bleibt. Grade solchen Leuten geht es nämlich meist überhaupt nicht um Ideologie, sondern nur um den eigenen Vorteil. Die lassen sich dann auch gerne von Populisten einlullen, weil es bequem ist, schon seit Jahren die „beste Lösung“ zu nutzen. Aber wenn immer offensichtlicher wird, dass die Wahrheit anders aussieht, kippt das ganz schnell.
M. meint
Das mit den AfD-Wärmepumpen finde ich interessant. Es passt aber zu E.M., der für die AfD heftigst geworben hat.
Vielleicht kannst du das auflösen – mir ist nicht klar, was sich AfD-Wähler versprechen, weil die mit ihrer Politik doch alles konterkarieren, das mit „EE“ zu tun hat. Die sind doch durchgängig „fossil“; weiter Verbrennerautos, Gas aus Russland, Klimawandel ist ein Mythos, Windräder weg, usw.
Wie können Menschen, die Wärmepumpen installieren, die AfD wählen? Was passiert denn, würde diese Partei an die Macht kommen? Strom für Privathaushalte würde doch nicht billiger!?
Ich gehe übrigens davon aus, dass der Kamerad oben die AfD wählt. Das passt irgendwie, wie ich den „erlebt“ habe. Sein Heizsystem kenne ich nicht, aber beim Auto bin ich mir ziemlich sicher…
MK meint
@M.
Wirklich auflösen kann man das wahrscheinlich nicht…und Sie werden sich wahrscheinlich wieder über die Länge des Kommentars beschweren. Aber versuchen wir es mal, weil das ausführliche argumentieren und durchdenken eben aus meiner Sicht der entscheidende Unterschied zur AfD ist:
Ich denke, es spielen auf jeden Fall mehrere Punkte eine Rolle:
– Viele wählen die AfD aus „Protest“ gegen andere Parteien und gehen fest davon aus, dass die 1. sowieso nicht an die Regierung kommen und 2. ihre Ankündigungen ja sowieso nicht umsetzen würden
– Es ist bequem, der AfD zu glauben: Die AfD erzählt den Menschen, dass an allen (vermeintlichen) Problemen jemand anderes Schuld ist: Dass heute bei einem Ehepaar beide Partner angestellt arbeiten „müssen“, liegt z.B. dann auf einmal nicht mehr daran, dass das, was die angeblich nicht arbeitende Frau früher zu Hause gemacht hat (Kindererziehung, Pflege von (Schwieger-)Eltern, dem Mann die Haare schneiden, kochen etc.) an Angestellte Dienstleister (Kindergärten, Pflegedienste, Friseure, Kantinen,…) ausgelagert wird und auch nicht daran, dass die Familie zwei dicke SUV vor der Tür stehen hat statt eines VW Käfer, dass man eine 37 Stunden Woche mit 30 Urlaubstagen statt einer 45 Stundenwoche mit 20 Urlaubstagen hat…nein, Schuld sind Migranten…praktisch: Laut AfD ist nicht der eigene höhere Lebensstandard Ursache, dass es auch mehr Einkommen braucht, diesen zu finanzieren, sondern Menschen, die kein Wahlrecht haben…
– Ich würde mal die Behauptung wagen, dass 90% der AfD-Wähler das Wahlprogramm nie auch nur gesehen geschweige denn gelesen haben. Während der Bauernproteste war die AfD sehr erfolgreich mit der Behauptung, für den Erhalt der Agrardiesel-Subvention zu kämpfen. Dass im Grundsatzprogramm und jedem Wahlprogramm davor und danach explizit die Abschaffung aller Subventionen gefordert werden und die Subventionen für Bauern dabei besonders hervorgehoben werden: geschenkt…
– SocialMedia: Die oben genannten einfachen Antworten lassen sich in kurzen SocialMedia Posts als vorteilhaft für die Wähler darstellen. Das geht mit den echten Lösungen, die vielleicht erstmal Nachteile bringen und erst in 20 Jahren über diverse Umwege Vorteile bringen, meist nicht…und man kann eben jedem durch verschiedene Posts Zielgruppengenau erzählen, was derjenige hören will. Das geht nicht, wenn die Leute das eine einheitliche Programm der Partei lesen.
Steffen meint
Innerhalb der letzten Wochen sehe ich jetzt auf dem Weg in die Firma zwei Verbrenner am Straßenrand stehen, die zum Verkauf angeboten werden. Vorher hatte ich das quasi nie gesehen.
MK meint
Was bei solchen Umfragen immer nicht gefragt wird: Wer von den Befragten kauft überhaupt jemals in seinem Leben einen Neuwagen?
Oder in der Konsequenz: Wie viele der 70%, die bei Benziner/Diesel bleiben wollen, äußern dies nur, weil sie in der Regel irgendwelche 10 Jahre alten Gebrauchtwagen kaufen und der Markt 10 Jahre alter Elektroautos wirklich überschaubar und diese tatsächlich nicht alltagstauglich sind?
Das ist aber für die Neuwagenzulassungen irrelevant und ändert sich automatisch, wenn in noch mal 10 Jahren entsprechend viele, gute eAutos auf dem Markt verfügbar sind.