Die Ladeinfrastruktur in Deutschland ist schneller gewachsen als der Bestand an E-Autos. Dadurch kämpfen Anbieter stärker um die Auslastung ihrer Ladesäulen, während kleinere Anbieter unter Druck geraten. Der durchschnittliche DC-Ladepreis (Gleichstrom) sank laut den Lade-Marktdaten-Experten von Cirrantic seit Oktober 2024 von 75 auf 65 Cent pro kWh, berichtet die Automobilwoche.
„Der Preiswettbewerb unter den Ladeanbietern nimmt zu“, sagt Cirrantic-Chef Ludwig Hohenlohe. „Alle Anbieter versuchen, sich mit attraktiven Angeboten die Kunden abzuwerben“, berichtet Alexander Junge, Vorstand bei Aral und zuständig für das Ladegeschäft. Besonders beim Ultra-Schnellladen ist das Angebot stark gewachsen: Anfang 2023 kamen 122 E-Autos auf einen HPC-Schnellladepunkt (High Power Charging), Anfang 2026 nur noch 56. Im letzten Jahr waren nach Zahlen des Energieverbands BDEW im Schnitt nur 12 Prozent der Ladepunkte gleichzeitig belegt.
„Wir kommen gerade von einer Marktphase der Ladesäulen-Knappheit in eine Sättigung“, sagt Axel Sprenger, Geschäftsführer des auf die E-Mobilität spezialisierten Marktforschers UScale. Die Frage sei nicht mehr, ob es genügend Ladepunkte gibt, sondern wer wo und warum lädt. Für Betreiber rückt laut Aral-Manager Alexander Junge Profitabilität stärker in den Fokus als Marktanteil. Das Unternehmen mit bisherigem Fokus auf fossile Kraftstoffe verschob bereits das Ziel, mit dem Ladegeschäft Mitte des Jahrzehnts Geld zu verdienen, weil der Hochlauf der E-Mobilität langsamer verlief als erwartet.
Anbieter steigern die Auslastung mit mehr Komfort, höheren Ladeleistungen, Beleuchtung, Dächern, WCs oder Gastro-Angeboten. Zusätzlich binden sie Kunden über günstigere Abo-Tarife mit monatlicher Grundgebühr. Vorstand Junge berichtet, dass Aral mit einem im Februar eingeführten günstigeren Tarif die Auslastung spürbar gesteigert habe.
Der Wettbewerb ballt sich an guten Standorten. Die Zahl der HPC-Cluster mit drei Anbietern im Umkreis von 250 Metern stieg von 296 im Jahr 2022 auf 887 im Jahr 2025. Arne Meusel von Cirrantic sagt: „Es laufen derzeit zwei Wettbewerbe: Das Rennen um die besten Standorte und der Kampf um die Bindung der ‚neuen‘ Kunden.“ Junge von Aral erwartet eine weitere Marktbereinigung und verweist auf rund 1000 Ladeinfrastruktur-Betreiber.
Zugleich halten dynamische Preise Einzug, die je nach Region und Auslastung schwanken. „Mit dynamischen Preisen kommt auch der lokale Wettbewerb“, sagt Cerrantic-Manager Meusel. „Das wird den Wettbewerb weiter anheizen, insbesondere an Lade-Hubs mit mehreren Anbietern.“

Wolfgang Wagenstaller meint
Von einem Preiskampf habe ich noch nichts bemerkt. Ich muss bei jedem Ladevorgang recherchieren mit welcher Ladekarte oder App ich laden kann.
Der größte Unsinn sind Abos.