Der chinesische Elektroautobauer Nio plant trotz der stärkeren Fokussierung auf den heimischen Markt keinen Rückzug aus Europa. Konzernchef William Li trat laut der Automobilwoche entsprechenden Spekulationen bei einer Europareise entgegen und sieht langfristig weiterhin Potenzial in der Region. Die künftige Expansion soll stärker davon abhängen, ob Produkt, Marktchancen und Geschäftsmodell zusammenpassen.
„Wir glauben stark an das langfristige Wachstumspotenzial in Europa“, wird Li zitiert. Die Veränderungen bei Organisation, Standorten und operativen Strukturen sollen keinen Rückzug darstellen. Nio will seine europäische Präsenz stattdessen auf eine wirtschaftlich tragfähigere Basis stellen. Nach Ansicht von Li ist das Unternehmen heute stärker aufgestellt als zu Beginn der Europa-Expansion. Die europäischen Teams hätten in den vergangenen zwölf Monaten Produkte, Services und operative Abläufe weiterentwickelt.
Nio hält grundsätzlich an seiner internationalen Strategie fest und will sich weiterhin als globaler Hersteller von Elektroautos positionieren. Die nächsten Schritte in Europa sollen in einem Tempo erfolgen, das nachhaltiges Wachstum ermöglicht. Gleichzeitig bleiben die Absatzzahlen niedrig: In Deutschland wurden im Mai, Juni und Juli jeweils nur drei Fahrzeuge neu zugelassen.
Bereits im vergangenen Jahr begann Nio mit Veränderungen an seiner europäischen Organisation, Präsenz und operativen Struktur. Dabei sollen die unterschiedlichen Anforderungen der europäischen Märkte stärker berücksichtigt werden, während lokales Marktwissen und die operative Umsetzung vor Ort an Bedeutung gewinnen. Seit bereits zehn Jahren ist man mit einem Designzentrum in München vertreten. Das Unternehmen setzt weiter auf eigene Aktivitäten in ausgewählten Märkten sowie Kooperationen mit lokalen Vertriebspartnern. Künftig soll genauer geprüft werden, welches Produkt, welcher Markt und welches Investitionsmodell zusammenpassen.
Kunde bleibt im Fokus
Auch nach der Neuordnung will Nio seine Kunden in Europa weiter betreuen. Service, Garantie, Ersatzteilversorgung und vernetzte Dienste sollen entsprechend den zugesagten Auto-Lebenszyklen fortgeführt werden. Auch Services und Community rund um die Fahrzeuge sollen Bestandteil des Geschäftsmodells bleiben. Das Angebot soll stärker an die Anforderungen der jeweiligen europäischen Märkte angepasst werden.
Die preislich unter Nio positionierte Familienmarke Onvo soll ebenfalls außerhalb Chinas angeboten werden. Der ursprünglich für 2026 angekündigte Europa-Start wird nun für 2028 bis 2029 erwartet. Parallel prüft Nio weiterhin die Chancen für die Kernmarke und die im vergangenen Jahr eingeführte Kleinwagenmarke Firefly. Ob und wann weitere Modelle oder Marken nach Europa kommen, soll stärker von den jeweiligen Marktanforderungen abhängen.
Europäische Nutzer, Partner und lokale Teams sollen künftig früher und systematischer in die Entwicklung von Fahrzeugen und Geschäftsmodellen einbezogen werden. Erfahrungen aus der ersten Europa-Phase sollen in die internationale Produkt-, Vertriebs- und Kanalstrategie einfließen. Nio will seine Entwicklung damit stärker an den Anforderungen der einzelnen Märkte ausrichten.

da_hierzi_mobil meint
Wenn der Firefly 10.000€ weniger kosten würde, hätten sie solide Verkaufszahlen.
Future meint
Ohne Zölle wären billigere Autos möglich. Aber so müssen die Menschen eben auch noch die Zölle bezahlen. Irgendwann wird man das den Leuten erklären müssen, warum das importierte Auto in Deutschland so teuer ist, obwohl der importierte Fernseher so billig ist. Die Berater von Bruegel haben dazu gerade eine interessante Studie veröffentlicht.
M. meint
„man wird es den Leuten erklären müssen“
Oder man muss den Leuten erklären, warum ihr Arbeitsplatz jetzt weg ist und das ALG gekürzt wird, damit es für alle reicht.
Darauf haben unsere China-Influenzer aber auch keine Antwort.
Aber Zölle auf Fernseher aus China…. interessante Idee. Sollte man im Hinterkopf behalten.
Future meint
Was haben denn die Leute von Grundig damals gesagt, als alle Leute lieber einen Fernseher aus Asien kaufen wollten?
Fehlentscheidungen des Managements aus der Vergangenheit müssen immer die Arbeiter ausbaden. Das ist was normales. Man muss den Strukturwandel auch als Chance sehen. Die Automobilproduktion wird weniger im Land. Das lässt sich nicht aufhalten. Neben VW denkt ja auch Mercedes über Werksschließungen nach.
eBikerin meint
Tja was der liebe Future nicht weiss: auf einen Fernseher aus China kommen 14% Importzoll + natürlich 19% Einfuhrumsatzsteuer.
Der Fernseher aus China ist so billig weil der in China noch viel viel billiger hergestellt wird.
Oder man muss den Leuten erklären, warum ihr Arbeitsplatz jetzt weg ist und das ALG gekürzt wird, damit es für alle reicht.
Ach ist nicht so schlimm – die Leute können dann ja bei Aldi, Rewe usw an der Kasse arbeiten. Oh moment die werden ja auch abgebaut. Egal – irgend einen anderen schlecht bezahlten Job werden die Leute schon finden. Und dass das dann Auswirkungen auf andere Bereiche hat – ja das wird er nicht verstehen. Er erklärt dann lieber dass die Automotivbranche ja nur 5% der Wertschöpfung erwirtschaftet – kann also weg.
Man könnte fast meinen im Hamburger Grünenviertel denkt man nur bis zum Randstein.
M. meint
Das mit Hamburg halte ich sowieso nur für eine Finte. Das könnte genauso gut die Nachtschicht aus Shanghai sein.
Die Grundigleute fanden das damals sicher nicht toll, soviel kann man sagen. Das wsren 16.000 Mitarbeiter.
Die PV-Leute fanden es auch nicht toll, als sie es nicht mehr gegen die China-Subventionen geschafft haben (und keine Unterstützung in Deutschland bekommen hatten). Das waren 130.000 Mitarbeiter.
Damit könnte man jetzt weitermachen, weil – wenn man ganz, ganz konsequent ist:
Es gibt NICHTS, was ein Unternehmen, das 5 € Stundenlohn zahlt, nicht billiger herstellen kann als eins, das 30 € Stundenlohn bezahlt. Energiekosten, ähnlich. So gesehen müsste man ALLES nach China outsourcen. Dann machen wir einfach nichts mehr, und lassen uns vom Staat bezahlen. Die Chinesen werden uns ihr Zeug sicher auch gerne schenken, wenn wir kein Geld mehr haben, oder?
MainTower meint
Future geht davon aus, das der deutschen Automobilindustrie, allen voran natürlich VW, das Schicksal von Grundig ereilt.
Future meint
@eBikerin: Wieso ist man in Deutschland nur so pessimistisch? Es gibt so viele Branchen, die so viel wichtiger sind als die Autoindustrie. Wieso klammert man sich an die »gute alte Zeit« und schaut nicht nach vorn? Pharma, Rüstung, Maschinenbau, IT etc. – für Wachstum, Wertschöpfung und Wohlstand gibt es so viele Möglichkeiten. Die Autoproduktion ist nicht mehr profitabel in Deutschland mit der Elektromobilität. Aus diesem Grund wurde Elektromobilität doch auch so lange verzögert in Deutschland. Aber jetzt ist die Dynamik bei der Elektromobilität enorm, weil Putin, Trump und Xi dafür gesorgt haben, nicht immer freiwillig, aber so kann es eben kommen.
MainTower meint
Richtig erkannt, es gibt viele wichtige Branchen in Deutschland.
Auf dieser Seite geht es aber nun mal um Autos und die Autoindustrie. Die scheint dir besonders wichtig zu sein, sonst wärst du nicht hier.
M. meint
In einem anderen Artikel hat „Future“ Wirtschaft auch als „Vernichtung“ bezeichnet, und das ist, um was es eigentlich geht.
Es geht NICHT darum, dass es keine Autos mehr geben soll. Aber China hätte gerne, dass die in China gebaut werden. So wie man es mit Fernsehern, Smartphone und Solarzellen gemacht hat: die Welt muss in China kaufen.
Wenn man nichts hat, um andere zu erpressen, wird man keine Weltmacht. Und China will DIE Weltmacht werden.
Und, so wenig diese Vernichtung nach den Fernsehern, den Smartphones oder den Solarzellen aufgehört hat, wird das nach den Autos aufhören. Das ist nicht mal ein Geheimnis: sobald ein Industriezweig als stark genug angesehen wird, wird die Subvention zurückgefahren. Aber sie wird nicht eingestellt, sie wechselt nur das Produkt. Ichnglaube, aktuell sind es Mikrochips und KI.
Da können wir dann irgendwann wieder lesen:
„Wieso klammert man sich an die »gute alte Zeit« und schaut nicht nach vorn? Für Wachstum, Wertschöpfung und Wohlstand gibt es so viele Möglichkeiten!“
M. meint
Die eigenen Autos verramschen, das haben chinesische Premiummarken nicht nötig.
Future meint
In China kosten doch viele Elektroautos nur die Hälfte. Das darf man nur keinem Europäer erzählen, sonst hätten die auch gerne so gute Preise.
Aber das hat halt mit der Konkurrenz und der Überproduktion in China zu tun und wird nicht ewig so schön bleiben.
MainTower meint
„Das darf man nur keinem Europäer erzählen, sonst hätten die auch gerne so gute Preise.“
Ziemlich arrogantes Statement von dir, du hälst “ die Europäer“ wirklich für so einfältig, oder wolltest du einfach mal wieder einen drolligen Kommentar loswerden weil bei dir in Qingdao grad nix los ist wegen der Überproduktion?
Future meint
Man muss auch mal die Perspektive wechseln. Käufer haben eben andere Interessen, als es Hersteller und deren Arbeiter haben. Falls das für die Automobilbranche zu emotional erscheint, dann kann man das mit anderen exemplarischen Branchen probieren: Wer kauft heute noch einen Fernseher oder einen Pullover aus deutscher Produktion? Deutschland muss sich also auf hochpreisige, anspruchsvolle und international wettbewerbsfähige Produkte konzentrieren in der Industrie. Bei den Verbrennern hat das früher gut geklappt. Bei den Elektroautos klappt das weniger gut aus vielfältigen Gründen – dazu gehören auch viele arrogante Fehlentscheidungen der Vorstände aus den letzten 15 Jahren,
M. meint
In China verdient man auch nur 1/6 bis 1/5.
So billig ist das in China daher nicht.
Und weil das so ist, verkauft man lieber außerhalb. Da ist es mehr zu holen als bei den geknechteten Wanderarbeitern.
MainTower meint
Mit 15.000€ Jahresgehalt gehört man in China schon zur Mittelschicht. Ich bin mir sicher, dafür würde Future morgens nicht aufstehen.
M. meint
Kommt drauf an, ob er hier oder in Shanghai aufsteht. Zweifel an der Story werden mit ein paar Hamburg- Schwankerl ja nicht aufgehoben.
MainTower meint
Hamburg wird schon stimmen, er ist halt ein großer China Fan.
Ist ja nicht verboten. Ich zb.bin ein großer Fan der Schwäbischen Alb :-)
M. meint
Ok, es gibt ja durchaus auch Chinesen in Hamburg.