Die europäische Automobilindustrie sieht sich einem wachsenden Druck durch chinesische Hersteller ausgesetzt. Laut der Unternehmensberatung AlixPartners exportieren chinesische Autobauer aktuell mit besonders hoher Dynamik Fahrzeuge nach Europa. Grund dafür ist eine Überkapazität in ihrem Land, da der dortige Markt nicht ausreicht, um die vorhandenen Produktionsmengen zu bewältigen.
Nach Daten des Branchenverbandes CPCA wurden von Januar bis August 17,2 Millionen Autos in China produziert, während nur 11,8 Millionen Fahrzeuge im Inland verkauft wurden. In diesem Zeitraum wurden 6,1 Millionen Autos exportiert, wobei die Anteile nach Europa steigen.
Alexander Timmer von AlixPartners sagt im Gespräch mit Auto Motor und Sport: „Europa wird zunehmend zum Ventil für chinesische Überkapazitäten.“ Für das laufende Jahr rechnet er mit 2,3 Millionen chinesischen Importen nach Europa, während für 2025 ein Wert von 1,9 Millionen prognostiziert wird. Der Marktanteil chinesischer Autos soll dabei auf zwölf Prozent steigen.
Ein wesentlicher Faktor im Wettbewerb sind die Produktionskosten. Ein chinesisches Elektroauto kostet in der Herstellung laut dem Experten 20.200 Dollar (ca. 17.800 Euro), während ein europäisch produziertes Modell 31.000 Dollar (27.300 Euro) erfordert. Timmer zufolge ermöglicht dieser Kostenvorteil von 10.800 Dollar (9500 Euro) pro Fahrzeug die Abdeckung eines Zolls von bis zu 35 Prozent bei gleichzeitiger Erzielung von Gewinnen.
Während Märkte wie die USA oder Südamerika durch hohe Zölle begrenzt sind, bleibt Europa als Zielmarkt offen. Dies gilt insbesondere für Plug-in-Hybride, auf die anders als bei reinen Stromern von der EU keine zusätzlichen Zölle erhoben werden. Zudem stehen staatliche Kaufprämien etwa in Deutschland auch für Autos von Herstellern der Volksrepublik zur Verfügung.
„Europa nimmt ein Viertel der chinesischen Fahrzeugexporte auf. Nicht weil Europa attraktiv wäre, sondern weil die USA, Mexiko und Brasilien zu sind. Europa ist das letzte offene Ventil“, erklärt Timmer. China exportiert dabei nicht nur reine Elektrofahrzeuge, sondern laut AlixPartners mehrheitlich Verbrenner (47 %). Elektroautos kommen auf einen Anteil von 31 %, gefolgt von Plug-in-Hybriden (15 %) und Hybriden (7 %).

Ihre Meinung