In der Diskussion über eine mögliche Kaufförderung für gebrauchte Elektroautos rät Agora Verkehrswende zur Vorsicht. Wie eine aktuelle Analyse der Denkfabrik zeigt, sind die Wirkungen subventionierter Preise auf den Gebrauchtwagenmarkt schwer steuerbar. Wahrscheinlich würde eine Kaufförderung für gebrauchte E-Pkw wegen erhöhter Nachfrage und Mitnahmeeffekten zu steigenden Preisen führen. Besser geeignet als politisches Instrument wäre ein Ladeguthaben, das gezielt an Haushalte mit geringerem Einkommen und ohne private Lademöglichkeit ausgegeben wird.
„Eine Kaufförderung für gebrauchte E-Pkw könnte den Markt ungünstig verzerren“, sagt Dr. Wiebke Zimmer, stellvertretende Geschäftsführerin von Agora Verkehrswende. „Das Angebot ist ohnehin knapp und die Nachfrage hat in den letzten Monaten stark zugenommen. Die Preise für gebrauchte E-Pkw werden auf absehbare Zeit eher hoch sein. Umso wichtiger ist es, die Bezahlbarkeit gerade für Haushalte mit geringerem Einkommen zu verbessern. Mit einem Ladeguthaben könnte die Bundesregierung die richtigen Zielgruppen effizienter und genauer erreichen.“
In der Analyse zeigt Agora, wie der Gebrauchtwagenmarkt für E-Pkw funktioniert, welche Faktoren das Kaufinteresse beeinflussen und welche Optionen der Politik zur Verfügung stehen. Der Preis für gebrauchte E-Pkw habe ambivalente Wirkungen: Niedrige Preise seien zwar attraktiv für Käufer, stünden aber gleichzeitig für einen stärkeren Wertverlust bei Neufahrzeugen. Instabile Restwerte für E-Pkw würden das Vertrauen im Markt schwächen und insbesondere bei Neuwagen zu Kaufzurückhaltung führen. Damit mehr gebrauchte E-Pkw auf den Markt kommen, müsse aber auch der Absatz an Neuwagen weiter zunehmen.
Hohes Interesse, aber auch hoher Informationsbedarf
Gebrauchtwagen werden, anders als Neuwagen, vor allem von Privatpersonen gekauft. Das Interesse übersteigt das Angebot bei Weitem. Im August 2026 lag der Marktanteil von E-Pkw am Gebrauchtwagenmarkt bei 5,3 Prozent (absolut: 26.769 Besitzumschreibungen); im Vorjahresmonat waren es 3,9 Prozent. Am größten ist der Zuspruch in den oberen Einkommensgruppen, aber auch in Haushalten mit einem monatlichen Netto-Einkommen unter 2000 Euro können sich rund 37 Prozent der Kaufinteressierten vorstellen, einen vollelektrischen Gebrauchtwagen zu erwerben. Das zeigt eine repräsentative Umfrage, die bereits im August 2025 durchgeführt wurde, also vor der aktuellen Energiepreiskrise.
Marion Vieweg, Projektleiterin bei Agora Verkehrswende, betont mit Verweis auf weitere Ergebnisse der Umfrage, dass trotz des wachsenden Interesses noch viel getan werden könne, um Vorbehalte und Unsicherheiten gegenüber Elektromobilität abzubauen, auch in den aufgeschlossenen Käufergruppen: „Die Technologie entwickelt sich schnell. Verbreitete Zweifel an der Alltagstauglichkeit oder Wirtschaftlichkeit von Elektrofahrzeugen sind oft unbegründet. Daher ist es wichtig, Informations- und Testangebote zur Elektromobilität auszubauen.“
Um das Vertrauen in gebrauchte E-Pkw zu stärken, empfiehlt die Denkfabrik außerdem, die Entwicklung eines internationalen Standards zur Bewertung der Batteriequalität schnell voranzubringen. Verbraucher sollten die Prüfergebnisse anbieterunabhängig vergleichen können. Für Haushalte mit geringerem Einkommen sei es schließlich auch notwendig, den Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur an Mehrfamilienhäusern zu erleichtern.
Eine Belastung für den Markt sieht Agora Verkehrswende darin, dass eine beträchtliche Zahl an gebrauchten Elektro-Pkw aus Deutschland exportiert wird. Allein im ersten Halbjahr 2026 seien es 33.700 Fahrzeuge gewesen, während lediglich 4700 im gleichen Zeitraum importiert wurden. Die Exporte gingen vor allem nach Dänemark, die Niederlande, Finnland und Belgien, weil Verbrennerfahrzeuge dort mit hohen Steuern belegt sind.

MichaelEV meint
Ach was, welch Überraschung…
Ist eigentlich auch unabhängig davon, wie es gerade um die „Nachfrage“ steht: Die Fahrzeuge sind produziert (die Wahlmöglichkeit gar nicht anzubieten liegt Jahre in der Vergangenheit), die Lagerung kostet, bindet Kapital und führt in der Regel (mit wenigen Ausnahmen) nur zu sinkenden Preisen => es wird sich in überschaubarem Zeitrahmen ein Preis finden, zu dem „Nachfrage“ da ist!
Und während man bei Exoten (bzw. generell Gebrauchte mit geringen Stückzahlen am Gebrauchtwagenmarkt) geneigt sein könnte auf den passenden Deckel für den Topf zu warten, liegt hier das exakte Gegenteil vor: Es kommen Leasingrückläufer in großen Stückzahlen auf den Gebrauchtwagenmarkt, also viel Auswahl und Konkurrenz. Und der Rücklauf aus dem Leasing nimmt zu, es gibt also keine Zeit zu verschwenden.
Wer weiterhin Förderung für Gebrauchte fordert, sollte sich mal ehrlich machen und direkt den Scheck an Autohersteller/-handel fordern. Nur darum geht es!