Die steigende Nachfrage nach Elektroautos erhöht den Kostendruck bei Volkswagen. Besonders in Deutschland hat sich die Nachfrage nach rein batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) aufgrund hoher Kraftstoffpreise und staatlicher Förderung deutlich beschleunigt. Gleichzeitig geht die Transformation zur Elektromobilität zulasten des Absatzvolumens und vor allem des Ergebnisbeitrags der ertragsstärkeren Verbrennermodelle.
David Powels, Finanzchef der Marke Volkswagen und der Markengruppe Core, verweist auf die unterschiedlichen Margen: „Unsere Elektrofahrzeuge sind attraktiv und die Nachfrage steigt deutlich. Gleichzeitig erreichen sie noch nicht die Margen unserer Verbrenner-Modelle – der wachsende BEV-Anteil erhöht damit aktuell nochmals den Kostendruck.“ Volkswagen arbeite deshalb an Produktkosten, Skaleneffekten und einer wettbewerbsfähigen Kostenbasis, um auch bei Elektromodellen die notwendige Profitabilität zu erreichen.
Die Markengruppe Core (VW Pkw, Skoda, Seat/Cupra, VW Nutzfahrzeuge) schloss die ersten neun Monate 2026 mit einem operativen Ergebnis von 4,33 Milliarden Euro ab, nach 4,72 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Die operative Umsatzrendite sank von 4,4 auf 4,1 Prozent, während der Absatz mit 3,75 Millionen Fahrzeugen und der Umsatz mit 106,42 Milliarden Euro nahezu auf Vorjahresniveau blieben. Neben zunehmendem Wettbewerbsdruck, höheren Aufwendungen für Verkaufshilfen und negativen Mixeffekten belasteten insbesondere Restrukturierungsaufwendungen, der angestrebte Verkauf der Volkswagen Osnabrück GmbH und die Einstellung der ID.4-Produktion in Chattanooga das Ergebnis.
Besonders betroffen war die Marke VW Pkw, deren operative Umsatzrendite auf 1,3 Prozent zurückging und ohne die genannten Sondereffekte bei 2,6 Prozent gelegen hätte. Der Absatz sank in den ersten neun Monaten um 1,7 Prozent auf 2,24 Millionen Fahrzeuge ohne China, aber einschließlich Fremdfertigung, während das operative Ergebnis von 1,476 Milliarden auf 813 Millionen Euro zurückging. In Deutschland traf die hohe Nachfrage nach Elektrofahrzeugen auf eine noch begrenzte Verfügbarkeit, während gleichzeitig das Volumen ertragsstarker Verbrennermodelle sank.
Zur Verbesserung der Kostenbasis verstärkt die Markengruppe Core ihre markenübergreifende Zusammenarbeit und setzt spezialisierte Task-Forces ein, die den Fahrzeugmix zwischen Verbrennern und Elektromodellen optimieren und Produktkosten senken sollen. Bei VW werden zudem die Entwicklungsleistungen für den künftigen elektrischen ID. Golf vorübergehend pausiert, bis sich die notwendigen Investitionen „sicher abbilden“ lassen. Gleichzeitig setzt die Markengruppe bei Elektroautos auf den neuen ID. Tiguan und die Batterie-Kleinwagen der Electric Urban Car Family: Für ID. Polo, ID. Cross, Škoda Epiq und Cupra Raval gingen laut dem Hersteller kurz nach ihrer Einführung bereits 150.000 Bestellungen ein, während die gemeinsam entwickelten Modelle über ihren gesamten Produktlebenszyklus ein Synergiepotenzial von rund 600 Millionen Euro erschließen sollen.
Auch bei Seat & Cupra steht die Rentabilität batterieelektrischer Fahrzeuge im Mittelpunkt. Das spanische Unternehmen erzielte in den ersten neun Monaten 2026 ein operatives Ergebnis von sechs Millionen Euro nach 16 Millionen Euro im Vorjahr und sieht angesichts der zunehmenden Elektrifizierung wichtiger europäischer Märkte die Notwendigkeit, die Margen seiner Elektromodelle zu verbessern. Als Reaktion auf die Herausforderungen verschärft Seat & Cupra die Kostenkontrolle und will geplante künftige Investitionen kritisch neu priorisieren.
Bei den weiteren Marken entwickelte sich die Elektromobilität unterschiedlich. VW Nutzfahrzeuge steigerte die Auslieferungen vollelektrischer Modelle in den ersten neun Monaten um 23,4 Prozent und verbesserte seine operative Umsatzrendite von 1,8 auf 3,8 Prozent. Škoda verzeichnete bei vollelektrischen Fahrzeugen ein Auslieferungsplus von 41,3 Prozent, erreichte eine operative Rendite von 8,3 Prozent und stellte mit dem Kompakt-SUV Elroq das meistverkaufte Elektroauto des Volkswagen-Konzerns.
