Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) sieht deutliche Kostenvorteile beim Einsatz elektrischer Transporter und eine schneller als erwartet verlaufende Elektrifizierung. Elektrische Nutzfahrzeuge führen im Betrieb heute „für die Hälfte“, erklärte VWN-Vorstandschef Stefan Mecha laut dem Portal Elektroauto-News.Net beim Netzwerkabend des E4 Testival. Entscheidend seien die Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership). Batterie- und Strompreise hätten sich im Verhältnis zu den Spritpreisen so entwickelt, dass dies die Elektrifizierung weiter vorantreiben werde.
Rund 30 Prozent der verkauften VWN-Fahrzeuge sind laut dem Manager bereits elektrifiziert, während batterieelektrische Transporter in Norwegen und den Niederlanden einen Anteil von 70 bis 80 Prozent an den Neuzulassungen erreichen. Noch vor einem Jahr hatte Mecha mit einem längeren Übergang gerechnet. Bei sehr großen Nutzfahrzeugen und bestimmten Einsatzzwecken, etwa beim Crafter, geht er allerdings weiterhin von einer längeren Übergangsphase aus.
Auch beim autonomen Fahren spielt die Wirtschaftlichkeit elektrischer Antriebe eine zentrale Rolle. Christian Senger, bei VWN für autonomes Fahren verantwortlich und zugleich CEO von ADMT und Moia, verwies auf geringere Ausfallrisiken elektrischer Antriebe und erwartete Laufleistungen von 500.000 Kilometern und mehr bei hoher Verfügbarkeit. Vollautonome Mobilität könnte dadurch günstiger werden als ein eigenes Auto und in der nächsten Dekade auch klassische Fahrdienste preislich unterbieten. Das in Hamburg mit dem ID. Buzz AD angebotene Ridepooling finde bereits hohe Akzeptanz, sei mit menschlichen Fahrern jedoch nicht wirtschaftlich zu betreiben.
Für den europäischen Markt nennt Senger Technologie, Geschäftsmodell und gesellschaftliche Akzeptanz als zentrale Aufgaben. Besonders wichtig seien Sicherheitsnachweise für jede Software- und Hardwareversion, um mindestens die Fahrleistung eines Menschen nachzuweisen, sowie die Klärung von Datenschutzfragen und der Zuständigkeit für Leitstellen zur Fernunterstützung. Zugleich erwartet Senger einen grundlegenden Rollenwechsel der Hersteller: „Der Automobilhersteller im klassischen Sinne wird zum Zulieferer des digitalen Chauffeursystems.“ Professor Dr. Schuh warnte ergänzend, dass eine steigende Fahrzeugauslastung von derzeit vier auf 20 bis 25 Prozent das klassische Geschäftsmodell der Autobauer ins Wanken bringen könnte.
VWN-Vorstandschef Mecha sieht deshalb die Notwendigkeit, das eigene Geschäftsmodell umzubauen und gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. China und die USA seien beim autonomen Fahren weiter als Europa, wo die Entwicklung nach seiner Einschätzung durch Zersplitterung geprägt sei. Die langjährige Präsenz in China betrachtet VWN zudem als Vorlage für den Wettbewerb mit chinesischen Herstellern, die zunehmend in den Export drängen. Mecha betonte, dass sich die Herausforderungen nicht durch Verbote und Regulierung lösen ließen.
Für die Zukunft erwartet Mecha sowohl autonome Fahrfunktionen nach Level 4 in Privat- und Firmenwagen als auch Ridepooling als eigenständigen Marktbereich. Voraussetzung für den Einsatz entsprechender Funktionen in Privat- und Firmenwagen seien sinkende Technologiekosten, während der Individualverkehr in Europa weiterhin entscheidend bleibe. Senger verwies zudem darauf, dass künstliche Intelligenz durch autonomes Fahren physisch werde und die Automobilindustrie dabei ihre Stärken in Skalierung und Partnerschaften einbringen könne.

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