Zeekr, die junge Elektroauto-Marke aus dem chinesischen Geely-Konzern, verfolgt in Europa einen strategisch bedachten Kurs. Im Gespräch mit Elektroauto-News.net erklärt Lothar Schupet, CEO von Zeekr Europe, dass das Unternehmen nicht auf schnelle Expansion, sondern auf Substanz setzt.
„Wir sind ein junges Unternehmen mit der Power eines etablierten Konzerns – und mit einer europäischen Seele“, so Schupet. „Diese Kombination ermöglicht es uns, mutig neue Wege zu gehen, ohne dabei Stabilität und Verlässlichkeit aufs Spiel zu setzen.“
Zentrale Elemente der europäischen Strategie sind die Standorte Göteborg und Amsterdam. In Göteborg befinden sich das globale Design- und Technologiezentrum, in dem Design, Engineering und Softwareentwicklung verzahnt sind. Amsterdam ist für Marketing, Vertrieb und Service zuständig. „Teams aus mehr als 30 Nationen arbeiten bei uns in Europa für Europa“, so Schupet. „Das ist nicht nur ein Symbol, sondern gelebte Realität. Wir hören zu, wir adaptieren, wir entwickeln – und das alles mit einer europäischen Handschrift.“
Das Design der Fahrzeuge ist dabei kein Nebenthema. Schupet erklärt: „Wir möchten Autos bauen, die Kraft und Ruhe zugleich ausstrahlen, die reduziert, klar und modern wirken.“ Alle Modelle seien in Europa entworfen worden. Die Linienführung, die Proportionen und die Materialien seien gezielt auf europäische Sehgewohnheiten und Bedürfnisse abgestimmt. Dazu gehöre auch die Gestaltung der Innenräume.
Technologisch setzt Zeekr auf die modulare SEA-Plattform, eine auf Skalierbarkeit ausgelegte rein elektrische Architektur des Geely-Konzerns. Diese Plattform erlaubt eine flexible Umsetzung verschiedener Fahrzeugklassen, Batteriegrößen und Akkuchemien. „SEA ist nicht nur eine technische Basis, sondern ein digitales Produkt“, sagt Schupet. Dank Over-the-Air-Updates entwickelten sich Zeekr-Fahrzeuge im Alltag weiter, mit neuen Funktionen und Systemverbesserungen.
„Wir wollen, dass die Menschen unsere Autos mitgestalten“
Ein zentrales Element der Produktphilosophie ist die enge Einbindung der Nutzer. Über die „Builders“-App wird Feedback gesammelt und aktiv in die Produktentwicklung integriert. Co-Creation-Workshops ergänzen diesen Ansatz. „Wir wollen, dass die Menschen unsere Autos mitgestalten – nicht als Marketinggag, sondern als festen Bestandteil der Entwicklung“, betont Schupet. Ziel sei, dass jeder Zeekr mit der Zeit an Relevanz gewinnt.
Im Vertrieb setzt die Marke auf Flexibilität. Ob eigene Stores, Pop-ups oder Händlernetz – die jeweils passende Form wird vom gewünschten Kundenerlebnis aus gedacht. Besonders wichtig ist dem Unternehmen laut Schupet, Vertrauen aufzubauen – nicht durch niedrige Preise, sondern durch Qualität, Technik und Service. Dazu gehört ein Garantiepaket von bis zu zehn Jahren oder 200.000 Kilometern. „Dieses Versprechen unterstreicht, wie wichtig Europa für uns ist. Wir wollen zeigen, dass wir langfristig Verantwortung übernehmen“, so der Europachef.
Beim Markteintritt in neue Länder geht Zeekr behutsam vor. Für Deutschland gibt es zwar noch keinen konkreten Zeitplan, das Land ist aber fest in den Expansionsplänen verankert. „Wir wollen erst ein stabiles Fundament legen, bevor wir hier sichtbar werden“, erläutert Schupet. Ziel sei es, nachhaltige Präsenz aufzubauen, nicht schnelle Marktanteile zu gewinnen. Der Fokus liege auf langfristigem Vertrauen statt kurzfristigem Erfolg.
Von den bisher neun eingeführten Zeekr-Modellen sind vier in Norwegen, Schweden und den Niederlanden erhältlich. In Deutschland ist die Marke noch nicht mit einem Vertriebsnetz aktiv, Flottenkunden und Dienstwagenberechtigte können aber bereits drei Modelle ordern: den Shooting Brake 001, das Kompakt-SUV X und das große SUV 7X.
„Vorurteile verschwinden durch Leistung und Erfahrung“
Besondere Offenheit gegenüber neuen Marken erkennt Zeekr in eigenen Studien vor allem in Nordeuropa und der Schweiz. Dort wird chinesischen Premium-Elektroautos demnach zunehmend zugetraut, mit westlichen Marken mitzuhalten. „Vorurteile verschwinden nicht durch Worte, sondern durch Leistung und Erfahrung“, so Schupet. „Deshalb setzen wir auf Transparenz, Qualität und direkte Begegnung mit unseren Autos.“
Auch zur Handelspolitik äußert sich Schupet. Strafzölle auf in China gebaute Elektroautos, wie sie in Europa einführt wurden, hält er für den falschen Weg. „Zölle sind nicht konstruktiv“, sagt er. Sie schadeten den Beziehungen zwischen der EU und China, Lieferketten und vor allem den Kunden. Zeekr bekenne sich klar zu fairem Wettbewerb und offenem Handel – im Einklang mit allen geltenden Regeln.
Ein weiterer Schritt zur langfristigen Verankerung in Europa könnte die teilweise Verlagerung der Produktion sein. „Lokalisierung ist für uns ein wichtiges Thema“, erklärt Schupet. Europa soll nicht nur Absatzmarkt, sondern ein aktiver Teil der Wertschöpfungskette werden. „Es geht nicht um schnelle Schlagzeilen, sondern darum, Europa in unsere Wertschöpfung einzubinden.“

Couch Kartoffel meint
Geely hat sich in Europa mit der Vielfalt an eigenen Marken verzettelt und diese kanibalisieren sich selbst. Von Lotus über Polestar, Volvo bis Zeekr..
Future meint
Zeekr ist doch noch gar nicht gestartet in Deutschland. Mehr als einen Newsletter kann man sich nicht bestellen. Allerdings traue ich Zeekr sehr viel zu – auch in Deutschland, wenn sie den Markteintritt richtig gut vorbereiten.