Nach der Rettung durch ein Investorenkonsortium und dem Abschluss zentraler Restrukturierungsmaßnahmen stellt sich der deutsche Batteriehersteller CustomCells neu auf. Künftig stehen nicht mehr elektrische Fahr- und Flugzeuge im Mittelpunkt, sondern Anwendungen für den Verteidigungssektor sowie den Motorsport.
Mit Benno Leuthner als CEO und Jan Diekmann als CTO haben die neuen Geschäftsführer offiziell ihre Arbeit aufgenommen. Nach Abschluss der im Frühjahr 2025 angemeldeten Insolvenz will das Unternehmen nun „mit einer deutlich geschärften strategischen Ausrichtung“ neu starten, berichtet das Portal Electrive.
Der Fokus liegt demnach auf Speziallösungen für den Verteidigungssektor sowie auf High-Performance-Batterien für den Motorsport. Konkret nennt CustomCells Einsätze in der Formel 1 und in der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC mit Hybridfahrzeugen der Hypercar-Klasse. Die Hinwendung zum Rüstungsbereich hatte sich bereits im Sommer abgezeichnet, als im Zuge der Investorensuche erstmals von einer strategischen Neuausrichtung die Rede war.
Seit der Gründung im Jahr 2012 setzte CustomCells auf kundenspezifische Batteriezellen statt auf Massenfertigung. Über das Joint Venture Cellforce mit Porsche hatte das Unternehmen auch den Bereich von Hochleistungs-Elektroautos im Visier. Der größte Kunde war jedoch das Flugtaxi-Startup Lilium, dessen Zahlungsunfähigkeit CustomCells in finanzielle Schwierigkeiten brachte.
Am Anspruch auf maßgeschneiderte Lösungen hält auch die neue Unternehmensstruktur fest. „Unsere Stärke liegt in Speziallösungen. Wir entwickeln Batteriezellen, die exakt zu den Einsatzbedingungen unserer Kunden passen“, erklärt Chief Product Officer Andreas Löhrke. Dieses Kerngeschäft solle mit stärkerem Fokus, höherer Geschwindigkeit und „einer deutlich robusteren Organisation“ fortgeführt werden.
Nach Angaben des Unternehmens wächst die Nachfrage nach solchen Spezialanwendungen insbesondere im Verteidigungsbereich. CustomCells betont, bereits nach militärischen Standards zu fertigen und über eine weitgehend China-unabhängige Lieferkette zu verfügen. „Das unterstreicht die technologische Souveränität Europas, die in sicherheitskritischen Branchen zunehmend an Bedeutung gewinnt“, heißt es.
„Wir gehen mit einer klaren Prioritätensetzung, einer robusten Investorenbasis und einer agilen Organisation in den Neustart“, sagt Geschäftsführer Benno Leuthner. „Unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass wir weiterhin technologisch führende Lösungen entwickeln – aber schneller, fokussierter und konsequent an ihren individuellen Anforderungen orientiert.“

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