Die globale Nachfrage nach Materialien für Batteriezellen und -packs von Elektrofahrzeugen wird laut den Analysten von IDTechEX in den kommenden Jahren deutlich steigen. Sie wird demnach zwischen 2025 und 2036 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 11,8 Prozent zulegen und sich insgesamt mehr als verdreifachen. Hintergrund ist die zunehmende Elektrifizierung in den drei Kernmärkten Nordamerika, Europa und China. Bis 2036 dürfte der Gesamtbedarf an Zell- und Packmaterialien 22 Millionen Tonnen erreichen.
China bleibt beim Absatz von Elektrofahrzeugen Vorreiter. In den Jahren 2024 und 2025 entfielen dort mehr als 50 Prozent der Neuwagenverkäufe auf batterieelektrische Fahrzeuge oder Plug-in-Hybride. Europa und Nordamerika holen den Analysten zufolge im Prognosezeitraum auf, nicht zuletzt durch strengere Emissionsvorgaben und politische Steuerungsinstrumente. Gleichzeitig wird auch in anderen Weltregionen ein Wachstum erwartet, was den globalen Materialbedarf zusätzlich antreibt.
Regulierung und Lokalisierung der Lieferkette
Regulatorische Maßnahmen gelten als einer der wichtigsten Treiber für die Elektromobilität und damit für den Markt der Batteriematerialien. In China trugen Steuervergünstigungen und staatliche Subventionen maßgeblich zur schnellen Marktentwicklung bei. In Europa setzt die Politik vor allem auf schrittweise verschärfte CO₂-Vorgaben. Ursprünglich geplante weitergehende Regelungen, die faktisch ein Verbot von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ab 2035 bedeuten würden, werden aber wohl doch nicht kommen. Dies dürfte das Wachstum der Elektrofahrzeugverkäufe in der Region verlangsamen.
In den USA ermöglichte der Inflation Reduction Act (IRA) zeitweise Steuervergünstigungen von bis zu 7500 US-Dollar für neu gekaufte Elektrofahrzeuge, sofern sie in den USA genutzt wurden. Seit September 2025 gelten diese Anreize jedoch nicht mehr; Fahrzeuge, die danach erworben werden, sind nicht mehr förderfähig. Kurzfristig könnte dies die Verkäufe batterieelektrischer Fahrzeuge bremsen, während die langfristigen Auswirkungen noch unklar sind.
Geopolitische Spannungen verstärken zudem den Trend zur Lokalisierung von Lieferketten. In einigen Regionen wird verstärkt in den Ausbau lokaler Rohstoffgewinnung und -verarbeitung investiert. Dies dürfte laut den Marktexperten zu einer Diversifizierung der Zellchemien führen und auch weniger kostenwettbewerbsfähigen Technologien neue Marktchancen eröffnen.
Materialien für Batteriezellen
Den größten Anteil am Materialbedarf von Batteriepacks haben die Zellmaterialien. Sie machen mehr als 70 Prozent des gesamten Materialeinsatzes aus und werden voraussichtlich auch künftig dominieren. Die Nachfrage hängt stark von den Entwicklungen bei Anoden- und Kathodenchemien ab. IDTechEX erwartet eine allgemeine Verschiebung hin zu LFP (Lithium-Eisenphosphat) statt NMC (Nickel-Mangan-Kobalt), vor allem wegen geringerer Kosten pro Kilowattstunde (kWh). NMC bleibt insbesondere in leistungsstarken Anwendungen und im Luxussegment relevant, dürfte sich jedoch in Richtung höherer Nickelanteile verschieben – getrieben von Leistungsanforderungen, Energiedichte und steigenden Kobaltpreisen.
Auch auf der Anodenseite zeichnen sich Veränderungen ab: Der Siliziumanteil soll steigen, zudem wird gegen Ende des Prognosezeitraums mit der Kommerzialisierung von Anoden mit mittlerem (20–40 Gewichtsprozent) und hohem (80–90 Gewichtsprozent) Siliziumanteil gerechnet. Die Integration von Silizium erhöht die Energiedichte, wobei die Zyklenfestigkeit zu einem begrenzenden Faktor werden kann.
Rohstoffpreise bleiben ein Unsicherheitsfaktor. So führte der Anstieg der Lithiumpreise in den Jahren 2022 und 2023 infolge einer kurzfristigen Unterversorgung zu deutlich höheren Batteriepreisen. Auch Kobalt unterliegt starken Preisschwankungen, ein deutlicher Preissprung im Jahr 2025 könnte das kurzfristige Wachstum von NMC-Chemien begrenzen.
Stabiler entwickelten sich hingegen Märkte für Elektrolyte, Additive, Binder, Separatoren und Gehäusematerialien, so IDTechEX. Da sie weniger von kritischen Rohstoffen abhängig seien und von Fortschritten in der Fertigung profitierten, seien ihre Preise tendenziell stabil oder rückläufig. Für diese Segmente werde ein kontinuierliches Wachstum erwartet.
Materialien für Batteriepacks
Im Bereich der Batteriepacks entfällt der größte Materialanteil auf das Gehäuse. Zwar machen Packmaterialien insgesamt einen geringeren Anteil am Gesamtbedarf aus als Zellmaterialien, doch auch hier besteht der Analyse zufolge erhebliches Wachstumspotenzial. Neben den etablierten Werkstoffen Aluminium und Stahl gewinnen demnach Verbundmaterialien wie glasfaserverstärkte und kohlefaserverstärkte Polymere an Bedeutung. Ihr Vorteil liegt im geringeren Gewicht sowie in mechanischen und thermischen Isolationseigenschaften.

Jeff Healey meint
Nichts Neues, alles so weit schon länger bekannt. Was mich allerdings erstaunt, ist der Umstand, dass IDTechEX mit keinem Wort die Natrium-Ionen Batterien erwähnt.
CATL ist mit seiner Naxtra Zelltechnologie meines Erachtens nicht weniger als eine Disruption gelungen, mit 30-40% geringeren Kosten auf mittelfristige Sicht.
Lanzu meint
Die Analyse scheint lediglich darin zu bestehen Trends der letzten Jahre in die Zukunft zu schreiben. Das wirkt sehr oberflächlich.
volsor meint
Echt Lustig oder ist es Traurig das es Analysten von IDTechEX braucht um das Grundlegende in der Entwicklung von Bedarfen in diesem Bereich in Worte zu fassen.
Das es so kommen würde ist doch schon wenigstens 10 Jahre bekannt.
Powerwall Thorsten meint
Genau das Gleiche habe ich auch gedacht.
Viel Bla Bla – keinerlei neuer Erkenntnisgewinn.
Andi EE meint
Was wirklich wichtig wäre, ist dass in der Gesellschaft ein Umdenken stattfindet. Im Sprachgebrauch in Europa, insbesondere der Presse, beutet man die Erde aus, wenn man Lithium abbaut (Rohstoffe für Batterien). Aber die Kohle baut man ab, da ist das „ausbeuten“ schon lang aus dem Sprachgebrauch gewichen (machen wir selber in Europa, ergo gut).
Wir in Europa müssen uns endlich ehrlich machen und selber das abbauen, was möglich ist. Dieser Umweltschutz der hier propagiert wird, ist ja keiner. Wenn die anderen sich die Hände dreckig machen müssen, damit wir hier mit zugekauften Rohstoffen das grüne Produkt herstellen können, ist das einfach verlogen.
Das Abbauen der Rohstoffe gehört zur grünen Technologie dazu, ich muss die Umwelt belasten, damit ich sie besser machen kann. Das ist ganz normal und ist auch bei der Fossilen Industrie normal / ausgeblendete Realität.
Jeff Healey meint
Ja, ausgeblendete Realität.
Kohle, Öl, Gas, Lithium, Kobalt, Nickel, etc., wächst alles nicht auf den Bäumen. Viele denken nicht darüber nach. Vielleicht hält die Energiewende in der Hinsicht viele Chancen bereit, vom mehrmaligen Recycling von Batterie-Rohstoffen, bis zur Nutzung von Natrium Ionen Batterien: Alles ein deutlicher Fortschritt im Vergleich zum Fördern und Verbrennen von Fossilen Energieträgern.
banquo meint
Wurde bei der Analyse die Recyclingquote an Batteriematerialien mit berücksichtigt?