Michael Lohscheller steht seit anderthalb Jahren an der Spitze von Polestar, nachdem das Unternehmen zuvor Milliardenverluste angehäuft hatte. Insgesamt summierten sich die Verluste seit 2020 auf mehr als vier Milliarden. Der frühere Opel-Chef übernahm im Oktober 2024 die Führung von Gründungs-CEO Thomas Ingenlath.
Polestar wurde als Tochter von Volvo als eigenständige Marke aufgestellt und bietet nach dem Plug-in-Hybridmodell Polestar 1 ausschließlich Elektroautos an. Probleme entstanden unter anderem durch eine stockende Antriebswende sowie Verzögerungen bei Elektronik und Software. Diese Entwicklungen belasteten das Unternehmen in den vergangenen Jahren erheblich. Lohscheller will die Marke ohne Rückkehr zu Hybrid- oder Verbrennungstechnologien erfolgreich machen. Er setzt also weiter konsequent auf reine Elektromobilität.
In Europa konnte Polestar im Jahr 2025 ein Wachstum von 60 Prozent verzeichnen. Dieses Wachstum veranlasst Lohscheller, den Fokus 2026 besonders auf den europäischen Markt zu legen. Gleichzeitig soll die Modellpalette erweitert werden, um größere Teile des Marktes zu erreichen. Aktuell deckt das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 25 Prozent des Elektroautomarktes ab. Mit vier neuen Modellen innerhalb der nächsten drei Jahre, darunter ein Kompakt-SUV namens Polestar 7, soll dieser Anteil auf über 55 Prozent steigen. Dadurch sollen Absatz, Umsatz und Gewinn erhöht werden.
Erweiterung des Angebots im Fokus
Zur anfänglichen Modellstrategie erklärte Lohscheller laut Auto Motor und Sport: „Im Nachhinein ist es immer leicht zu sagen, was man hätte anders machen sollen.“ Er betonte zugleich, dass die bisherigen Schritte, insbesondere der Start mit hochpreisigen Fahrzeugen, eine Grundlage geschaffen hätten. Nun gehe es um die Erweiterung des Angebots.
Polestar positioniert sich laut Lohscheller im Premiumsegment und nicht als Luxusmarke. Ziel sei es, in großen Marktsegmenten präsent zu sein, dabei aber einen Premium-Anspruch in Preis und Wahrnehmung zu wahren. Ein Modell unterhalb des geplanten Polestar 7 sei dabei derzeit nicht vorgesehen.
Innerhalb des chinesischen Mutterkonzerns Geely sieht Lohscheller Polestar gut unterstützt. Der finanzielle Rückhalt zeige die Bedeutung des vom CEO als „europäische, skandinavische Marke“ beschriebenen Elektroautobauers. „Wenn wir das jetzt Schritt für Schritt entwickeln und sicherstellen, dass sich die Performance des Unternehmens nach und nach verbessert, profitieren am Ende alle“, glaubt Lohscheller.
Trotz der aktuellen politischen Einflüsse und Markttrends hält Polestar bei der Technologie an seiner Ausrichtung fest. Der Firmenchef betonte: „Wir werden keinen Hybrid für Europa machen.“ Die Konzentration auf bisher noch von vielen skeptisch gesehenen Elektroautos vereinfache Prozesse und reduziere Komplexität, während andere Hersteller weiterhin mehrere Antriebstechnologien parallel bedienen.
Die Entwicklung der Elektromobilität bewertet Lohscheller als unvermeidlich, auch wenn sie langsamer verläuft als ursprünglich erwartet. Polestar sehe darin eine Chance, sich durch klare Fokussierung zu differenzieren. Wachstum soll sowohl durch den expandierenden Gesamtmarkt als auch durch die Ausweitung der eigenen Segmentabdeckung entstehen.

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