Geely ist mit seiner Kernmarke in den deutschen Markt gestartet und formuliert dabei einen klaren Anspruch. Philipp Hempel, Executive Director Geely Auto Deutschland, sagte zum Start des chinesischen Autoherstellers in Deutschland der Automobilwoche: „Mittelfristig wollen wir zum stärksten chinesischen Importeur werden.“ In einem Zeitraum von etwa drei bis fünf Jahren will das Unternehmen seine Wettbewerber hinter sich lassen.
Dabei trifft Geely auf Konkurrenten mit deutlichem Vorsprung. Chinas Stromer-Riese BYD möchte bereits im laufenden Jahr die Marke von 50.000 Einheiten erreichen. Die einst britische, heute in chinesischem Besitz befindliche Marke MG hat für 2026 rund 33.000 Neuzulassungen im Blick.
Geely-Deutschland-Direktor Hempel bringt Erfahrung aus anderen Unternehmen mit. Bis Ende 2024 war er bei MG Deutschland tätig, zuletzt als Vice President Sales. Zuvor arbeitete er knapp sechs Jahre bei Tesla. Beim Aufbau von MG auf dem hiesigen Markt spielte er laut dem Bericht eine entscheidende Rolle, was ihm nun auch bei Geely zugutekommen soll.
Beim Vertriebsnetz setzt Geely auf schnellen Ausbau. Geplant sind mindestens 125 Standorte. In jeder Region mit mehr als 100.000 Einwohnern soll die Marke vertreten sein. Bis Ende des Jahres sollen die ersten 50 Vertriebs- und Servicestandorte stehen. „Jeder Vertriebsstandort muss auch Service bieten – da machen wir keine Experimente“, so Hempel.
Ein erster Schritt ist bereits erfolgt. Ende März eröffnete Kohl Automobile in Aachen den ersten Showroom. Das Autohaus führt Premiummarken wie BMW und Land Rover sowie Volumenmarken wie Opel und Leapmotor. Zur Gruppe gehören rund 450 Mitarbeiter, außerdem auch die Tuningschmiede AC Schnitzer.
Zu den Partnern zählt auch Müller Motors in Königswinter bei Bonn. Der Betrieb ist auf den Service der Geely-Konzernmarken Volvo, Polestar und Lynk & Co spezialisiert und verkauft nun zusätzlich die Kernmarke des Herstellers. Geschäftsführer Janos Gyergyoi plant für dieses Jahr rund 50 Neuwagen. Perspektivisch sieht er ein Volumen von 100 bis 150 Fahrzeugen jährlich und weiteres Potenzial nach oben. Die Investitionen beschreibt er als überschaubar und für den Betrieb mit zwölf Mitarbeitern gut darstellbar.
Zum Start bietet Geely in Deutschland zwei Modelle an. Der Plug-in-Hybrid Starray EM-i kostet ab 33.000 Euro, der vollelektrische E5 startet bei 38.000 Euro. Beide Stromer sind im Kompaktsegment positioniert. Sie kommen mit einem Garantiepaket über acht Jahre oder 200.000 Kilometer zu den Kunden, das das Fahrzeug einschließlich Antriebsbatterie umfasst.
Für den Start sieht Hempel gute Chancen. Er verweist auf die staatliche Förderung von Elektroautos und auf Steuervergünstigungen für E-Dienstwagen in Deutschland. Dazu kommen aus seiner Sicht preiswerte Fahrzeuge, die „genau in die Zeit“ passen.

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