Deutschlands Elektromobilität entwickelt sich laut den Analysten von Dataforce bis 2030 langsamer als lange erwartet. Nach einer Prognose der Marktspezialisten für die Automobilwoche werden dann nur knapp sechs Millionen rein batterieelektrische Autos (BEV) auf deutschen Straßen fahren. Eine Studie der bundeseigenen Now GmbH im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums vom April rechnet für 2030 mit rund acht Millionen BEV.
Beide Werte liegen deutlich unter früheren Erwartungen. Die Ampelregierung aus SPD, Grünen und FDP hatte sich 2021 das Ziel gesetzt, 15 Millionen Elektroautos bis 2030 zu erreichen. Auch offizielle Prognosen gingen bislang meist von mindestens zehn Millionen E-Autos im Bestand aus.
Im März lag der Anteil reiner Elektroautos an den Neuzulassungen in Deutschland bei 24 Prozent. Das war der höchste Wert seit mehr als zwei Jahren. Zugleich wird es noch viel Zeit dauern, bis der Bestand von knapp 50 Millionen Pkw in Deutschland elektrifiziert ist.
Benjamin Kibies, Senior-Analyst bei Dataforce, nennt dafür der Automobilwoche eine rechnerische Größenordnung: „Bei 50 Millionen Pkw und jährlich 2,8 Millionen Neuzulassungen dauert es rechnerisch 18 Jahre, um den Bestand einmal komplett zu erneuern.“ Er erwartet bis 2040 höchstens 18 Millionen Elektrofahrzeuge im Bestand. Das entspräche etwas mehr als einem Drittel aller Pkw in Deutschland.
Für den Strombedarf ergeben sich daraus spürbare Folgen. Die derzeit knapp 2,2 Millionen Elektroautos, also Pkw und leichte Nutzfahrzeuge mit Stand Ende 2025, verbrauchen nach Berechnungen von Dataforce etwa 5,4 Terawattstunden (TWh) Strom im Jahr. Für 2030 rechnet das Unternehmen mit rund 15 TWh. Grundlage sind 20 Kilowattstunden (kWh) je 100 Kilometer und eine jährliche Fahrleistung von 12.500 Kilometern pro Fahrzeug.
Auch die Bundesregierung beziffert den künftigen Stromverbrauch nur in einer breiten Spanne. Im Monitoringbericht des Bundeswirtschaftsministeriums zur Energiewende vom November 2025 heißt es: „In den untersuchten Szenarien steigt die Stromnachfrage an. Es besteht jedoch Unsicherheit im Niveau und der Geschwindigkeit.“ Für 2030 rechnet die Bundesregierung mit einem gesamten Strombedarf von 600 bis 700 TWh.
Unsicher bleibt neben der Zahl der Elektroautos auch, wie schnell Gebäude auf Wärmepumpen umgestellt werden und wie viel Strom neue Rechenzentren für künstliche Intelligenz benötigen. Die 15 TWh der Dataforce-Prognose entsprächen selbst am unteren Rand dieser Spanne 2,5 Prozent des deutschen Stromverbrauchs, berichtet die Automobilwoche.

Gunnar meint
6 Mio BEVs auf deutschen Straßen im Jahr 2030 (31.12.?) ist meiner Meinung nach sehr pessimistisch gerechnet.
Anfang 2026 waren es 2 Mio. BEVs.
2026: + 800T, 2027: +1Mio, 2028: +1,2Mio, 2029: +1,4Mio, 2030: +1,6 Mio. Macht insgesamt 8,2 Mio BEVs. Allerdings wird es auch ein paar Abmeldungen geben, diese Zahl wird sich aber im 6-stelligen Bereich bewegen, nicht im Millionenbereich.
Htr35 meint
Das entspricht auch meiner Prognose.
2030 sind wir bei 12% und 240 bei 33%. Mehr nicht. Möglich wäre viel viel mehr aber das wollen die Hersteller und Ölkonzerne nicht. (Regelung über künstlich hohe Anschaffungspreise).
Ich werde wohl noch weiter warten und ca 2030-2035 ein kleines Volumenmodel bestellen. Bis dahin fahre ich den besten und langlebigsten Bestand kostengünstig weiter.
David meint
15 Millionen verkannten die Realität. Dazu hätte man eine 50 % Quote BEV bereits im ersten Jahr sicherstellen müssen. Selbst heute noch und in einer aktuellen Krise für Verbrennerfahrzeuge ist die BEV-Quote mit 25% beeindruckend niedrig. D.h. zwar nicht, dass das Elektroauto nicht kommt. Aber das bedeutet, dass man bei uns irgendwann ab 2030 in Ballungsräumen oder gefährdeten Landschaften über Gerichtsurteile Einfahrverbote verhängen wird. Zum Glück ist man in Skandinavien weiter, und so wird es nicht mehr lange dauern, dass man dort mit seinem Fiat Ducato Diesel Wohnmobil nicht mehr anreisen darf. Und die nächsten sind Frankreich und Spanien. Erst dann dreht sich der Plot.