Volkswagen erwägt, einige seiner bislang nur für China vorgesehenen neuen Modelle auch in Europa zu bauen und zu verkaufen. Genannt wird dabei unter anderem die Limousine ID Unyx 09. Der Schritt steht im Zusammenhang mit dem Versuch, den laufenden Umbau zu beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Nach Vorlage der Quartalszahlen sagte Konzernchef Oliver Blume laut Autocar, Volkswagen habe bei der Transformation „spürbare Fortschritte“ gemacht. Er verwies aber zugleich auf zahlreiche globale Belastungen und betonte: „Wir müssen unseren Transformationsplan beschleunigen.“
Werksschließungen bezeichnete Blume als die „schlechteste und teuerste“ Option. Der Konzern prüft stattdessen, wie sich vorhandene Kapazitäten für andere Projekte nutzen lassen. Der erste Schwerpunkt liegt dabei auf Aufträgen aus der Verteidigungsindustrie.
Der CEO zeigte sich zudem offen dafür, in europäischen Werken chinesische Modelle zu bauen, entweder Volkswagen-Derivate oder Fahrzeuge von Joint-Venture-Partnern. Als zweiter Schritt komme auch in Betracht, europäischen Produktionsraum für chinesische Partner wie SAIC oder FAW bereitzustellen. Das nannte er eine mögliche „clevere Lösung“, um freie Kapazitäten zu verringern.
Export-Entscheidung steht noch aus
Volkswagen hat kürzlich die neue, nur für China vorgesehene Compact Main Platform (CMP) eingeführt. Sie wurde gemeinsam mit Partner XPeng entwickelt, verfügt über eine fortschrittliche elektrische Architektur und soll eine Reihe lokal entwickelter und lokal gebauter Elektroautos für den chinesischen Markt tragen.
Die ersten Modelle auf dieser Plattform wurden jüngst auf der Automesse in Peking vorgestellt. Dazu zählen der VW ID. Aura T6 SUV und die Limousine ID. Unyx 09 (Artikelbild). Blume deutete an, dass diese Fahrzeuge später auch in Märkte wie Südamerika, Asien, den Nahen Osten und Indien exportiert werden könnten.
Für eine Verlagerung der Plattform nach Deutschland sei es noch zu früh, sagte der Manager. Vorrang habe zunächst eine eigene Plattform. Für 2027 sei die CMP-Plattform in China geplant, diese Arbeit müsse zuerst abgeschlossen werden. Danach könne man über Optionen in Europa nachdenken und prüfen, welche Produkte dafür geeignet sind.
Volkswagen sammelt derzeit Rückmeldungen zum ersten neuen Produkt in China. Abhängig vom Erfolg dort soll laut Autocar entschieden werden, welche Modelle für Europa infrage kommen – insbesondere in Segmenten, in denen das aktuelle Europa-Portfolio des Konzerns nicht vertreten ist.
Der Ausbau von China-Plattformen gehört zu dem Versuch, die Position in der Region zu stärken. Im ersten Quartal 2026 gingen die Verkäufe in der Volksrepublik im Jahresvergleich um 20 Prozent zurück. Eine starke Präsenz in China könne auch den westlichen Aktivitäten des Konzerns bei „Innovation, Geschwindigkeit und Praktiken“ zugutekommen, sagte Blume. Das chinesische Ökosystem sei „eine Blaupause in Sachen Architektur“, auch für das Software-Joint-Venture im Westen mit dem US-Elektroauto-Start-up Rivian.

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