Der schnelle Anstieg der globalen Ölpreise infolge des Krieges im Nahen Osten fungiert als Weckruf für Autokäufer, die bisher gegenüber Elektroautos zurückhaltend waren. Dies erklärte Stella Li, Executive Vice-President des chinesischen Stromer-Riesens BYD, bei einer Konferenz der Financial Times.
Laut Li realisieren Menschen nun, dass Elektro- und Hybridautos Kosten sparen können. Da steigende Ölpreise das tägliche Leben belasten, kämen vermehrt Kunden in die Verkaufsräume, die zuvor kein Interesse an Elektroautos hatten.
Die Rohölpreise stiegen nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran im März stark und blieben seither volatil. Dieser Ölschock führte weltweit zu höheren Kraftstoffpreisen. Die steigenden Kosten an den Tankstellen kommen für BYD zu einem strategisch günstigen Zeitpunkt. BYD expandiert unter Druck eines Preiskampfs in China stark ins Ausland. Die Verkäufe in Europa steigen, was zunehmend Unternehmen der Volksrepublik anzieht. Die internationale Expansion des Herstellers wird von Li geleitet.
BYD strebt an, in diesem Jahr „ein globaler Hersteller“ zu werden. Neben einem Werk in Ungarn plant das Unternehmen den Bau von zwei weiteren Fabriken in Europa. Als weiterer Standort steht bereits die Türkei fest. Für die dritte Fabrik auf dem Kontinent ist laut Berichten Spanien der Favorit. Darüber hinaus könnten die Chinesen in Europa auch eine Batteriefabrik etablieren, das ist aber noch nicht bestätigt.
BYD verhandelt laut Lio derzeit mit Stellantis und weiteren europäischen Autoherstellern über die Übernahme nicht ausgelasteter Werke in Europa. Konkret gehe es um über mögliche Vereinbarungen für Werke in Ländern wie Italien. Längerfristig seien auch Länder wie Frankreich wegen niedriger Strompreise interessant. Man suche nach verfügbaren Werken in Europa, um freie Kapazitäten zu nutzen, erklärte die Managerin. BYD wolle diese Art von Reservekapazität nutzen. BYD würde Li zufolge mögliche Werke lieber selbst betreiben als über Gemeinschaftsunternehmen, das sei „einfacher“.
BYD prüft außerdem die Übernahme von Traditionsmarken in Europa, die Schwierigkeiten haben könnten. Marken wie die Stellantis-Tochter Maserati seien „sehr interessant“, so Li. Zugleich betonte sie, BYD prüfe weiter, habe aber keine Schritte unternommen.

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