Die Automobilindustrie durchläuft eine Krise, die insbesondere auch Entwicklungsdienstleister wie IAV, Bertrandt oder EDAG trifft. Bei der Ingenieurgesellschaft IAV hat sich die Situation massiv verschärft, berichtet die Automobilwoche. Nach einer bereits seit 2025 rückläufigen Auftragslage und Phasen von Kurzarbeit plant das Unternehmen demnach einen radikalen Stellenabbau in Berlin. Von ursprünglich 1250 Mitarbeitern am Standort sollen nur noch 300 bleiben.
Die Branche verzeichnet einen deutlichen Rückgang der Beschäftigtenzahlen. Nach Schätzungen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) sank die Zahl der Beschäftigten bei Ingenieursdienstleistern von bis zu 90.000 im Jahr 2019 auf aktuell zwischen 50.000 und 60.000 Personen in Deutschland. Mit dem Rückgang der Aufträge und schrumpfenden Umsätzen droht laut VDA-Geschäftsführer Andreas Rade ein Verlust von Kompetenz, Wertschöpfung und Arbeitsplätzen.
Ein wesentlicher Faktor für die Krise ist die Verlagerung von Entwicklungsleistungen. Hersteller entwickeln zunehmend direkt vor Ort für lokale Märkte wie China oder fordern aus Kostengründen den Einsatz von Ingenieuren in Niedriglohnländern. EDAG-Vorstandschef Harald Keller bestätigt, dass neben etablierten „Nearshore“-Standorten etwa in Polen und Ungarn gezielt in Indien investiert wird. Die Ferchau-Gruppe baut „Offshore Development Center“ auf, da klassische Aufgaben wie das Programmieren zunehmend verlagert werden.
Als Haupttreiber der Krise nennt EDAG-CEO Keller die Transformation der Automobilindustrie, die Marktschwäche sowie den hohen Kostendruck bei Herstellern und Zulieferern und den internationalen Wettbewerb. Zudem erschwerten regulatorische Vorgaben und das Arbeitsrecht in Deutschland die notwendige Flexibilität im Projektgeschäft.
Die Geschäftslage wird durch eine hohe Volatilität geprägt. Bernd Gilgen von Ferchau berichtet, dass Projekte kurzfristiger gesteuert werden und teilweise an Verkaufszahlen gekoppelt sind, was zu abrupten Projektabbrüchen führen kann. Um sich unabhängiger von der Automobilindustrie zu machen, suchen Unternehmen wie IAV, Ferchau, FEV und EDAG Wachstum in Branchen wie der Verteidigungsindustrie, der Energie-, Medizin- sowie der Luft- und Raumfahrtbranche.
Dieser Strukturwandel verändert auch das Anforderungsprofil an Ingenieure. Laut Ferchau-Manager Bernd Gilgen werden verstärkt interdisziplinäre Profile in Bereichen wie Softwareentwicklung, Künstliche Intelligenz, Datenanalyse und Cybersecurity benötigt. Gleichzeitig trifft die Krise den Nachwuchs. Christof Kerkhoff vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) sagt der Automobilwoche, dass Entwicklungsdienstleister kaum noch als Sprungbrett für Karrieren bei Autobauern dienen.

BEV meint
wer beim Dienstleister ist sollte sich schnell eine andere Branche suchen
Paule meint
Es ist bei strauchelnden Unternehmen immer das selbe: Der markt – also die anderen – sind schuld.
Doch wie bei Ryanair ist es nicht der Markt, sondern der Unternehmer, der die Entscheidungen trifft.
Direkter Mitbewerber als Automobil-Entwicklungsdienstleisterwäre z.B. Capgemini.
Der Capgemini-Geschäftsbericht 2025 (Universal Registration Document) weist einen Konzernumsatz von 22,465 Milliarden Euro aus. Das währungsbereinigte Wachstum lag bei 3,4 %. Der Nettogewinn (Konzernanteil) betrug 1,601 Milliarden Euro, während die operative Marge bei stabilen 13,3 % des Umsatzes lag.
„Haupttreiber der Krise nennt EDAG-CEO Keller die Transformation der Automobilindustrie“
Soso.
Capgemini begegnet dem Margen- und Kostendruck in der Automobilindustrie durch eine Neuausrichtung hin zu Software-Excellence, agiler Entwicklung und KI-gestützten Prozessen. Der Fokus verlagert sich von klassischem Engineering auf Smart Mobility, Effizienzsteigerung und Nearshore-/Offshore-Kombinationen.