Die zunehmende Verschlechterung des Straßenbelags etwa im Vereinigten Königreich führt zu einer Debatte über die Ursachen von Schlaglöchern. SUVs und Elektrofahrzeuge stehen dabei oft im Fokus der Kritik, da ihr Gewicht im Vergleich zu früheren Modellen gestiegen ist. Laut einem Bericht von Autocar wuchs das durchschnittliche Leergewicht neuer Autos in den letzten neun Jahren um fast 400 Kilogramm, von 1553 auf 1947 Kilogramm.
Diese Gewichtszunahme hat dazu geführt, dass einige Kommunen, darunter London und Cardiff, zusätzliche Parkgebühren für diese Fahrzeugtypen in Erwägung ziehen. Elizabeth Orchard, Direktorin der Infrastrukturberatung Endelevu, sieht E-Fahrzeuge als einen Faktor bei der Entstehung von Schlaglöchern. Da Straßen auf eine bestimmte Anzahl schwerer Fahrzeuge ausgelegt seien, erhöhe die zunehmende Masse den Verschleiß pro Fahrzeug und verkürze die Lebensdauer der Straße.
Ali Rahman, Assistenzprofessor an der University of Leeds, widerspricht einer einseitigen Schuldzuweisung. Er verweist gegenüber Autocar auf das sogenannte Gesetz der vierten Potenz, wonach Straßenschäden proportional zur Achslast steigen. Ein Verdoppeln der Achslast würde demnach eine etwa 16-fache Zunahme des Schadens bedeuten. Als Hauptursache für Straßenschäden identifiziert er jedoch schwere Nutzfahrzeuge, da seinen Worten nach ein einziger Lkw den gleichen Schaden wie „tausende Pkw-Fahrten“ verursachen kann.
Zusätzlich zu der Achslast spielen klimatische Bedingungen eine entscheidende Rolle. Das britische Klima begünstige durch wiederholte Frost-Tau-Zyklen die Bildung von Schlaglöchern, erklärt Orchard. Wenn Regenwasser in Risse eindringe und gefriere, dehne es sich aus und schwäche die Straßenschicht. Auch zunehmend heiße Temperaturen durch den Klimawandel schadeten dem Bitumen unter der Oberfläche.
Die Electric Vehicle Association England weist laut Autocar die Vorwürfe als Mythos zurück. Vicky Edmonds, CEO der Vereinigung, betont, dass Elektroautos weiterhin Pkw seien und keine schweren Lastwagen. Das Verkehrsaufkommen sei die eigentliche Ursache für die Zerstörung der Straßen. Zudem werde erwartet, dass E-Autos durch technologische Fortschritte bei Batterien künftig leichter werden.

Htr35 meint
Es geht darum wie man Steuern einnehmen kann :) und nicht darum ob es Scjäden durch Eautos gibt.
Die vielen Mrd aus der Spritsteuer müssen auf die Eautos umgelegt werden.
FahrradSchieber meint
Das wird natürlich in absehbarer Zeit kommen. Der Staat kann sich einen Einnahmeausfall in dieser Größenordnung gar nicht leisten.
Ich hatte das vor ein paar Jahren mal überschlagen und bin auf ca. 600 bis 800 Euro pro Fahrzeug pro Jahr gekommen, die im Schnitt eingenommen werden müssten.
Vermutlich ein Teil als fixe Steuer, ein Teil kilometerabhängig.
McGybrush meint
1,3t, 2t 3t und 40t
Alle Gewichte verursachen Schäden.
Ich glaube aber das eine Strasse die generell 40t aushält 3t nicht merkt.
Oder anders ausgedrückt.
Ich baue eine Brücke die ab 35t einstürzt.
Ich kann 50 Jahre mit 3t drüber fahren. Bzw 1Mrd mal.
Es reichen 10 vollbeladene 40t LKW und die Brücke stürzt ein.
Oder Bodybuilder trainiert sein Bauch. Sein 4 Jahre altes Kind kann 100x in seinen Bauch Boxen. Aber nur 10 Schläge eines anderen Bodybuilders machen Ihn KO.
Also ich glaube nicht das 3t vs 2t oder 1,5t das Problem sind wenn die Strasse generell 40t auf 10-20 Jahre aushalten können.
MK meint
@McGybrush:
Das Problem ist sowieso nicht das Gewicht alleine, sondern die dynamische Belastung…und da reichen auch wenige hundert Kilo, wenn sie mit einer bestimmten Geschwindigkeit eine Straße nutzen.
Hätten Sie recht, dann wäre die linke Spur auf einer achtspurigen Autobahn wie der A5 zwischen Frankfurt und Darmstadt ja niemals verschlissen. Aber tatsächlich war sie zuletzt genauso kaputt wie die rechten spuren und wurde in Abschnitten grade erst erneuert.
Matthias meint
Hier haben einige nicht mitgelesen oder mitgedacht: „Gesetz der vierten Potenz, wonach Straßenschäden proportional zur Achslast steigen. Ein Verdoppeln der Achslast würde demnach eine etwa 16-fache Zunahme des Schadens bedeuten.“
Wir haben bei Zweitonnen-PKW zwei Achsen die je 1 Tonne tragen müssen, bei LKW-Sattelzugmaschinen sind vorne 7 Tonnen und hinten je nach Zwillingsbereifung 11 bis 13 Tonnen möglich, dazu der Auflieger mit 3 Achsen und Einzelreifen ähnlich wie die Vorderachse. Wie auch immer verteilt, ein 40-Tonnen Sattelzug mit 5 Achsen hat rund 8 Tonnen pro Achse, jeder Brummi belastet und beschädigt die Straßen mit dem 8x8x8x8=4096-fachen, also 2×1 gegen 5×4096, 2 gegen 20000.
Ein vollbeladener Sattelzug belastet die Straße mit dem Zehn-Tausend-fachen eines schweren PKW, ein leerer nicht viel weniger. Insgesamt kann man locker davon ausgehen dass ein LKW mehr anrichtet als 1000 schwere SUV. Und hier wird über PKW diskutiert?
Batterieelektrische Nutzfahrzeuge dürfen übrigens noch schwerer sein als Verbrenner, dürfen noch mehr anrichten. Konkrete Schlaglöcher für dubiose Weltklimarettung.
ErichW meint
Straßenschäden wegen SUV´s und BEV´s. Das klingt nach „Versteckter Kamera“ oder irgendeinem Satiremagazin. Elizabeth Orchard sollte vielleicht noch einmal die Schulbank drücken. Ali Rahman, Assistenzprofessor an der University of Leeds, hat die richtige Antwort schon gegeben. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Lukas Weishaupt meint
Um vielleicht den Effekt des Vierte-Potenz-Gesetzes nochmal zu verdeutlichen:
Ein Porsche Cayenne Elektro hat in etwa 1,6 Tonnen die er pro Achse auf die Straße bringt. Ein 40 Tonner bringt zwischen 8 und 10 Tonnen pro Achse auf die Straße.
Der Porsche kann also zwischen 2500 und 5000 mal über eine Straße brettern, bevor er diese gleichermaßen beschädigt wie ein 40 Tonner auf nur einer fahrt!
Der Cayenne Elektro ist wohlgemerkt mit 3,2 Tonnen zGM schon ein Extrembeispiel.
Matthias meint
Anwohner von schlechten Straßen und noch schlechteren Brückenübergängen spüren die von schweren LKWs ausgelösten Erdbeben selbst wenn sie im Bett liegen, insbesondere wenn morgens ab 4:30 viel zu schnell gefahren wird weil keinerlei Verkehr bremst, und garantiert niemand kontrolliert. Die Politik will weder die Achslasten und Radlasten reduzieren indem wie in den USA 18 Räder vorgeschrieben werden, noch werden Straßen und Brücken repariert oder gar grundsolide gebaut. Staatsversagen das im Bett liegend zu spüren und zu hören ist. Inzwischen wählen auch manche entsprechend.
Mäx meint
„Inzwischen wählen auch manche entsprechend.“
Oh spannend, erzähl mir mehr.
Welche Partei setzt sich für bessere Infrastruktur ein?
MK meint
Letztlich ist es doch egal, ob zusätzliche Schäden durch schwerere Fahrzeuge oder verändertes Klima entstehen: Deren Behebung muss bezahlt werden. Will ich das möglichst Verursachergerecht machen, macht es sicher durchaus Sinn neben der Leistung des Fahrzeugs auch dessen Gewicht in die Berechnung der KFZ-Steuer einzubeziehen. Jemand, der gar keinen PKW besitzt, beschwert sich auch nicht über vom Klima verursachte Schlaglöcher…
Deswegen halte ich (als BEV-Fahrer) auch die beschlossene Verlängerung der KFZ-Steuer in Deutschland für das falsche Signal: Bis zu 3 Tonnen schwere, leistungsstarke Fahrzeuge (die grade zum Zeitpunkt des Beschlusses hauptsächlich von Besserverdienenden gekauft worden sind), werden von der Steuer befreit, während der arme Besitzer eines alten 1 Tonnen-Golfs zahlen muss: Das hilft doch in erster Linie einer Gruppe: AfD-Fan-Stammtischen. Jemand, der grade 40.000 oder sogar 100.000 für einen Neuwagen ausgegeben hat, macht seine Entscheidung BEV oder Verbrenner hingegen ganz sicher nicht davon abhängig, ob dieser irgendwann in einigen Jahren 100 € oder 200 € pro Jahr mehr oder weniger laufende Kosten verursacht (da die bisherigen Ansätze für BEV sowieso sehr geringe Steuern vorsehen). Aber es war halt für Merz, Reiche und Co eine geniale Lösung: Es kostet in der aktuellen Legislaturperiode nicht einen Cent, es bringt BEV-Verkäufen keinen Vorteil (was die CDU ja eigentlich will) und gleichzeitig kann man aber behaupten, BEV selbstverständlich zu unterstützen.
Noch fairer wäre dann natürlich ein Ansatz, der auch bei der Steuer die jährliche Kilometerleistung berücksichtigt. GB diskutiert sowas ja durchaus, bisher allerdings 1. unfairerweise einseitig für BEV, während Verbrenner außen vor wären (nein, Energiesteuern sind nicht für Straßenbau vorgesehen, sondern für Umweltschäden durch Abgase…und Energiesteuer ist auf Strom auch fällig) und 2. unabhängig vom Fahrzeug-Typ: Ein Dacia Spring Fahrer müsste also pro Kilometer das gleiche bezahlen wie der Fahrer eines iXirgendwas von BMW.
EVFan meint
Ich bevorzuge die zusätzlichen Straßenschäden verursacht durch schwere E-Autos. Beim Klimawandel sind die Straßenschäden noch das geringste Problem.
MK meint
@EVFan:
Ich auch. Es bleibt aber Fakt, dass irgendwer die Kosten tragen muss und jemand, der sich ein 3 Tonnen schweres BMW-SUV leisten kann, mehr dazu beitragen sollte als jemand, der sich nur einen Kleinwagen oder gar keinen PKW leisten kann.
South meint
Yoa, natürlich sind eAutos aufgrund des Accus auf den ersten Blick schwerer, als ein vergleichbarer Benziner/Diesel und das stimmt an sich auch. Aber. Viele Superschwere Autos sind meisten gar keine eAutos mehr, weil der Accu diese Masse gar nicht mehr sinnvoll von A nach B bringen kann. Hier geht es schnell Richtung Benziner/Diesel oder im günstigsten Fall zu einem Hybriden. Mal als Beispiel, der BMW XM oder Range Rover oder eben auch viele PickUps und da kommt ja eben noch oben drauf, dass sie nicht nur sehr schwer, sondern auch noch klimaschädlich sind und zudem noch lokale Abgase ausstoßen.
brainDotExe meint
Also der XM ist ca. 100 kg leichter als der iX5 60 xDrive. Der vergleichbare iX5 M wird sicher nochmal schwerer sein.
E-Autos sind nunmal noch deutlich schwerer als vergleichbare Verbrenner, aber das wird sich hoffentlich durch den technischen Fortschritt noch ändern.
Future meint
Auch UK hat eine starke Lobby der Fossilen Industrien und sehr gute PR-Agenturen. Da denkt man sich eben intelligente Strategien und Kampagnen aus. Es bleibt immer etwas »hängen«. Wir kennen sowas auch aus Deutschland .
EdgarW meint
Meine letzten 4 Autos:
Audi 100 Avant, 1,4t
Mercedes 300 T-Modell 1,7t
Skoda Octavia Combi (ja mit C) 1,3t
Hyundai Ioniq 1,5t
und geplant: ID. Polo 1,55t
welcher sollte jetzt am höchsten besteuert werden?
Wie steht’s mit Plug-in-Hybriden, die meist mindestens annähernd so schwer sind, wie gleichartige Modelle als BEV?
Warum gab es einen solchen Vorschlag nicht bereits bei SUV?
Calimator meint
Leichte Neuwagen gibt es nicht mehr. Die Verbrenner werden durch die ganze Hybridtechnik und Abgasreinigung durch Euro6 und bald Euro7 auch immer schwerer. Ein aktueller BMW 340i xdrive wiegt fast genau so viel wie ein Tesla Model 3 mit Allrad. Wer ein leichtes Auto will kann sich bald nur noch einen Oldtimer kaufen.
Karsten meint
130 -150 kg sind fast?
Calimator meint
Beide wiegen um die 1.8 Tonnen. Da sind keine 100 kg Unterschied.
OmaPlüsch meint
FUD der besten Art.
F. K. Fast meint
Warum steht da „E-Autos“? Schäden entstehen auch durch schwere ICE-Autos, also kurz durch schwere Fahrzeuge. Dass ein 2t-Fahrzeug nicht so gut für die Strasse ist wie ein 1,3t-Fahrzeug, sollte klar sein.
McGybrush meint
Also zurück zum Pferd?
Ich würde extra Gebühren beim parken auch erheben. Aber in Abhängigkeit zur Grundfläche.
Es ist halt ein Unterschied ob 10 Fiat 500 nebeneinander oder voreinander stehen oder nur 7 BMW X7 auf jeweils gleicher Fläche.
Ich wäre selber sogar mit einem Model 3 betroffen. Hätte gerne ein Fiat 500e aber erst wenn der 600km WLTP mit 200kW Nachladen schafft.
David meint
Das ist ein anderes Thema, dass ein Fahrzeug Verkehrsraum beansprucht, auch wenn es parkt. Damit blockiert es eine Fläche und es wäre nur richtig, dafür eine zeitliche Miete zu zahlen. Es ist eine völlig unsinnige Vorstellung, dass Parken im öffentlichen Raum grundsätzlich kostenlos ist. Wenn ich in München einen Anwohnerparkplatz in einem guten Viertel der Innenstadt beanspruche, muss ich für 10 m² Miete zahlen. Nehmen wir an, dort kostet die Kaltmiete einer Wohnung 35 €/qm, dann ist die Hälfte für einen Parkplatz angebracht. Das wären dann 175 € im Monat.
David meint
Was für eine lächerliche Debatte! Selbstverständlich werden die Schäden überproportional von Nutzfahrzeugen verursacht. Denn sie sind zahlreicher geworden und fahren als Paketdienste näher zum Kunden. Damit automatisch über vulnerablere Straßen. Nur will das ja keiner akzeptieren. Denn dann würde Transport noch teurer werden und das zahlt der Verbraucher. Jeder Verbraucher.
Jetzt muss man natürlich sagen, dass Straßensystem außerhalb der Marginalen ist in UK sowieso oft auf einem Stand der frühen Sechzigerjahre eingefroren worden. Meine Güte, sind das enge Landstraßen, gerne mit abfallendem Bankett und häufig sogar ohne die Möglichkeit, Gegenverkehr ohne Stop oder Ausweichmanöver zuzulassen. Da ist also sowieso viel zu tun.
Mit Elektroautos hat das jedenfalls gar nichts zu tun.