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Studie: Deutsche Autokonzerne investieren am meisten in Elektromobilität

03.06.2019 in Autoindustrie, Studien & Umfragen von Thomas Langenbucher | 15 Kommentare

Elektroauto-Investitionen

Bild: BMW

Autokonzerne investieren immer größere Summen, um sich auf den erwarteten Durchbruch der E-Mobilität vorzubereiten – und schaffen erhebliche Produktionskapazitäten für Elektroautos. Das ist das Fazit einer von der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) erstellten Analyse der weltweiten Investitionstätigkeit der 16 führenden Automobilunternehmen.

Im vergangenen Jahr wurden Investitionsprojekte im Zusammenhang mit der Produktion von Elektroautos mit einem Gesamtvolumen von 8,4 Milliarden Euro angekündigt oder gestartet – ein Plus von 97 Prozent gegenüber 2017, so die Studienautoren. Die Zahlen für ihre Auswertung beziehen sich auf ortsgebundene Investitionsprojekte, etwa in neue oder modernisierte Fabriken. Nicht berücksichtigt sind Forschungs- und Entwicklungskosten, da diese sich zumeist keinen konkreten Ländern zuordnen ließen.

Derzeit konzentrieren sich die Elektro-Investitionen der Konzerne laut EY auf einige wenige Standorte: In China wurden seit Anfang 2015 insgesamt 6,1 Milliarden Euro investiert, in Deutschland liegt das Investitionsvolumen bei 4,4 Milliarden Euro, in Frankreich bei 1,6 Milliarden Euro. Die USA belegen mit 1,1 Milliarden Euro den vierten Rang. In den Vereinigten Staaten kündigt sich im laufenden Jahr eine Trendwende an – mehrere US-Konzerne planen große Umrüstprojekte: Ford investiert 900 Millionen Euro, um ein Werk in Michigan zum Produktionsstandort für Elektroautos zu machen. General Motors rüstet für 270 Millionen Euro ebenfalls ein Werk in Michigan für einen neuen Stromer um.

Die drei deutschen Autokonzerne erwiesen sich der EY-Studie nach in den vergangenen Jahren als besonders aktive Investoren im Bereich Elektromobilität: 29 derartige Investitionsprojekte mit einem Volumen von insgesamt 11,1 Milliarden Euro wurden seit Anfang 2016 von Volkswagen, BMW und Daimler gestartet. Die größten Investitionsprojekte des vergangenen Jahres wurden ebenfalls von den deutschen Konzernen angekündigt. Sie bezogen sich auf den Produktionsstandort China: BMW investiert drei Milliarden Euro in ein neues Werk in Tiexi und den Ausbau eines Werks in Dadong, unter anderem um dort jeweils parallel Fahrzeuge mit konventionellem und elektrischem Antrieb fertigen zu können. Daimler kündigte eine 1,5 Milliarden Euro teure Investition in Peking an.

Während der Trend bei Investitionen in die Elektromobilität klar nach oben zeigt, waren die Autokonzerne bei sonstigen Investitionen – etwa in Werkserweiterungen, neue Lackierereien oder neue Testgelände – im vergangenen Jahr sehr zurückhaltend, berichtet EY. Der Gesamtwert der neu angekündigten Investitionen der Autokonzerne sank demnach im vergangenen Jahr um 16 Prozent von 26,7 auf 22,4 Milliarden Euro.

Kostendruck steigt

Der starke Anstieg der Investitionen in Elektromobilität und der gleichzeitige Rückgang bei sonstigen Investitionsprojekten ist ein Vorgeschmack auf die kommenden Jahre, erwartet EY-Partner Gerhard Schwartz. Er meint: „Viele Hersteller setzen gerade alles auf eine Karte. Sie nehmen Milliardensummen für die Entwicklung und den Ausbau der Produktion von Elektroautos in die Hand und sparen massiv an anderer Stelle. Die Unternehmen gehen mit dieser Strategie eine durchaus mutige und teure Wette auf die Zukunft ein: Sie setzen auf einen baldigen und starken Anstieg der Verkaufszahlen von Elektroautos – trotz nach wie vor bestehender Probleme wie einer mangelhaften Ladeinfrastruktur, sehr hohen Verkaufspreisen und niedrigen Margen.“

Der Produktionsanlauf von Elektroautos wird kurz- und mittelfristig sehr viel Geld kosten und die Margen erheblich belasten, sagt Schwartz voraus: „Elektroautos bringen vorerst kaum Gewinn – die Kunst wird daher in den kommenden Jahren darin bestehen, beim Absatz ein ausgewogenes Verhältnis von Autos mit elektrischem und konventionellem Antrieb zu finden. Denn der Ausbau der Elektromobilität muss mit den Gewinnen aus dem Verkauf von Fahrzeugen mit konventionellem oder Hybrid-Antrieb finanziert werden – unterm Strich wird in jedem Fall weniger Gewinn übrigbleiben als in den vergangenen Jahren.“

Vorerst werden weiter Autos mit Verbrennungsmotor den Neuwagenmarkt dominieren – daher werden nach Beobachtung von Schwartz derzeit vor allem Fabriken in Europa und den USA so umgebaut, dass verschiedenene Antriebstechnologien gleichzeitig auf dem selben Band gefertigt werden können. „An den Produktionsstandorten in Europa und den USA werden der Automatisierungsgrad und die Flexibilität der Produktion derzeit deutlich erhöht. Neue Fabriken, die ausschließlich E-Autos produzieren, wird es hingegen vorerst in erster Linie in China geben, wo ein entsprechend starkes Marktwachstum erwartet wird“, so der Experte.

Sparen für den Elektro-Boom

„Die Autoindustrie muss sich auf magere Jahre einstellen“, meint Schwartz. Die aktuell angekündigten Sparmaßnahmen vieler Konzerne seien nur ein Vorgeschmack auf das, was in den kommenden Jahren noch auf die Unternehmen und ihre Belegschaften zukommen wird. „Wir werden erhebliche Umstrukturierungen und Kostensenkungsmaßnahmen sehen – bis hin zur Schließung ganzer Werke“, prognostiziert der Berater. Ende vergangenen Jahres habe beispielsweise GM angekündigt, fünf Werke in den USA und drei Werke außerhalb der USA zu schließen. Volkswagen plane ein Sparprogramm mit einem Volumen von 5,9 Milliarden Euro bis 2023, das auch eine Reduzierung von 5000 bis 7000 Stellen vorsieht.

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Via: EY
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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. alupo meint

    05.06.2019 um 00:31

    Tesla fehlt in dieser Zahl. Tesla ist zwar der mit Abstand größte eAutobauer der Welt in 2018 und bis jetzt in Q1/2019 (2017 habe ich nicht im Kopf) und hat schon einige Milliarden investiert, aber das Unternehmrn fehlt. Und sie investieren gewaltige Summen auch in Zukunft.

    Weiterhin fehlen auch die nächstgrößten eAutobauer, also die auf den Positionen 2 bis 5. Da sie auch Milliardenbeträge investierten und auch zukünftig investieren werden um diese Position zu erlangen/zu halten oder zu verbessern ist die o.g. Zahl absolut unvollständig und gibt ein völlig falsches Bild von der m.M.n. durchaus problematischen Situation der weltweit 16 größten Autobauer wieder. Übrigens, alle diese 4 eAutounternehmen stammen nicht aus Deutschland (Ren/Niss/Mit,, BYD, BAIC, Hyu/Kia). Ich denke, jetzt sollte es auch beim allerletzten Schönredner „click machen“.

  2. wosch meint

    03.06.2019 um 15:07

    LOL, glaubt ihr wirklich, dass eine Einbeziehung von Tesla an dieser Aufstellung irgend etwas ändern würde?
    Die könnten NIE IM LEBEN diese Summen aufbringen.
    Tesla ist ein sehr, sehr kleiner Hersteller und wird nie bei solchen Zahlen oben dabei sein, egal wie sehr euch das ärgert.
    Da hilft auch die übliche, gegenseitige Zustimmung nichts.
    Es steht ja auch deutlich im Text (ich vergesse immer wieder, dass der von den meisten hier gar nicht gelesen wird), dass die 16 größten Autohersteller untersucht wurden. Tesla gehört nun mal nicht dazu. PUNKT!

    • Jörg2 meint

      03.06.2019 um 18:24

      @wosch

      Ich fände gerade das interessant: mit wieviel weniger Invest ist eine Firma wie TESLA aufbaubar.
      Sollte diese Zahl, im Vergleich zu den jetzigen Investitionen von VW&Co sehr klein sein (Deinem Beitrag entnehme ich, Du vermutest das), dann besteht die Chance/Gefahr, dass noch viele nachkommen.

      (Deine Publikumbeschimpfung ist ein Relikt aus der Theaterlandschaft der späten 60iger. Das hebt keinen mehr an.)

  3. Jörg2 meint

    03.06.2019 um 13:05

    Die Kosten der Vertriebsumstellung scheinen noch nicht ermittelbar zu sein (?).
    Alle drei deutschen Hersteller arbeiten mit gebundenen Händlern, welche den Kundenkontakt halten, das Auto verkaufen, den Service stellen und das Altauto auch wieder ankaufen.
    Wie von den VW-Händlern zu hören ist, knackt es im Gebälk. Zusagen über die zukünftigen Verfahrensweisen werden von VW nicht eingehalten.

    Ich vermute:
    Die Hersteller werden die eAutos Stück für Stück nur noch im Direktvertrieb verkaufen. Das Händlernetz wird ausgedünnt (in der Fläche geben einige auf, in den Ballungsgebisten wird konzentriert). Der Kunde im ländlichen Raum wird sich auf einen Service à la TESLA umstellen müssen.

  4. Stocki meint

    03.06.2019 um 13:04

    Ist das eine Satire?
    Ich kann mir schon vorstellen, warum man reine Elektroautohersteller nicht mit in die Betrachtung einbezieht, aber worin liegt dann der Sinn der Studie? Und dass die deutschen Hersteller in Summa am meisten investieren, könnte dann ja auch daran liegen, dass es in Deutschland mit die meisten Autohersteller gibt.

    Ah, jetzt hab ichs:

    „Wir sind die Besten, kauft blos keine Teslas!“

    • Remo meint

      03.06.2019 um 13:26

      Wo steht denn, dass Tesla nicht in die Studie einbezogen worden ist?

      • Stocki meint

        03.06.2019 um 13:39

        Vielleicht weil Tesla nirgendwo erwähnt wird?
        Google mal selbst nach:

        „Weltweite Investitionen im Automobilsektor“
        Als Suchergebnis sollte eine Powerpoint-Präsentation dabei sein von Ernst & Young.
        Durchsuche den Text nach dem Stichwort „Tesla“ -> 0 Ergebnisse

        • Autofan meint

          03.06.2019 um 13:47

          Gehört Tesla zu den 16 führenden Automobilkonzernen?
          Da ist nicht explizit unterteilt ob man E-Autos herstellt oder nicht.

          Lesen, denken, posten.

        • Jörg2 meint

          03.06.2019 um 15:01

          @Autofan

          Bei der Herstellung von eAutos? Ich würde sagen: ja!

          Zumindest als Referenzgröße (wieviel Invest ist fur welchen Stückzahlausstoß notwenig) könnte man TESLA heranziehen.

          Ein „Längenvergleich“ unter den Dinosauriern ist zwar auch interessant aber letztendlich haben sich die kleinen Säuger durchgesetzt (und wenn die nicht aufpassen, übernehmen die Insekten…)

  5. Steff meint

    03.06.2019 um 12:23

    Den wichtigsten Satz hat ecomento vergessen:
    „Die analysierten Automobilkonzerne sind: BMW Group, Daimler, Fiat Chrysler, Ford, General Motors, Honda, Hyundai, Kia, Mazda, Mitsubishi, Nissan, PSA Group, Renault Group, Suzuki, Toyota Group und Volkswagen Group.“

    • Jörg2 meint

      03.06.2019 um 12:56

      Danke!!!
      Das spart mir das selber Suchen und bestätigt:

      meinen Verdacht, der eingeschränkten Betrachtung durch diese Studie, und

      die Richtigkeit, sich Studien selbst vorzunehmen und nicht irgendwelchen Zusammenfassungen zu trauen.

      • GeHa meint

        03.06.2019 um 17:26

        War das bei einer Ernst & Young jemals anders? Deren Studien sind Auftragsarbeiten oder sie wollen damit Geld verdienen. Nicht die besten Voraussetzungen für objektive Ergebnisse.

        • Jörg2 meint

          03.06.2019 um 20:31

          Jo!

    • Stocki meint

      03.06.2019 um 13:33

      Wo hast Die Liste her?

      • Stocki meint

        03.06.2019 um 13:44

        Hat sich erledigt, ich hab das Powerpoint dazu gefunden, Danke.

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