Das Aston-Martin-Management muss die anhaltenden Verluste des Unternehmens stoppen und die Profitabilität wiederherstellen. CEO Adrian Hallmark setzt dabei auf leistungsstärkere sowie teurere Versionen der bestehenden Sportwagen- und SUV-Modelle. Zudem sollen durch eine Erweiterung der Ausstattungsmöglichkeiten zusätzliche Einnahmen generiert werden.
Der ehemalige Bentley-Chef, der seit fast zwei Jahren das Unternehmen leitet, betrachtet die aktuelle Phase als einen „Turnaround“ – erwartet also einen Umschwung zum hoffentlich Positiven. Um die Innovation voranzutreiben, plant Aston Martin für die kommenden Jahre mehrere jährliche Produktveröffentlichungen, bevor die nächste Fahrzeuggeneration eingeführt wird.
Ein wesentlicher Teil des Plans umfasst die Überarbeitung der Konfigurationsmöglichkeiten. Ein Vergleich mit Wettbewerbern wie Ferrari, Lamborghini oder Bentley von AutoExpress zeigt, dass Aston Martin deutlich weniger Optionen anbietet. Als Reaktion darauf werden nun hochwertige Komponenten wie Titanfelgen, Auspuffanlagen und High-End-Audiosysteme in das Angebot aufgenommen.
Mehr Umsatz pro Fahrzeug statt Absatzwachstum
Die Neuausrichtung zielt also nicht auf Absatzwachstum ab, sondern auf mehr Einnahmen pro Fahrzeug durch eine größere Auswahl an Individualisierungen. Während 2020 noch ein jährliches Volumen von 10.000 Fahrzeugen angestrebt wurde, lag das Ergebnis im vergangenen Jahr bei 5448 Autos. Hallmark reduzierte die Produktion bereits in seinem ersten Monat um 1000 Einheiten auf ein Zielniveau von etwa 6000 Fahrzeugen pro Jahr.
Im Zuge einer Restrukturierung wurden zwei Entlassungswellen durchgeführt, wodurch die Kostenbasis laut dem CEO um rund 30 Prozent gesenkt werden konnte. Aktuell laufen seinen Angaben zufolge 26 Programme, die auf die Verbesserung von Kosten, Gewinn und Cashflow abzielen. Die Vorteile dieser Maßnahmen sollen im Laufe des Jahresendes und im nächsten Jahr sichtbar werden.
Finanziell steht das britische Traditionsunternehmen vor Herausforderungen, da ein US-Zollkonflikt im vergangenen Jahr zu einem hohen Vorsteuerverlust beitrug. Zur Generierung zusätzlicher Mittel wurden die Namensrechte am Formel-1-Team dauerhaft an den Aston-Martin-Hauptaktionär Lawrence Stroll verkauft, was Einnahmen in Höhe von 50 Millionen Pfund einbrachte.
Neue Investoren seien nicht erforderlich, da das Ziel darin bestehe, durch die Umsetzung des aktuellen Plans eigenständig Gewinne zu erwirtschaften, erklärte Hallmark gegenüber AutoExpress. Er geht davon aus, dass der Weg zurück in die Gewinnzone etwa zwei Jahre beanspruchen wird.
Elektroautos spielen anders als noch vor einigen Jahren angekündigt bis auf Weiteres keine Rolle bei Aston Martin. Pläne zur Erweiterung der Modellpalette um Vollstromer hat man auf das nächste Jahrzehnt verschoben. „Wir glauben nicht, dass unsere Kunden diese Technologie derzeit wollen“, so Hallmark im März. Teilelektrische Systeme verwendet das Unternehmen schon, etwa beim Hybrid-Supersportwagen Valhalla.

vector3d meint
Früher oder später ist Aston Martin pleite. Dann, dann weiß ich ehrlich gesagt nicht. Nicht mal den Namen kann man richtig einsätzen. Da kommen zwei Wellen zusammen: Massensterben von Auto-Luxus-Dinosaurier, die es nicht geschafft haben, sich rechtzeitig in gute Hände abzugegeben und die Elektrifizierung.
Elvenpath meint
„Wir glauben nicht, dass unsere Kunden diese Technologie derzeit wollen“
Das kann ganz schnell kippen. Gerade in jungen Märkten, wie in China, Asien allgemein, aber auch Afrika. E-Sportwagen beginnen jetzt gerade erst. Marken wie Yangwang machen sich einen Namen bei jungen Menschen. Leute, die keinen krawalligen „Sound“ brauchen, sind gar nicht so wenige.
Ich sage nicht, dass Aston jetzt komplett elektrisch werden sollte. Aber ein Aufsehen erregendes elektrisches Modell wäre wichtig, denke ich.
David Maciejewski meint
Turnaround heist aber nicht, weiter geradeaus fahren. 😂
M. meint
Richtig.
Geradeaus weiter würde hier ja heißen, weiterhin Verluste zu machen.
Steht oben. ;-)
Futureman meint
Immer mehr Hersteller, die von sinkenden Stückzahlen profitieren wollen (u.a. Porsche und Mercedes). Ob das klappt ist fraglich, aber immerhin arbeiten selbst die überzeugten Verbrennerhersteller, das es mit ihrer Technik bergab geht.