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Denkfabriken: Wie sich E-Autos fair fördern und in die Breite bringen lassen

03.03.2025 in Politik von Thomas Langenbucher | 7 Kommentare

Renault-Twingo-Electric-laedt

Bild: Renault

Um die Elektromobilität für mehr Menschen privat nutzbar zu machen und damit gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie zu stärken, schlagen die Denkfabriken Agora Verkehrswende und Zukunft KlimaSozial ein ein zweistufiges Verfahren zur Förderung von Elektroautos vor.

Das Ziel einer ersten Förderstufe sollte es demnach vor allem sein, E-Fahrzeuge in den Massenmarkt zu bringen und eine einkommensgestaffelte Förderung einzuführen. Eine zweite Stufe könnte stärker Menschen unterstützen, die besonders von hohen CO2-Preisen betroffen sind. Für die Umsetzung empfehlen die Organisationen eine Kombination aus Förderung von Fahrzeugleasing, Kaufkrediten sowie Kaufzuschüssen, jeweils differenziert nach Fahrzeugpreis und Einkommen.

Wiebke Zimmer, Stellvertretende Direktorin von Agora Verkehrswende: „Ein starker nationaler Markt für Elektroautos unterstützt die Automobilindustrie und senkt die CO2-Emissionen. Die Aufgabe der neuen Bundesregierung ist es daher, ein Gesamtpaket für den schnellen Markthochlauf der Elektromobilität im Pkw-Bereich zu entwickeln. Ein Baustein ist ein Fördermodell für den Privatwagenmarkt, um neue Käufergruppen vor allem auch mit mittleren oder niedrigen Einkommen zu erschließen. Damit können industrie-, sozial- und klimapolitische Ziele in Einklang gebracht werden.“

Brigitte Knopf, Direktorin von Zukunft KlimaSozial: „Von der früheren E-Autoförderung nach dem Gießkannenprinzip haben vor allem überdurchschnittlich Verdienende profitiert. Der Schritt zur Berücksichtigung des Einkommens und des Bedarfs ist ein zeitgemäßer Paradigmenwechsel in der Förderung von Elektrofahrzeugen. Indem es Menschen mit kleinerem Geldbeutel in den Blick nimmt sowie jene, die besonders von hohen Spritpreisen betroffen sind, sorgt das von uns vorgestellte zweistufige Verfahren für mehr soziale Gerechtigkeit.“

Agora Verkehrswende und Zukunft KlimaSozial haben in einem Diskussionspapier untersucht, in welcher Form eine Kaufförderung für Privatpersonen hilfreich sein kann, um einen starken Heimatmarkt für E-Mobilität in Deutschland aufzubauen. Sie reagieren damit auch auf die niedrigen Absatzzahlen von Elektroautos, drohende Strafzahlungen für Autohersteller im Rahmen der CO2-Flottenregulierung, Diskussionen über sozial ausgerichtete Förderprogramme und auf den erwarteten Anstieg der Kraftstoffpreise in den kommenden Jahren.

Erste Förderstufe für breiten Zugang, zweite für besonderen Förderbedarf

Über die erste Förderstufe, die im Jahr 2025 starten und bis Ende 2026 gelten sollte, kämen viele vergleichsweise günstige Elektroautos in den Markt, um deutlich mehr Menschen Zugang zu klimafreundlichen Fahrzeugen zu ermöglichen. Die Fördergrenze für den Neuwagenpreis müsste dafür einerseits so festgelegt werden, dass untere und mittlere Einkommensgruppen erreicht werden, andererseits hoch genug sein, um sicherzustellen, dass auch Familien davon profitieren können. Zugleich sollte in dieser Stufe mit einer einkommensgestaffelten Förderung gestartet werden. Die Unterstützung sollte auch den Gebrauchtwagenmarkt umfassen, so die Denkfabriken.

Ab 2027, wenn der EU-weite Emissionshandel im Verkehrssektor startet, werden der CO2-Preis und damit auch die Kraftstoffpreise voraussichtlich weiter steigen. In einem zweiten Schritt sollten deshalb laut Agora Verkehrswende und Zukunft KlimaSozial ab 2027 diejenigen noch gezielter gefördert werden, die aufgrund ihres Berufs oder des fehlenden Angebots öffentlicher Verkehrsmittel auf einen eigenen Pkw angewiesen sind. Die Zeit bis 2027 sollte von der neuen Bundesregierung genutzt werden, um die Einführung von weiteren Förderkriterien wie Verfügbarkeit von öffentlichem Verkehr und besondere berufliche Anforderungen vorzubereiten.

Letzteres sei einfacher umzusetzen, würden die Förderung aber auf Arbeitnehmer beschränken. Um die soziale Staffelung mittelfristig zu vereinfachen, müssten die Verwaltungsstruktur und die Datenlage verbessert werden. Generell sei es sinnvoll, die Fördersummen planbar mit der Zeit zu reduzieren. Mit zunehmendem Hochlauf der Elektromobilität würden E-Pkw günstiger und die Preisdifferenz zum Verbrenner schmilze ab.

Mit der bisherigen Politik werde das von der letzten Bundesregierung und der Industrie mehrfach bekräftigte Ziel, bis 2030 insgesamt 15 Millionen Pkw auf die Straße zu bringen, weit verfehlt, so Agora Verkehrswende und Zukunft KlimaSozial. Dafür müssten durchschnittlich jedes Jahr 2,4 Millionen vollelektrische Pkw neu zugelassen werden, 2024 waren es nur etwa 380.600. Knapp ein Drittel der Neufahrzeuge wurden 2024 von privaten Haushalten zugelassen, der Rest gewerblich.

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Via: Agora Verkehrswende
Tags: FörderungAntrieb: Elektroauto

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. M.D. meint

    06.03.2025 um 22:07

    Die Mehrheit der Deutschen Privathaushalte kauft gebrauchte Autos. Einer Familie mit durchschnittlichem Einkommen nützt es wenig einen Hyundai Inster günstiger zu bekommen. Die wollen ja eher einen gebrauchten ID.4 o.ä. kaufen.
    Dazu sehe ich eine Unterstützung bei den Stromkosten als hilfreich an, denn oft ist ja auch kein Eigenheim mit Lademöglichkeit vorhanden.

  2. Ben meint

    03.03.2025 um 13:23

    Ganz einfach, 8Mrd./a Dieselsubvention abschaffen und für günstige Ladepreise nutzen.

    • stueberw meint

      03.03.2025 um 20:50

      Genau so muss es sein.

    • Future meint

      04.03.2025 um 08:38

      Wenn das passiert, dann blockieren die Bauern wieder alle Straßen. Also, die Dieselsubventionen müssten für Gewerbe, Handwerk, Logistik und Landwirtschaft bleiben, sonst gibt’s Revolution.

  3. Karsten meint

    03.03.2025 um 11:02

    🤔 KlimaSozial??? Ich bin immer wieder überrascht welche Anzahl skurriler Denkfabriken/Vereine/Verbände es mittlerweile gibt.

    • Future meint

      03.03.2025 um 20:30

      Wir sind eine Lobbykratie. Da gehören Denkfabriken dazu. Diese Vorschläge hier sind allerdings deutlich besser als das, was von den Industrien so gewünscht wird. Gerade eine nach Einkommen gestaffelte Förderung ist notwendig. Kein Gutverdiener braucht eine Subvention für den Autokauf – das kann der auch alles alleine stemmen.

      • Stefan S meint

        04.03.2025 um 21:28

        Ganz deiner Meinung. Die alte Föerderubg hätte auch bei 35.000 Euro gedeckelt werden müssen. Dann wäre jetzt noch Geld über und mehr preiswerte Gebrauchte verfügbar. Die Firmenwagen hätte man besser über z. b. Schnelle Abschreibung fördern können.
        Leider klingt das Fördermodell etwas verkopft, eine Förderung die zu kompliziert ist kommt nicht an.
        Siehe Wärmepumpen.
        Da fehlt das passende Marketing dazu. Aber vielleicht bekommen das die Autohersteller besser hin als die WP Hersteller.

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