Der britische Elektromotoren-Spezialist Yasa, seit 2021 Teil von Mercedes-Benz, entwickelt einen neuen Radnabenantrieb auf Basis seines 12,7 Kilogramm leichten Axialflussmotors. Der Motor erreichte laut dem Portal Electrive im Prototyp eine kurzzeitige Peak-Leistung von 750 kW/1.020 PS und soll eine Dauerleistung von 350 bis 400 kW (476–544 PS) liefern.
Neben dem Motor stellt Yasa auch einen neu entwickelten Wechselrichter mit einer Leistungsdichte von 100 kW/kg vor. Das 15 Kilogramm schwere Gerät kommt auf eine maximale Leistung von 1.500 kW und soll nach Unternehmensangaben „alle bestehenden Probleme mit Radnabenmotoren lösen und zu leichteren, effizienteren und leistungsstärkeren Elektrofahrzeugen führen“. Der aktuelle Stand der Technik liege bei 50 bis 70 kW/kg.
Der Radnabenantrieb befindet sich noch im Prototypenstadium. Yasa verspricht sich von dem System „eine ganze Reihe bahnbrechender Vorteile für zukünftige Elektrofahrzeuge“. Konkretes zur weiteren Entwicklung soll im kommenden Jahr bekannt gegeben werden.
Eine besondere Eigenschaft des Antriebs ist den Angaben zufolge seine regenerative Leistung. Beim Einsatz an der Hinterachse eines E-Autos könnte dies die Bremssysteme dort „drastisch verkleinern oder sogar potenziell überflüssig machen“. Durch den Wegfall von Bauteilen wie Scheibenbremsen oder Antriebswellen könnten bis zu 200 Kilogramm eingespart werden, bei einer speziell optimierten Fahrzeugkonstruktion rund 500 Kilogramm.
„Radnabenmotoren sind die größte Herausforderung und Chance für Elektrofahrzeuge, aber bisher war die Technologie zu schwer, hatte ein begrenztes Drehmoment und war nicht leistungsstark genug“, sagt Tim Woolmer, Gründer und CTO von Yasa. Er hebt die Vorteile des neuen Systems hervor: „Dieses bahnbrechende Technologiekonzept ist kompakt, leistungsstark und leicht genug, um im Rad eines Elektrofahrzeugs untergebracht zu werden. Es handelt sich um den weltweit ersten masseneutralen Radnabenmotor, der bis zu 750 kW pro Rad ermöglicht.“
Der Yasa-Chef weiter: „In Kombination mit einem neuen, von Yasa entwickelten Wechselrichter entsteht ein vollständig integrierter Prototyp eines Radnabenantriebsstrangs für Elektrofahrzeuge, der eine deutliche Verbesserung in Bezug auf Gewichtsreduzierung, Leistung und Effizienz mit sich bringen wird.“









Stefan S meint
Das zeigt mal wieder wieviel Potential noch in den Motoren steckt. Mit solchen Motoren könnte man LKW sicher viel besser bauen. Inkl. Antrieb am auflieger usw.
Immer weniger Bauteile, weniger Gewicht, weniger Kosten.
Ich bin gespannt was da noch alles kommt.
Schöne Grüße
David meint
Absolut beeindruckend. Die Fortschritte sind riesig und der Radnabenmotor könnte die Zukunft sein. Könnte deshalb, weil der radnahe Einzelmotor ja auch gute Argumente für sich hat. In jedem Fall sind auf dem Gebiet der Motorenentwicklung die deutschen Hersteller vorne. Nicht nur beim Verbrenner, auch beim Elektromotor. Wer hätte das gedacht?
EVrules meint
Bitte nicht schon wieder den Radnabenmotor in den Raum werfen – das ist technisch und physikalisch Nonsense.
M. meint
Habe ich auch immer gesagt, aber man muss schon anerkennen, dass das Konzept deutlich weiterentwickelt wurde und nicht mehr jedes alte Argument im gleichen Umfang wie „früher“ greift.
Tinto meint
Brabus hat 2011 mehrere E Klassen mit Radnabenmotoren ausgestattet, ich erinnere mich dass AMS schwer begeistert war beim Test auf der Strasse. Leider hat Brabus das Konzept ihrer “ Full Electric“ Fahrzeuge nicht weiter verfolgt.
M. meint
Es reicht ja nicht, dass die AMS begeistert ist.
Das Paket muss stimmen. Gewicht, Kosten, Lebensdauer, usw. Und natürlich die Batterie und das ganze HV-System.
Und das wird nicht gestimmt haben.
Inzwischen sieht das vielleicht anders aus.
25 kW / kg Dauerleistung sind jedenfalls eine Ansage. Man muss es halt skalieren können und sagen, mit 2 Motoren á 5 kW kommt man auf 2x 125 kW (sagen wir mal, es wären je 100) Dauerleistung und 2x 200 kW Peakleistung – das sind 270 PS Dauerleistung (hat kaum ein BEV) und im Boost 540 PS – an einer Achse. Mit kleineren Motoren als dem gezeigten.
Selbst wenn es nur jeweils die Hälfte wäre – für die meisten Autos reicht das.