Eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag von Transport & Environment (T&E) Deutschland zeigt: Mit gezielten Förderinstrumenten könnte der Ausbau von Ladeinfrastruktur bei Mehrfamilienhäusern im Bestand massiv beschleunigt werden – sozial gerecht und mit überschaubaren Kosten für den Staat. Ohne diese Förderungen drohen auch nach 2030 rund 5,6 Millionen Stellplätze in Mehrfamilienhäusern ohne Vorbereitung für Ladeinfrastruktur zu verbleiben.
Die Bundesregierung muss derzeit die EU-Gebäuderichtlinie EPBD (Energy Performance of Buildings Directive) in deutsches Recht umsetzen. Nach aktuellen Indikationen plant sie, die Richtlinie bei Wohngebäuden eins zu eins zu übernehmen. Damit beschränkt sie sich auf das europäische Minimum, das in Deutschland zu einer Lade-Lücke bei Mehrfamilienhäusern im Bestand führen würde. Für Bestandswohngebäude sieht die EPBD nämlich keine verbindlichen Vorgaben vor, außer es findet eine größere Renovierung statt. Da die Sanierungsrate bei Wohngebäuden bei lediglich rund einem Prozent pro Jahr liegt, wird der überwiegende Teil der Stellplätze im Bestand weder vor 2030 noch danach mit Ladeinfrastruktur ausgestattet. Auch langfristig gibt es für diese Gebäude keine rechtliche Verpflichtung, Ladeinfrastruktur vorzubereiten.
„Damit zementiert die Bundesregierung eine strukturelle Schieflage der Elektromobilität. Wer im Einfamilienhaus wohnt, kann bequem und günstig laden. Millionen Mieterinnen und Mieter in Mehrfamilienhäusern werden dagegen allein gelassen – und das dauerhaft“, sagt Susanne Goetz, Referentin für E-Mobilität bei T&E Deutschland. „Wenn die Bundesregierung der E-Mobilität wirklich zum Hochlauf verhelfen und so der deutschen Autoindustrie unter die Arme greifen möchte, dann darf die EU-Gebäuderichtlinie nicht die Messlatte sein, weil sie einen Richtwert für den europäischen Durchschnitt setzt. Deutschland muss ambitionierter sein und seinem Anspruch, Spitzenreiter zu sein, gerecht werden.“
Die ISI-Studie analysiert Förderungen, anhand derer die Lade-Lücke verkleinert werden könnte. Sie zeigt, dass mit einem Förderbudget von 500 Millionen Euro – je nach Ausgestaltung – zwischen rund 300.000 und bis zu drei Millionen Stellplätze für das spätere Laden von E-Autos vorbereitet werden könnten. Besonders wirkungsvoll sind dabei zinsgünstige oder zinsfreie Förderkredite mit Tilgungszuschuss. Diese Instrumente ermöglichen große Hebelwirkungen: Ein vergleichsweise geringer staatlicher Mitteleinsatz mobilisiert Milliarden an privaten Investitionen. Direkte Investitionszuschüsse hingegen wären zwar einfach umzusetzen und besonders für Wohnungseigentümergemeinschaften attraktiv, würden jedoch deutlich weniger Stellplätze erreichen und wären pro Ladepunkt teurer für den Staat.
Zudem können laut Studie Förderprogramme für Mehrfamilienhäuser einen wichtigen Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit leisten. Gleichzeitig warnen die Autoren vor Mitnahmeeffekten bei pauschalen Förderungen und empfehlen, Förderinstrumente gezielt auszugestalten und gegebenenfalls soziale Kriterien zu berücksichtigen.
„Wer keine Lademöglichkeit zu Hause hat, ist beim Umstieg auf das E-Auto benachteiligt“
„Wer keine Lademöglichkeit zu Hause hat, ist beim Umstieg auf das E-Auto benachteiligt. Das betrifft vor allem Menschen in Mehrfamilienhäusern – also häufig Haushalte mit mittleren und niedrigeren Einkommen“, sagt Goetz. „Ein sozial gerechter Hochlauf der Elektromobilität gelingt nur, wenn Mieterinnen und Mieter endlich gleichberechtigten Zugang zu Ladeinfrastruktur bekommen.“
T&E fordert von der Bundesregierung, neben einem Förderprogramm für Mehrfamilienhäuser verbindliche Ausbauziele für das Laden in Bestandswohngebäuden im Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) zu verankern. Bis 2030 sollten 30 Prozent der Stellplätze für Ladeinfrastruktur vorbereitet werden. Das umfasst die Grundinstallation wie Netzanschlüsse und Verteilerschränke sowie die Vorverkabelung der Stellplätze. So ist das Nachrüsten mit einer Wallbox für E-Autofahrende später einfacher. Bis 2035 sollten Ausbauziele analog zu den Flottengrenzwerten gelten.
Die EPBD-Novelle muss bis spätestens Mai 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Zahlen des Kfw-Energiewendebarometers verdeutlichen, dass das Laden an Mehrfamilienhäusern schneller ausgebaut werden muss: 2020 wurden E-Autos bereits doppelt so häufig von Menschen in Ein- oder Zweifamilienhäusern genutzt wie in Mehrfamilienhäusern. Dieser Trend stieg zuletzt auf zweieinhalb mal so oft. „Er verlangsamt nicht nur den Hochlauf der E-Mobilität, sondern macht es auch den deutschen Herstellern sehr schwer, dieses Kundensegment zu erschließen“, so T&E.

R2D2 meint
Bei uns würde ein Umbau der Garage min. 4.500 Euro kosten + 3.500 Euro für den neuen Zählerstand….
hu.ms meint
… und das ist für wieviele stellplätze ?
R2D2 meint
Für einen. Eine 16A Dose am Gebäude. Die Wooolbox kommt da preislich noch dazu, wobei das so eine normaler Ladeknochen rot/Typ2 reicht.
hu.ms meint
Die 7m leitung in die einzelgarage graben hat beim nachbarn 1.300 € gekostet.Zugeschüttet hat er den graben selbst.
5 x 4 qmm Leitung 80 €, Hausauslass im Lichtschacht eigenleistung, garagenanschluss bohren eigenleistung, Bohrermiete ca. 50 €, Sicherungen 230 € incl. verkabelung vom E-gesellen ohne garantie, rote drehstromdose 20 € und die go-e 550 €. Macht rd. 2.200 € incl. WB.
Aber ein jeder wie er meint……
M. meint
Ich gehe das jetzt im Frühjahr an.
Da sind es ca. 27 Meter Zuleitung (NAYY-J 5×16 mm²) + kompl. Unterverteilung in der Garage.
Die Bauarbeiten (inkl. Erdarbeiten) mache ich selbst, ich klemme vor, der Elektriker kontrolliert alles und macht den Netzanschluss.
Das wird 2-3k an Material kosten, etwas Geld bekommt der Elektriker noch.
Thorsten 0711 meint
Wenn wir in der Tiefgarage eine Wallbox haben wollten müssten wir einmalig 79€, monatlich 30€ Grundgebühr und für den Strom 38 Cent/kWh bezahlen. Nein danke.
Alleine für die Grundgebühr kann ich 400m weiter bei Aldi 103 kWh laden oder 270m bei den Stadtwerken Stuttgart (ohne Grundgebühr) 77 kWh.
MichaelEV meint
An sich ist für beide Seiten hier nichts positives rauszuholen. Bleibt nur übrig, diese Lösung zu erzwingen, die Vermieter würden die Kosten dabei auf alle umlegen und nicht mehr verursachergerecht verrechnen.
In Anbetracht von fehlendem Wohnraum und den Gegenmaßnahmen, das Bauen auf Kosten der Aufgabe sinnvoller Ausstattungsmerkmale zu verbilligen, einfach eine abartige Idee.
eBikerin meint
Der Vergleich mit Aldi ist meiner Meinung nach so nicht fair, bzw. korrekt. Wie oft must du wohl in der Woche zu Aldi an den Schnarchlader um die 103 kWh zu bekommen?
Dann muss der Lader auch noch frei sein usw. Mit der WB in deiner Tiefgarage steckst du halt einfach an wann du willst und gut ist es. Und wenn du die 47 cent vom Aldi HPC nimmst, dann ist das Angebot (wenn du viel fährst) gar nicht mehr so schlecht.
Thorsten 0711 meint
eBikerin
Bei den Stadtwerken Stuttgart zahle ich als Energiekunde 39 Cent/kWh. Ohne Grundgebühr. Von 20 bis 8 Uhr gibt’s keine Blockiergebühren, ansonsten nach 240min.
Und ich lade hauptsächlich beim Aldi. Die Tiefgarage ist 24/7 geöffnet und dann stört es niemanden wenn ich dort länger lade, wenn der Markt geschlossen hat.
Gerry meint
Wer kassiert denn da die mtl. Grundgebühr ?
Gibts nicht die Möglichkeit Anschluss auf eigene Kosten zu verlegen?
hu.ms meint
Damit wird vermutlich die investition amortisiert. Also der investor.
Thorsten 0711 meint
Gerry, danach haben wir erst gar nicht weiter gefragt.
Wenn man die komplette TG für die Zukunft rüsten wollte wären das 66 Stellplätze inklusive Lastmanagement. Ich möchte die Kosten dafür gar nicht wissen.
Ich denke hu.ms liegt mit seiner Aussage richtig. ZB die örtlichen Stadtwerke bieten die Planung und Installation an und die Hausverwaltung legt die Kosten auf den Mieter um.
hu.ms meint
In der TG nebenan sind 14 stellplätze.
Eigentümerbeschluss: Jeder kann auf eigene kosten eine WB von seinem stromzähler verkabeln und bis zu 11 kwh entnehmen.
Sollten es einmal so viele werden, dass der hausanschluss nicht mehr ausreicht, müssen alle auf 3,6 kwh = 16 A zurück evlt. dann noch weiter auf 10 A.
Aber auch 10 A sind in 10 std. über nacht 22kwh.
M. meint
Brutto.
In der Praxis läuft im Auto zur Ladungsüberwachung die ganze Zeit das Steuergerät, das das BMS bereitstellt. Da gehen gerne mal einige 100 Watt weg.
Statt 2,3 kW würde ich da vorläufig (bis zur Ermittlung der Ladeverluste) mal von 1,8 kW ausgehen, also 18 kWh. Ähnlich natürlich auch bei den höheren Leistungen, allerdings fällt es da weniger ins Gewicht, da die Ladezeit geringer ist.