Oliver Samson steht seit April 2024 an der Spitze des Designstudios von Kia Europe in Frankfurt. Der Designer begann seine Laufbahn 2003 bei Hyundai, arbeitete anschließend unter anderem bei Mercedes-Benz und sammelte weitere Erfahrungen bei Nio und Changan in China, bevor er zum südkoreanischen Konzern zurückkehrte. Im Gespräch mit dem Portal Edison erläutert Samson die gestalterische Linie von Kia und gibt Einblicke in die Entwicklung des neuen kleinen Elektro-SUV EV2.
Betrachtet man aktuelle Modelle wie EV9, EV4, EV3 und den EV2, zeigt sich laut dem Manager eine klare, wiedererkennbare Handschrift. Zentrale Merkmale sind das „Wrap-Around“-Glas, bei dem die Scheiben wie ein durchgehendes Band wirken, sowie eine konsequent vertikale Lichtsignatur. Dieses Element soll markenprägend bleiben. „Wir wollen immer unser charakteristisches Vertikal-Design bei Elektroautos beibehalten“, betont Samson und spricht von einem „sehr starken Alleinstellungsmerkmal“.
Besonders ausführlich geht Samson auf den EV2 ein, der als künftiges elektrisches Einstiegsmodell bewusst mit Konventionen im Kleinwagensegment breche. Die aufrechte Fahrzeugform diene vor allem der besseren Raumausnutzung. Ziel sei es gewesen, ein überraschend großzügiges Raumgefühl zu schaffen, erklärt Samon. „Man sitzt in dem Auto und hat das Gefühl, in einem Fahrzeug zu sitzen, das eine halbe Klasse größer ist.“
Die futuristische Anmutung aktueller Kia-Modelle führt der Designer auf die Unternehmenskultur zurück. Während progressive Entwürfe bei anderen Herstellern im Laufe der internen Abstimmungen häufig abgeschwächt würden, setze das Kia-Management bewusst auf Mut und radikale Ansätze. Zunächst werde ein ambitionierter Entwurf erwartet, der erst später gegebenenfalls zurückgenommen werde.
Ein gängiges Klischee über das Design von Elektroautos weist Samson zurück: Der Wegfall des Verbrennungsmotors bedeute keineswegs gestalterische Freiheit. Auch Stromer seien technisch komplex, und Anforderungen wie Fußgängerschutz und Aerodynamik würden vergleichbare Herausforderungen darstellen. Der fehlende Kühlergrill vereinfache die Aufgabe nicht, sondern sei lediglich „ein Loch weniger in der Fahrzeugfront“.
Der Manager verweist auch auf die vielen technischen Anforderungen, die sich durch den Fußgängerschutz und die Optimierung der Aerodynamik ergeben. „Ich habe bereits eine Reihe Elektroautos und auch Verbrenner entworfen – die Herausforderungen waren immer die gleichen“, so Samson.
Im Innenraum verfolgt Kia laut Samson einen pragmatischen Ansatz. Physische Tasten sollen dort erhalten bleiben, wo sie sinnvoll sind. Er kritisiert die ausschließliche Touch-Bedienung alltäglicher Funktionen und plädiert für eine ausgewogene Mischung aus digitaler und analoger Steuerung, um Bedienung nicht unnötig zu verkomplizieren.


hu.ms meint
Mit dem grossem akku darf der „strassenpreis“ nicht über 28K liegen.
Dann ausstattung dazu und förderung ab.
Daniel S meint
Ich finde das Design des EV 2 sehr gelungen. Aussennwie innen rundum toll gemacht. Bravo!
Steffen meint
Wäre mir jetzt nicht aufgefallen, dass hinter den Fenstern ein besonderer Design-Wunsch stehen würde. Wenn man’s erklären muss, dann ist es vielleicht nicht so besonders gelungen oder intuitiv.
eHannes meint
Die Statements von Mr. Samson stammen vielleicht aus der Präsentation mit der er dem Vorstand sein neues Design, die „Philosophie“ dahinter usw. verkaufen musste. Am Ende dieser Präsentation müssen alle das Gefühl haben, das sich „Neues und Großes“ Bahn bricht. Parole, parole, parole …
Die Wahrheit meint
Ja, da stimme ich zu. -:)
Die Freiheiten und wie man sie gestalten kann sahen und sehen wir immer noch bei TESLA und den Bestwerten beim NCAP Crash Test.
Die Gestaltung vom Frunk. Raum, sinnvoll nutzbar ist.
Alleine schon fehlende Getriebe und Kardanwellen bieten Platz für Akkuzellen.
Elektromotoren sitzen mehr oder weniger auf den Antriebswellen und bieten ein mit Torque-Vectoring ein besseres Fahrverhalten. Auch sportlich, wie der neue Hyundai IONIQ 6 N zeigt. Da tobten sich Experten schon 2 Jahre lang begeistert dran aus. JP hat dazu kürzlich ein gutes Video erstellt und zeigt auch auf Design und Gestaltungsmöglichkeiten auf.
Gerade bei als reines EAuto entwickelte Plattformen bieten neue bahnbrechende Gestaltungsmöglichkeiten.
Dem KIA Designchef gehen wohl die Ideen aus oder der Rotstift schränkt seinen Spielraum ein.
Elvenpath meint
Bitte an Kia und andere, vor allem asiatische, Hersteller: Macht vernünftige Türgriffe!
Diese versenkten Dinger sind einfach schei…e.
Hans Wurst meint
Nö, bitte so beibehalten!
M. meint
China hat sie gerade verboten für zukünftige Fahrzeuge (weil jemand in einem SU7 verbrannt ist, den Ersthelfer nicht rausbekommen haben), in den USA und der EU laufen die Beratungen noch.
Die Dinger kommen weg, früher oder später.
„Form follows function“ nennt man das.
Steffen meint
Seltener als Verbrenner, aber es kann passieren.
Future meint
Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese alten Kühlschrankgriffe nochmal zurückkommen. Die Chinesen werden sich bestimmt etwas innovatives einfallen lassen für eine moderne Umsetzung der neuen Regeln. Da bin ich mir ganz sicher.
M. meint
Steffen: es geht nicht um den Antrieb, sondern um Türgriffe.
„Future“: warten wir es ab. Verschiedene Designs sind erlaubt, andere nicht.
F. K. Fast meint
Korrekt. Bitte vernünftige Türgriffe unterhalb der Fenster, die diesen Namen verdienen.
Jeff Healey meint
Danke @Elvenpath, volle Zustimmung!
Versenkte Türgriffe bleiben dauerhaft bei Unfällen ein Unsicherheitsfaktor, weil eine Unterbrechung des elektronischen Auslöse-Signals zur Entriegelung des Griffes tödliche Folgen haben kann, wie es leider schon mehrfach nach Unfällen passiert ist.
Versenkte Türgriffe mit elektronischer Entriegelung haben an Autos nichts verloren, und seien sie auch noch so ästhetisch und aerodynamisch günstig.
Sicherheit hat absolute Priorität.
Ein Ersthelfer hat nur mit stabilen und jederzeit erreichbaren Türgriffen eine Chance, erste Hilfe zu leisten, bzw. einen Bergungsversuch von Unfallopfern durchzuführen.
Halber Akku meint
Ich finde es gut, dass sie den Mut haben, beim Design eigene Wege zu gehen. Es muss nicht jedes Fahrzeug aussehen wie ein VW. Und es muss auch nicht jedem gefallen.
Andi EE meint
„Zentrale Merkmale sind das „Wrap-Around“-Glas, bei dem die Scheiben wie ein durchgehendes Band wirken, sowie eine konsequent vertikale Lichtsignatur. Dieses Element soll markenprägend bleiben. „Wir wollen immer unser charakteristisches Vertikal-Design bei Elektroautos beibehalten“, …“
Das Wrap-Around Glas gefällt mir sehr gut. Dass man die einzelnen Säulen und Streben möglichst nicht wahrnimmt. Aber exakt dieser Umstand betont die Länge, wenn es „strebenlos“ ein langes flaches Element (zusammengefassten Fenster) in der Silhouette gibt. Das Hauptelemnt des Designs wiederspricht der Aussage, dass sie die Vertikale betonen wollen. Wäre das Absicht müsste man die Fenster mit Lackfarbe bei Säulen und Streben möglichst oft optisch teilen. Dann entstehen mehrere hochformatigere Teile in der Geometrie. Schon sehr widersprüchlich diese Aussage / wenn schon ist es eine Kompensation von Wrap-Around, welches dominant im Design ist.
M. meint
Das mit der „futuristischen Anmutung“ teile ich nicht.
Stellenweise sehen die Autos einfach verunglückt aus.
Vorne ist es meist ok, aber das Heck…. brutal.
Hans Wurst meint
Geschmackssache. Ich finde die Kia EVs bis auf den EV9 alle sehr sehr schick und viel besser als die meisten anderen Autos in den jeweiligen Klassen.
Vor allem der EV2 und 3 sind schön stylisch, was bei kleinen Autos sehr viel schwieriger ist als bei großen.
Kasch meint
Tja, warum kommen mir immer Schuhschachteln in den Sinn, wenn ich derartige Teile sehe ?
David meint
Dann soll er doch was anderes machen, wenn er nicht einmal einsieht, dass ein Elektrofahrzeug grundsätzlich mehr Freiheiten bringt.