Ferrari hat vor Kurzem sein erstes Elektroauto vorgestellt. Entworfen wurde der Luce maßgeblich vom früheren Apple-Designer Jony Ive sowie seinem ebenfalls renommierten Design- und Geschäftspartner Marc Newson. Während der auf eine Balance aus digitalen und physischen Elementen setzende hochwertige Innenraum bei vielen durchaus gut ankommt, sorgt das Äußere für eine Welle der Kritik. Dem Kaufinteresse schadet das offenbar nicht.
Der Luce verfolgt eine radikal neue Designsprache für die italienische Luxusmarke: Er setzt auf eine großzügige, fünftürige Karosserie mit coupéhaften Proportionen, einer markanten, gläsernen Kabine und aerodynamisch geformten Flächen. Das gemeinsam mit dem Designstudio LoveFrom von Jony Ive und Marc Newson konzipierte E-Auto kombiniert futuristische Elemente wie flächenbündige Details, gegenläufig öffnende Türen und integrierte Lichtsignaturen mit typischen Ferrari-Merkmalen wie muskulösen Radhäusern und den charakteristischen runden Heckleuchten.
Insgesamt wirkt der 5026 Millimeter lange, 1999 Millimeter breite und 1544 Millimeter hohe Luce weniger aggressiv als klassische Ferrari-Modelle und eher wie ein luxuriöses, technologisch geprägtes Grand-Tourer-Konzept für das Elektrozeitalter. Genau das mögen viele nicht. Der zentrale Vorwurf: Der Luce sieht mehr nach einem Apple- als einem Ferrari-Auto aus. Einigen scheint das Fahrzeug jedoch gut zu gefallen und sie wollen es trotz des hohen Startpreises von 550.000 Euro erwerben.
Ferrari verzeichne „großes Interesse“ seitens neuer und bestehender Kunden, wird CEO Benedetto Vigna von Reuters zitiert. „Das Interesse ist groß, auch seitens neuer Kunden“, sagte er laut der Nachrichtenagentur während einer Automobilveranstaltung im italienischen Modena. „Wir haben bereits Überweisungen erhalten, die Kunden, die dort waren, wollen das Auto.“ Man werde im Juli bei der Veröffentlichung der Ergebnisse für das zweite Quartal genaue Zahlen zu den Bestellungen bekannt geben.
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Kritiker sollten sich das Auto ansehen, erklärte Vigna. Er wies Vorwürfe zurück, der Luce sei eine Kopie anderer Elektroautos auf dem Markt, darunter auch chinesischer Modelle. „Wenn man ihn sieht und ausprobiert, versteht man sofort, dass er keine Kopie ist und dass er in Bezug auf Innenausstattung, Äußeres und Leistung nichts mit anderen Elektroautos gemeinsam hat, die man kennt und die von anderen Herstellern produziert werden.“
Der Firmenchef betonte, dass der Luce eine Ergänzung der Ferrari-Modellpalette sei und das Unternehmen weiterhin Modelle mit Benzinmotor und Hybridantrieb anbieten werde. Auf den hohen Preis angesprochen sagte er, es sei fair, für Innovation zu bezahlen. Dass die Italiener nicht markengerecht mit einem Sportwagen in die reine E-Mobilität starten, wurde zuvor mit der dafür noch nicht ausreichend potenten E-Auto-Technologie begründet. Hybrid- und Plug-in-Hybridsysteme setzt Ferrari schon länger ein, um seine Boliden noch potenter zu machen.








Future meint
Bis Ende 2027 ist der Luce bereits ausverkauft, schreibt Golem. Es soll bereits Verträge für die ersten 250 fest bestellten Luces geben, schreibt SPON heute direkt aus Maranello. Und Winfuture ergänzt, dass der Luce schon jetzt ein Verkaufsschlager ist. Das sind alles Meldungen von gestern und heute. Jetzt werden sich alle bestimmt wieder beruhigen und sicherlich sind auch ein paar ehemalige Taycan-Freunde unter den Erstbestellern.
simon meint
In Rot gefällt er mir schon viel besser, hinten hätte ich aber trotzdem eher länglichere schmale Rücklichter verbaut anstatt den Kreisen.
ChriBri meint
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht die ganze Aufruhr. Es geht hier um Design und das ist nach wie vor Geschmackssache. Ich finde den gar nicht so schlecht, und in Realität wahrscheinlich noch überzeugender. Und wie er sich fährt, weiß bislang niemand, vielleicht ist es das, was ihn ausmacht. Da braucht man auch keine Vergleiche zu Mercedes oder anderen Fahrzeugen zu ziehen. Wer das nötige Kleingeld hat und denjenigen das Fahrzeug anfixt, wird es kaufen… und ich prognostiziere (ohne jegliche Basis und ins Blaue, reiner Bauch), dass die das Ding verkaufen und zwar nicht schlecht.
Future meint
Es kommt in der Tat selten vor, dass weltweit so viel über ein Autoentwurf geredet wird. Zuletzt passierte das bei der Präsentation des neuen Jaguar. Aber nach ein paar Monaten haben sich alle schon wieder daran gewöhnt.
Referendar meint
Richtig, bald redet niemand mehr über den Luce. Vermutlich nicht mal mehr Ferrari selbst. Dazu braucht es keine Monate, da reichen wenige Wochen.
Cisko meint
Das wird ein Erfolg. Es ist der Zweitwagen, mit dem Mann/Frau die Kinder zum Internat chauffiert und mal ein Wochenende wohin fährt, und beeindruckt weil gegen den Trend. Ein Stadtwagen zum shoppen und für die Fahrt in den Spa im näheren Umkreis. Praktisch, leise, ein Ferrari als Understatement.
Warum sollte ein Fahrzeug kommen das dem ICE Karren gleicht und auf das irgendwie „alle“ spekuliert haben?
Ferrari erweitert das Image mit einem neuen Ansatz anstatt zu versuchen einen besseren Hypercar, einen besseren Rimac, hinzustellen. Die Form ist entsprechend weich anstatt aggressiv. Und offenbar haben sie es geschafft alle zu überraschen.
THeRacer meint
… sehe ich ähnlich. … ein Design, das polarisiert ist doch grad für einen „eRacer“ die richtige Philosophie, denn es erzeugt Spannung ;-) … Das ,SoftLineDesign‘ charakterisiert ein angemessenes Understatement statt krawallige Agressivität und passt sehr gut zu dem allerdings sehr exklusiv-hochpreisigen „Familienauto“. Er repräsentiert und übersetzt aber damit genau das, was Ferrari ausmacht in eine neue Zeit: Exklusivität, Image und feine italienische Ingenieurskunst und Schönheit.
Gerd Heinrich meint
Für Petrol-Heads eine seltene, aus meiner Sicht notwendige Realitätsbewältigung! Wie wäre es mit Race-Videos gegen eigene Verbrennermodelle die Performance zu demonstrieren? Da werden einige abgehängt, wenn auch wahrscheinlich nicht alle.
Cristian meint
Erkennbar ist doch das “Petrol-Heads” was zukunftsfähige Mobilität angeht, absolut veränderungsresistent gegen Innovation und neue Technologien sind.
Sie haben Angst, vor ihrem Ego überholt zu werden. Deshalb solidarisieren sie sich mit Ihresgleichen in Silos, um das Gewohnte und Altbewährte der Vergangenheit zu konservieren und sich selbst zu bestätigen.
Heute sind es vielleicht noch loyale Kunden im Premium-Segment, aber mittelfristig bis langfristig werden sie zu Blockierern, oder sind es bereits schon! Daher muss man sich neue Zielgruppen suchen, die nicht durch fossile Nebelschwaden vorbelastet sind!
Trömmelsche meint
Es ist so. Ich finde alle Ferraris hässlich. Außer diesen hier. Der sieht ansprechend aus. Auch alle BMWs sehen hässlich aus. Außer der originale i3.
Diese Modelle stechen hervor aus der sonstigen hässliche Produktpalette. Aber diese Hässlichkeit hat ja ihre Kunden. Von daher kann man verstehen, dass so gut designte Modelle kein oder wenig Interesse bei den Stammkunden wecken. Dafür aber Potential haben ggf neue Kunden zu gewinnen.
In der Vergangenheit hat es eher bei den meisten Autoherstellern nicht funktioniert, ihre E-Autos mit völlig neuem Design auszustatten.
Time will tell
Referendar meint
Die Vorwürfe sind berechtigt: Ein ehemaliger Star Designer liefert eine Kopie ab. Kommt einem das nicht bekannt vor? Jony Ive hat schon bei Dieter Rams kopiert und sich dafür schriftlich bei ihm bedankt. Das ist doch bekannt, hat Ferrari also nicht genug recherchiert wen sie da beauftragen? Schade, es gibt doch genug junge Designer mit neuen frischen Ideen.
Future meint
»Ferrari hat losgelassen und neu gedacht. Damit hat das Unternehmen vielleicht den bedeutendsten Sportwagen der vergangenen Jahrzehnte gebaut.« (Quelle: Hengstenberg auf SPON)
Die Luxussportwagenhersteller sind bisher ja nun einmal bekannt für altbackene traditionelle und langweilige Entwürfe. In der Branche kopiert man sich quasi seit Jahrzehnten selbst. Natürlich ist es mutig, den ganzen Staub mal aufzuwirbeln. Jony Ive hat laut Hengstenberg wohl einen guten Job gemacht. Und Hengstenberg kennt sich gut aus mit dieser eigentümlichen Branche.
Referendar meint
Ive ist ja auch nichts besseres eingefallen als zu kopieren. Was du über die anderen Sportwagenhersteller schreibst trifft hier geradezu exemplarisch zu. Wenn Langeweile sein Anspruch ist und vor allem der neue Anspruch von Ferrari, ok.
Future meint
Jetzt müsste man nur noch definieren, was »Langeweile« ist. Ich habe den Eindruck, wenn sich so viele über einen »langweiligen« Entwurf empören, dann könnte Hengstenberg doch richtig liegen bei seiner Einschätzung der Lage bei den Supersportwagen.
Daniel S meint
Mir gefällt der Luce. Und er ist auch der einzige Ferrari der mich überhaupt interessieren könnte. Neben dem sind die anderen Ferrari nur lahme Retroautos.
Gibt es für den Luce eine Anhängerkupplung ;) ?
Gernot meint
Ja, Anhängerkupplung, Fahrradträger für das Heck, graubraun getönte Plastikwindabweiser für die Seitenscheiben, Dachgepäckbox, Extrahaken für den Duftbaum, Plastikradkappen, magnetische Halterungen für Wackeldackel und Winkekatze vor der Heckscheibe: Ferrari hat an alles gedacht, was Du brauchst. Sogar eine gehäkelte Mütze für die obligatorische Klopapierrolle auf der Heckablage wird mitgeliefert.
;)
Ben meint
Aus deinem Kommentar ist zu entnehmen, dass du in deinem ganzen Leben noch nie mit einem Ferrari gefahren bist.
Selbstverständlich gibt es keine Anhängerkupplung.
David meint
Gut, aber es hatte ja eigentlich nichts dagegen gesprochen, die elektrische Version im Kleide des Purosangue zu bringen.
Elvenpath meint
Ich denke, man will eine völlig andere Klientel ansprechen. Die Petrolheads, die auf aggressives Design stehen, kriegt man mit einem elektrischen Ferrari eh nicht.
Also macht man etwas völlig anderes.
Gernot meint
Egal, welches Produkt heute gelaunched wird: Unternehmen melden immer hohe Nachfrage. Das gehört mittlerweile zur Standard-PR und solche Aussagen haben null Bedeutung.
Ich glaube aber, das Vigna Recht hat, dass man dieses Auto mal in echt sehen muss. Ferrari hat nicht nur einen exzentrischen Designer verpflichtet, sondern für die offiziellen Fotos anscheinend auch einen exzentrischen Fotografen. Die Fotos und was darin durch Lichtsetzung und Perspektive betont oder verdeckt wird, sind, vermute ich, nicht wirklich vorteilhaft.
Beispielsweise definieren die Scheinwerfer als „Augen“ das „Gesicht“ eines Autos. Scheinwerfer und Lichtsignaturen sind deshalb Designmerkmale, für die Autohersteller heute extremen Aufwand betreiben (siehe z.B. Cupra als sportliche Massenmarke beim Tavascan). Die Scheinwerfer saufen auch in den obigen Fotos des Luce wieder in Dunkelheit ab. Entweder ist das Absicht, weil Ive die ganz schrecklich designed hat und man das in der offiziellen Fotos kaschieren möchte oder die Fotos zeichnen das Design eben schlechter, als es ist. Auch bei der Heckansicht dürfte die verwendete Brennweite eine große Rolle spielen. Ich vermute, dass das mit sehr kurzer Brennweite fotografiert wurde.
MrBlueEyes meint
Das Ding sieht aus, als hätte es ein 4-Jähriger mit Knetmasse zusammengebastelt… also mit 500.000-Euro-Knetmasse, versteht sich 😅
FrankyAC meint
„Großes Interesse“ ist etwas anderes als „Großes Kaufinteresse“ und auch ich als Neu-/Nicht-Kunde interessiere mich für die lustigen Reaktionen auf die Kiste. ;) PR lesen will gelernt sein. :D
David meint
Wie ordnest du dann diese Meldung ein? „Ferrari CEO says Luce EV is ‘clocking up orders’ despite design backlash“