Der Umstieg auf das Elektroauto bleibt in Deutschland vorerst eine Frage des Einkommens – doch der Abstand zwischen den Antriebsarten schrumpft. Das geht aus einer Erhebung der Deutsche Automobil Treuhand (DAT) hervor, die für den den Spiegel ausgewertet wurde. Demnach erzielen Halter rein batterieelektrischer Pkw (BEV) im Mittel ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen von 4218 Euro. Das liegt 23 Prozent über dem Durchschnitt aller Autohalter.
Dieselfahrer leben im Schnitt in Haushalten mit 3637 Euro Nettoeinkommen, Benzinfahrer bei 3199 Euro. Zum Vergleich: Die Hälfte der deutschen Haushalte kommt auf weniger als 3200 Euro im Monat, darunter viele ohne eigenes Auto. Die Zahlen stammen aus den Rohdaten des DAT-Reports 2026, der auf repräsentativen Stichproben des vergangenen Jahres basiert und als zentrale Datensammlung für Branche und Handel gilt.
Erstmals war die Zahl der E-Autofahrer groß genug, um einen belastbaren Einkommenswert für rein elektrische Fahrzeuge zu ermitteln. Im Vorjahr war das nur für alternative Antriebe insgesamt möglich. Innerhalb dieser Gruppe stehen Vollstromer zumindest nicht ganz oben auf der Skala, denn zusammen mit den teils elektrisch, teils mit Verbrennungsmotor fahrenden Plug-in-Hybriden ergab sich eine noch höhere Zahl: 4341 Euro.
Die Daten bestätigen, dass Gutverdiener häufiger E-Autos besitzen. Ein Grund dürfte die Wohnsituation sein: Laut dem Kfz-Versicherer HUK besitzen 75 Prozent der privaten Elektroautohalter ein eigenes Haus. Wer über einen privaten Stellplatz verfügt, kann dort eine Ladestation installieren und über Nacht günstiger laden.
In den 15 größten deutschen Städten fiel der Umstieg auf Elektroautos der Auswertung der HUK zufolge geringer aus als im übrigen Bundesgebiet – obwohl die Bewohner den alternativen Antrieben aufgeschlossener gegenüberstehen. HUK-Vorstand Jörg Rheinländer verweist auf die Ladeinfrastruktur: „Wenn sich in den Großstädten Deutschlands die Lademöglichkeiten auch für Freiluftparker verbessern, könnte das also noch mal deutliche Zuwächse beim Hochlauf der Elektromobilität bringen.“
E-Autos vor allem in der Ober- und oberen Mittelklasse
Auch das Modellangebot beeinflusst die Verteilung. Den größten Anteil an Neuwagen haben E-Autos in der Ober- und oberen Mittelklasse, wo zuletzt laut dem Spiegel fast jedes zweite neu zugelassene Fahrzeug vollelektrisch war. Auch bei SUV ist der Elektroantrieb stark vertreten. Günstigere elektrische Kleinwagen und Minis kommen erst allmählich in größerer Auswahl auf den Markt.
Dieselmodelle hingegen sind aus diesem Segment verschwunden – mit Folgen für die Einkommensstruktur bei Neuwagenkäufern. Neue Diesel-Pkw stehen inzwischen vor allem in wohlhabenden Haushalten mit durchschnittlich 5454 Euro Nettoeinkommen pro Monat, der höchste Wert unter den Antriebsarten. Haushalte mit neuen Elektroautos kommen ohne Plug-in-Hybride auf 4856 Euro und liegen damit nur noch 1,5 Prozent über dem Durchschnitt aller Neuwagenkäufer. Neue Benziner stehen im Schnitt in Haushalten mit 4104 Euro.
Bei elektrischen Gebrauchtwagen war die Fallzahl laut DAT zu gering für eine gesonderte Auswertung. Einschließlich Plug-in-Hybriden unterschieden sich deren Käufer im Einkommen kaum von Haltern, die im vergangenen Jahr keinen Wagen erwarben. Wer hingegen einen gebrauchten Verbrenner kaufte, verdiente mehrere Hundert Euro mehr als Bestandsbesitzer.
Parallel dazu sind die Preise deutlich gestiegen. Neuwagen aller Antriebe verteuerten sich in den vergangenen 15 Jahren um 71 Prozent auf durchschnittlich 44.560 Euro, Gebrauchtwagen um 108 Prozent auf 18.310 Euro. Viele Deutsche fahren ihre Autos daher immer länger. „Bei 80 Prozent der Gebraucht- und fast 70 Prozent der Neuwagenkäufer war offenbar ein Punkt erreicht, an dem ein Aufschieben nicht mehr möglich war“, heißt es im DAT-Bericht. Preissteigerungen würden derzeit vielfach notgedrungen akzeptiert – womöglich jedoch nur bis zu einem Kipppunkt, „an dem Akzeptanz in Widerstand umschlägt“.

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