Die Bundesregierung hat für dieses Jahr eine neue Elektroauto-Kaufprämie versprochen. Der Zuschuss soll unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 6000 Euro betragen und rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 gewährt werden. Seit der Ankündigung am 19. Januar ist es jedoch still um die Fördermaßnahme geworden. Der Grund ist laut einem Bericht, dass die Subvention mit neuen EU-Richtlinien kollidieren könnte.
Edison liegt der Entwurf der EU-Kommission für den sogenannten „Industrial Accelerator Act“ vor. „Und dieses Dokument hat das Potenzial, die deutschen Förderpläne komplett auf den Kopf zu stellen“, so das Portal. Die Europäische Union wolle ihre heimische Industrie mit drastischen Mitteln vor der asiatischen, insbesondere chinesischen, Konkurrenz schützen. Das geplante Gesetz sehe vor, dass öffentliche Förderprogramme der Mitgliedstaaten „massiv eingeschränkt“ werden.
Staatliche Förderprogramme, die den Kauf, das Leasing oder die Miete von reinen Elektrofahrzeugen, Plug-in-Hybriden oder Brennstoffzellenfahrzeugen unterstützen, müssen demnach künftig strenge Vorgaben zum EU-Ursprung erfüllen. „Nur Begünstigte, deren Fahrzeuge diese ‚Union-origin‘-Kriterien (also Mindestanteile europäischer Wertschöpfung) einhalten, sind demnach förderfähig“, wird aus dem Entwurf der EU zitiert.
Viele hierzulande verkaufte Elektroautos nutzen Batterien aus Asien oder werden komplett dort hergestellt. Würde die Bundesregierung die neue Stromer-Prämie jetzt nach alten Mustern einführen, stünde sie Edison zufolge im direkten Konflikt mit dem kommenden EU-Recht. Denn der im Entwurf festgelegte „europäische Ursprung“ (Union origin) umfasse strikt die EU und den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR).
Batteriezellen sollen aus der EU stammen
In einer ersten Phase des von der EU entworfenen Stufenplans soll es noch ausreichen, wenn Batteriesysteme in der EU montiert werden und ein lokales Batteriemanagementsystem sowie zwei weitere spezifische Hauptkomponenten aus der EU aufweisen. Ab dem dritten Jahr müssten dann explizit auch die Batteriezellen und die aktiven Kathodenmaterialien aus der EU stammen. „Die Marschroute ist damit aber klar: Ein E-Auto gilt künftig nur noch dann als förderfähig, wenn es bis tief in die chemische Zellstruktur der Batterie hinein europäisch ist“, schreibt Edison.
So soll die EU ihre Industrie beim Wandel vom Verbrenner zum Elektroauto schützen wollen. Die Wertschöpfung bei klassischen Benzin- und Dieselfahrzeugen erfolgt zum größten Teil in Europa. Bei elektrischen Automobilen stammen dagegen vor allem die teure Batterie, Rohstoffe und die Leistungselektronik meist aus Asien.
Die Bundesregierung erwägt nun laut dem Bericht zwei Optionen für die versprochene neue E-Auto-Prämie: schnelle Umsetzung vor Inkrafttreten des EU-Gesetzes oder Anpassung an die EU-Pläne. In ersterem Fall müsste die Förderung später europarechtskonform gemacht werden. Würde die Prämie hingegen vorab an die Brüsseler Pläne angepasst, würden nur noch E-Autos mit hohem Europa-Anteil gefördert – solche Modelle sind derzeit jedoch oft teurer, was dem „sozialen“ Aspekt der Prämie widerspricht.
„Wer aktuell einen Kaufvertrag unterschreibt, spielt finanzielles Roulette“, meint Edison. Komme die Prämie nicht – oder schließe sie das bestellte Fahrzeug aufgrund der EU-Regularien aus -, blieben die Käufer auf den vollen Kosten sitzen.

M. meint
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„Batteriezellen sollen aus der EU stammen“
Da sagt ja niemand, dass das ein europäischer Hersteller sein muss – es muss halt hier geschehen, aber es eröffnet natürlich auch andere Kalkulationsmöglichkeiten für hiesige Hersteller, wenn reine China-Ware (die schon massive Subventionen erhalten hat), nicht über europäische Steuergelder refinanziert wird.
Verschiedene Hersteller könnten hier punkten, zum Beispiel BMW: die Batteriepacks der ’neuen Klasse‘ werden in Bayern montiert, die 4695-Zellen werden nach BMW-Vorgaben von CATL und EVE gefertigt. Falls das noch nicht (oder nicht vollständig) in der EU geschied, kann das bis zum Umsetzen der Richtlinie erreicht werden.
Dann sichert das Arbeitsplätze in Europa und bringt mit der Zeit auch das KnowHow mit – das ist mindestens ebenso wichtig.
Sven meint
Ich bin immer noch für die Verdoppelung der Pendlerpauschale für diese Kunden. Das ist dann keine Förderung mehr und hilft allen die hohe Kosten durchs Pendeln haben.
David meint
Natürlich sind hier unterschiedliche Bildungs- und Kenntnisstände im Kommentarbereich. Aber wenn man Solar propagiert, um unabhängig zu werden, hat man nicht vergessen, dass wir gar keine Solarindustrie für diese Paneele haben. Und zwar völlig zurecht nicht. Denn die Industrie ist dreckig und energieintensiv und wenn man die Paneele heute nachgeschmissen bekommt, liegt das ausschließlich daran, dass sie unter schwierigen und umweltschädigenden Bedingungen irgendwo anders produziert wurden. Da ist nichts mit Lohnfortzahlung und Gefahrstoffbeauftragter.
LOL meint
Autos herstellen ist dreckig und energieintensiv
Öl gewinnen und in Benzin umwandeln ist dreckig und energieintensiv
Solarindustrie zersötren und abwandern lassen macht abhängig
Bald sind wir wieder im Garten Eden, denn wir haben nichts mehr, da selbst die Kleidung und Schuhe nicht mehr bei uns produziert werden.
Dafür haben wir dann weniger Stress und können uns auf das Wesentliche konentrieren.
M. meint
Das Bildungsproblem macht sich auch hier bemerkbar.
Ohne Umwelt- und Sicherheitsstandards wird natürlich auch so produziert, wenn das billiger ist.
Hätten wir in Deutschland noch eine PV-Industrie (wir hatten ja mal eine…), würde dort auch nach anderen Standards (oder überhaupt mal nach Standards) produziert werden.
Der energieaufwändigste Teil ist die Siliziumbewinnung, und wenn man dort auf Kohlestrom setzt, kommt natürlich etqas anderes raus, als wenn man auf EE setzt.
Trotzdem stehen am Ende ab 20g CO2 für PV-Strom, und 1000g für Kohlestrom.
Klar: damit sind die Solarzellen nach 20 oder 30 Jahren noch nicht recycled, aber das ist eher ein regulatorisches Problem, technisch geht das.
Falls du Links dazu brauchst…
Futureman meint
In China gibt es (inzwischen) die gleichen oder noch höheren Umweltstandards als bei uns. Auch die Standards für die produzierten und verbauten Produkte ist höher als bei uns. Daher kommen bei uns z.B. PV-Module zum Einsatz, die in China bereits vor 1-2 Jahren verbaut wurden, denn dort werden „minderwertige“ Module gar nicht zugelassen. Diese „minderwertigen“ Module sind hier aber immer noch besser, als alles, was jemals in Deutschland an Modulen produziert wurde.
Das es hier keine PV-Industrie mehr gibt, ist allerdings der damaligen (und jetzigen) Politik zu verdanken. Damals allerdings noch, weil es darum ging, lieber Gas aus Russland zu beziehen.
Bei den Batterien (für den 24/7 Strom) gibt es übrigens vom Weltmarktführer CATL Fabriken, die ausschließlich mit erneuerbaren Energien betrieben werden.
BEV meint
das eine hat ja nichts mit dem anderen zu tun
wenn man günstige Fahrzeuge in Europa baut, sind die auch bezahlbar und werden dann noch gefördert, also unterstützt man, dass nicht alles nach Asien abwandert bzw. man selbst erst mal Kapazitäten für Batteriezellen usw. aufbaut und nicht einfach in China produzieren lässt
man muss dann natürlcih sehen wie das genau steht, 100% Europa wird da nicht funktionieren, sonst dauert das noch länger bzw. wird erst gar nicht angegangen und man torpediert das E-Auto weiter
VW / PowerCo könnte es zugute kommen und auch ACC würde Rückenwind bekommen, die Produktion aufzubauen … vielleicht schaffen es langfristig ja dann doch noch ein paar totgesagte
will keiner hören, aber Tesla produziert in Deutschland, die meisten Teile werden lokal bezogen und demnächst könnte sogar wieder die Zellfertigung entstehen, aktuell kommen die Zellen aus US, die Rohstoffe dafür kommen nicht aus Europa
Futureman meint
Wie wäre es generell nur Fahrzeuge zuzulassen, die mit europäischen Rohstoffen fahren? Denn ein großer Teil der bisherigen Fahrenergie (Öl) kommt aus nichteuropäischen Ländern. Und das jedes Jahr für die gesamte Laufzeit des Fahrzeuges. Bei Sonnen- und Windstrom bleibt diese Wertschöpfung im Land. Über diese 70 Milliarden, die alleine Deutschland jedes Jahr ins Ausland schickt wird viel zu wenig gesprochen. Dagegen geht es oft um die Milliarden für Sonnen- und Windstrom, die über das EEG gezahlt werden. Zum einen ersetzen diese andere Ausgaben, die ansonsten ins Ausland fließen, zum anderen fließt dieses Geld meist an Landwirte, Privatpersonen usw. und verteilt sich damit direkt an die Bürger. Diese wiederum geben es meist im direkten Umfeld wieder aus und es bleibt im volkswirtschaftlichen Kreislauf.
Wenn es jetzt möglich ist, durch geförderte E-Autos diesen Anteil schnell zu erhöhen, sollte es doch sofort umgesetzt werden.
Future meint
Genau so ist es.
Warum finanziert Europa mit den Verbrennern so viele Schurkenstaaten in aller Welt. Wertschöpfung mit Sonne und Wind geht dagegen in Europa.
Vielleicht muss die EU aber auch tun, was Trump von ihr verlangt. Exporte nach Amerika gibt es dann nur noch gegen Ölimporte aus Amerika.
brainDotExe meint
Und wie willst du dann neue Verbrenner betreiben? Die sind ja, stand heute, bis 2035 noch zulassungsfähig ohne e-Fuels.
Gerry meint
Am besten garnicht 😉.
Die einfachste Lösung ist oft auch die beste 👍. Siehe Norwegen.
MK meint
@brainDotExe
Ich denke genau auf diese Absurdität will Futureman hinaus (und ich formuliere es im Folgenden mal bewusst überspitzt): Grade die, die am lautesten für den Erhalt des Verbrenners kämpfen, sind doch meist auch die, die für eine „starke deutsche Industrie“ und weniger Gelder insbesondere für muslimische Menschen kämpfen…wie passt es zusammen, dass man dann eben durch die Ölimporte insbesondere arabischen Scheichs mit seinem hart erarbeiteten Geld ein Leben in Saus und Braus ermöglichen will? Müssten nicht logisch betrachtet grade diese „konservativen“ Kräfte für eine möglichst sofortige Umstellung auf 100% Elektroantrieb mit Strom aus erneuerbaren Energien kämpfen? Wir haben nun Mal fast kein Erdöl im Boden…
Future meint
Diese Kommentare von @MK gefallen mir hier immer sehr gut.
Er bringt die Tatsachen immer sehr auf den Punkt und auch die absurden Argumentationen der Lobbyisten aus der rechtsfossilen Ecke werden ganz klar entlarvt.
MK meint
@Future:
Vielen Dank!