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Autochefs warnen: EU-Vorgaben gefährden Wettbewerbsfähigkeit

11.06.2026 in Autoindustrie, Politik von Thomas Langenbucher | 7 Kommentare

Mercedes-Chef-Ola-Kaellenius

Bild: Mercedes‑Benz (Symbolbild)

Vorstandschefs deutscher Autohersteller haben deutliche Kritik an den verschärften Klimazielen der EU ab 2030 und den Quotenvorgaben zum Absatz von E-Fahrzeugen geübt. Bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Preisverleihung einer Leserwahl von Auto Motor und Sport kamen Ola Källenius (Mercedes), Oliver Blume (Volkswagen-Konzern), Milan Nedeljković (BMW), Gernot Döllner (Audi) sowie Michael Leiters (Porsche) zusammen.

„Die regulatorische Landschaft in Europa hat uns keinen Rückenwind gegeben und droht uns, in der Wirtschaftshierarchie nach unten zu verschieben“, sagte Mercedes-Vorstandschef Ola Källenius. „Das können wir nicht zulassen. Es kann nicht sein, dass wir nach Polen, nach China und die USA gehen müssen, um rentabel zu produzieren.“ Die Autoindustrie wolle auch in Deutschland weiterhin Autos bauen. Dafür müssten allerdings die Kosten nach unten gehen und Deutschland wieder wettbewerbsfähig werden. „Sonst fließt das wirtschaftliche Kapital in andere Regionen“, so Källenius. „Wir müssen aus der Komfortzone raus“, unterstrich auch VW-Chef Oliver Blume. „Manche Dinge gehen heute nicht mehr.“

Der neue Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg Cem Özdemir erklärte, dass „wir gerade massiv herausgefordert sind“. Deutschland müsse „alles tun, was den Standort attraktiver machen kann“. Der Grünen-Politiker verwies auf das eigene Projekt, Berichts- und Dokumentationspflichten abzuschaffen.

Besonders stark kritisierten Källenius und Blume die drastische Verschärfung der CO₂-Flottengrenzwerte in der EU ab 2030. „VW hat 27 Prozent Marktanteil in Europa an den Verkäufen von Elektroautos. Wir werden aber trotzdem Strafzahlungen leisten müssen. Da stimmt doch was nicht.“ Die Politik könne die Flottenvorgaben und Ziele nicht immer weiter nach oben schrauben, die Kunden zögen nicht mit. „Es sind die Kunden, die entscheiden, was gekauft wird“, so Blume.

„Schlagen wir so die Chinesen?“

Auch Mercedes-Chef Källenius, zugleich Chef des Verbandes der europäischen Automobilhersteller ACEA, sieht die verschärften Flottengrenzwerte kritisch. „Das können richtig dicke Strafzahlungen werden. Schlagen wir so die Chinesen?“ Diese Strafzahlungen schwächten die heimische Autoindustrie. „Wir sind für die Elektromobilität. Keine Industrie investiert so viel in die Elektrifizierung und die Dekarbonisierung.“ Zugleich müsse sich die Autoindustrie aber auch nach den Kundenwünschen richten. „Man kann die Veränderung nicht an den Kunden vorbei durchsetzen. Wir müssen nicht nur beim CO₂ runter, sondern auch wirtschaftlich erfolgreich sein.“

Die Vorgaben der EU sieht auch BMW-Chef Milan Nedeljković als gefährlich an. „Wir müssen aufpassen, dass die Rahmenbedingungen gut bleiben. Es gibt Leitplanken, die mittelfristig gefährlich für uns sind.“ Die Elektromobilität sei da und werde auch bleiben. „Die Frage ist aber die Geschwindigkeit. Der Kunde kauft und entscheidet. Wenn die Rahmenbedingungen flächendeckend nicht stimmen, wird der Kunde darauf nicht ansprechen.“

Mit Blick auf die Verschärfung der Flottengrenzwerte forderte Volkswagen-Boss Blume längere Übergangsfristen und Sonderregelungen etwa für E-Kleinwagen. „Kleine Elektroautos sind nicht sehr rentabel.“ Blume forderte „Hypercredits“ für kleine Elektroautos. Mercedes-Boss Källenius lobte in Stuttgart den Salini-Bericht von EU-Berichterstatter Massimiliano Salini, der für eine Aufweichung des Verbrenner-Aus eintritt und zahlreiche Erleichterungen vorschlägt, vor allem eine Absenkung der Reduktionsziele. „Der Salini-Bericht kommt einem pragmatischen Ansatz viel näher“, so Källenius. „Wir müssen ihn über die Ziellinie bringen. Das wird ein Stück harte Arbeit.“

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Via: Auto Motor und Sport
Tags: EUUnternehmen: BMW, Mercedes-Benz, VW
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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. MichaelEV meint

    11.06.2026 um 12:01

    „VW hat 27 Prozent Marktanteil in Europa an den Verkäufen von Elektroautos. Wir werden aber trotzdem Strafzahlungen leisten müssen.“
    Schnuggelig. Nicht um die 2030-Ziele sorgen, man schafft noch nicht mal die von 2025. Die Systematik ist ganz logisch – wer eine besonders CO2-intensive Verbrennerflotte hat muss besonders viel kompensieren.

    Spätestens die 2030-Ziele stellen den Verbrenner auf das Abstellgleis, wer bis dahin keine rentablen BEVs hat, hat verloren. Das jetzige Gehabe spricht wohl dafür, dass es da sehr schlecht aussieht.
    Vielleicht sollte man diese Form von CO2-Regulation einfach ganz weg lassen; alte Hersteller schaffen es nicht und neue Hersteller werden dadurch nur massiv behindert.

    Antworten
  2. cbzac meint

    11.06.2026 um 11:41

    „Vorstandschefs deutscher Autohersteller haben deutliche Kritik an den verschärften Klimazielen der EU ab 2030 und den Quotenvorgaben zum Absatz von E-Fahrzeugen geübt.“

    „Es kann nicht sein, dass wir nach Polen, nach China und die USA gehen müssen, um rentabel zu produzieren.“

    Das macht keinen Sinn. Polen ist doch selbst Teil der EU. Und die USA ist für längerfristige Investitionen aktuell doch ohnehin kaum tragbar.

    Auch ansonsten klingt das meiste eher nach Stammtisch Gleichgesinnter als nach Fakten. Jedoch scheint die Fähigkeit für Fehleinschätzungen schon länger eine Einstellungsvoraussetzung für deutsche Automanager zu sein.

    Antworten
  3. mipu meint

    11.06.2026 um 11:09

    Vielleicht sollten unsere hochgelobten und hochbezahlten Führungskräfte mal ihren Kopf aus ihrem … Allerwertesten ziehen und aufhören zu jammern. Über 10 Jahre haben sie alles getan, um nicht in die eMobilität investieren zu müssen, notgedrungen haben sie Verbrennerplattformen mehr schlecht als recht auf Elektro umgeschraubt, haben keinerlei Motivation gehabt in die Batterieforschung zu investieren und sich Lieferketen und Rohstoffe zu sicher. Sie waren einfach satt, und es war einfacher, sich mit alter Technik und langen Aufpreislisten eine goldene Nase zu verdienen. Was es absehbar, dass das nicht ewig so weitergehen würde? Definitiv ja, aber man plant lieber von Bonus zu Bonus und in Quartalen, als auch nur etwas zukunftsfähig zu denken. Pech, sollen ihnen ihre Millionenboni schön im Hals stecken bleiben, aber die Politik täte gut daran, nicht auf diese Heulbojen zu hören. Aber leider haben wir eine Regierungspartei, die mit Frau Reiche im Wirtschaftsressort zu gerne Steuergelder an Fossilunternehmen verteilt ….

    Antworten
  4. Elvenpath meint

    11.06.2026 um 10:56

    „Man kann die Veränderung nicht an den Kunden vorbei durchsetzen.“
    Oh, doch. Das geht. Und das gehört auch zu den Aufgaben der Politik: Regelungen durchzusetzen, die den Menschen zuerst vielleicht nicht schmecken.
    Und mal ganz ehrlich: Es geht hier nicht um Einschnitte in die Lebensqualität, oder darum, die Menschen ärmer zu machen, Sozialsysteme abzubauen. Ganz im Gegenteil.
    Ich bin für Strafzahlungen für Leute, die Verbrenner kaufen. Wer heute noch einen fabrikneuen Verbrenner kauft, sollte direkt auf den Kaufpreis einen Aufschlag zahlen müssen, der gesondert ausgewiesen wird.

    Antworten
  5. Mäx meint

    11.06.2026 um 10:50

    Lustig.
    Salini schreibt z.B. auch dass, Fahrzeuge, die ausschließlich mit zertifizierten erneuerbaren Kraftstoffen (E-Fuels) betrieben werden, ebenfalls als Nullemissionsfahrzeuge anerkannt werden sollen.
    Mir war so als ob sich dagegen zuletzt großer Widerstand geregt hatte im Sinne von, technisch nicht machbar, eFuels ohnehin zu teuer, zertifiziert erneuerbar gar nicht machbar und bla bla.
    Jetzt will man aber das haben?

    Einen der Punkte finde ich tatsächlich aber durchaus sinnvoll.
    So fordert man die Flexibilisierung der Ziele, sodass man Übererfüllung mit Untererfüllung saldieren kann. So wie es ja jetzt schon umgesetzt wird.

    Den Punkt mit zusätzlichen Anreizen für kleine/günstige BEVs kann ich auch nachvollziehen.
    Denn es ist ja tatsächlich so dass Kleinstwagen von der Rentabilität eher geht so sind.
    So hätte man einen Anreiz für die Hersteller geschaffen solche Fahrzeuge die ja durchaus nachgefragt werden auch zu bauen. Zu welchem Faktor muss man eben mal schauen.

    Ansonsten sind Utility Faktoren von PHEV natürlich anzupassen; das sieht man ja an diversen Studien, die niedrige elektrische Anteile bestätigen.

    Die Lockerung der Ziele insgesamt wäre wohl die größte Errungenschaft der Verhandlungen.
    Ich fürchte, dass es bei den Kunden nämlich eher dazu führt, dass die sich dann eher weniger mit dem Thema BEV beschäftigen, weil man ja notfalls einfach das kaufen kann was man kennt.
    So hat sich die Autoindustrie dann die eigene Begründung selber geliefert, noch geringere Ziele zu fordern, weil „Der Kunde will nicht“.

    Antworten
  6. Haubentaucher meint

    11.06.2026 um 10:38

    Solange es hohe Boni und Dividendenzahlungen gibt müsst ihr euch keine Sorgen machen.

    Antworten
  7. Gernot meint

    11.06.2026 um 10:15

    «„Es sind die Kunden, die entscheiden, was gekauft wird“, so Blume. »

    Es sind Manager wie Blume, die entschieden haben, erst 2027 mal BEV-Kleinwagen zum akzeptablen Preis zu bringen. Es sind Manager wie Blume, die dafür gesorgt haben, dass VW keine BEV-Modellpalette hat, die in China funktioniert. Es sind Manager wie Blume, die mit krassen Fehlentscheidungen mehr als 10 Mrd. für Software verbrannt und zu verantworten haben, das VW bei Software immer noch miserabel dasteht. Es sind Manager wie Blume, die dafür gesorgt haben, dass VW nicht in Batterien investiert hat und bei der wichtigsten BEV-Komponente, die alle maßgeblichen Parameter eines BEV definiert (Reichweite, Leistung, Ladegeschwindigkeit, Lebensdauer, Preis), kein Knowhow hat und auf Zulieferer angewiesen ist.

    Und dann stellen sich diese Management-Versager immer hin und erzählen: Die Arbeitnehmer sind zu teuer, zu faul, zu oft krank; Klimaschutz ist verkehrt und die Regulierung ist ganz schlimm. Dann sollen E-Fuels die Lösung sein, damit länger Verbrenner-Technologie aus dem letzten Jahrtausend verkauft werden kann, aber kein einziger Hersteller investiert in die Produktion von E-Fuels*. Die E-Fuels fallen aber nicht vom Himmel.

    * Ja, Porsche erzählt immer, dass sie in Chile eine Anlage für E-Fuels gebaut haben. Aber die produziert nur E-Fuels für etwa 100 Autos pro Jahr. Das ist ein Laborversuch, ein ökologisches Feigenblatt und nicht mehr.

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