Deutschlands Autohändler blicken mit Pessimismus auf 2026 – trotz der zum Jahreswechsel gestarteten neuen Elektroauto-Kaufprämie von bis zu 6000 Euro. Laut einer Umfrage unter 590 Betrieben, die der Branchenverband ZDK veröffentlichen will, rechnen 42 Prozent mit sinkenden Umsätzen, nur jeder Fünfte erwartet eine Verbesserung.
ZDK-Präsident Thomas Peckruhn beschreibt gegenüber der Welt eine anfängliche Aufbruchsstimmung, die jedoch schnell Ernüchterung wich. „Die Ankündigung der Prämie hat unter den Händlern zunächst Euphorie ausgelöst. Doch jetzt brauchen wir eine schnellere konkrete Umsetzung“, sagt er. Zwar gilt die Förderung für Voll- und manche teilelektrische Stromer mit Zulassung seit Jahresbeginn, doch die Plattform für Anträge soll erst im Mai online gehen. Kunden müssen darauf vertrauen, dass die rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 versprochene Förderung reibungslos ausgezahlt wird.
Dieses Vertrauen gilt als angeschlagen. 2023 war die vorherige staatliche E-Auto-Prämie „Umweltbonus“ kurzfristig ausgelaufen, sodass einige Käufer leer ausgingen. Entsprechend groß ist nun die Verunsicherung. Gleichwohl erwarten zwei Drittel der Händler zumindest leicht positive Effekte, sobald die Fördermaßnahme vollständig umgesetzt ist.
Der Staat stellt für das neue Förderprogramm drei Milliarden Euro bereit, ausreichend für 800.000 Fahrzeuge. Haushalte mit einem Jahreseinkommen bis 90.000 Euro erhalten je nach Fahrzeugtyp, Einkommen und Kinderzahl bis zu 6000 Euro Zuschuss für Kauf oder Leasing eines Neuwagens.
Bisher kein Marktimpuls erkennbar
Einen Einfluss auf die Verkaufspreise hat der Markteingriff bislang nicht: Eine Rabattstudie des Bochumer CAR-Instituts weist laut der Welt für Februar – wie schon in den beiden Vormonaten – einen durchschnittlichen Nachlass von rund 19,5 Prozent auf den Listenpreis von Elektroautos aus. Zusätzliche Werbeaktionen einzelner Hersteller hätten keinen generellen Marktimpuls ausgelöst. CAR-Experte Ferdinand Dudenhöffer warnt zudem vor möglichen Enttäuschungen, falls Käufer nach Prüfungen Teile der Prämie selbst tragen müssten.
Auch im Handel selbst ist Zurückhaltung spürbar. Peckruhn beobachtet eine deutliche Kaufzurückhaltung. Neben Unsicherheiten bei der Prämienbeantragung warteten viele Kunden auf neue, günstigere Modelle wie den ID.Polo von VW oder den nächsten Renault Twingo. Zusätzlich sorgten Ankündigungen von Herstellern, Verbrenner länger anzubieten als geplant, für Verunsicherung. „So bringt man die Leute zum Grübeln – und wer grübelt, kauft nicht“, meint Peckruhn.
Eine grundsätzliche Skepsis gegenüber Elektroautos erkennen die Händler laut Umfrage jedoch nicht. Als Hemmnisse für die Antriebswende nennen sie vor allem sinkende Restwerte gebrauchter E-Autos, hohe Neuwagenpreise, fehlende Ladesäulen in Städten sowie mangelnde Transparenz bei Ladetarifen.
An seiner Prognose hält der ZDK vorerst fest: 2026 soll die Zahl der Pkw-Neuzulassungen gegenüber dem Vorjahr um 3,5 bis 4 Prozent auf rund 2,95 Millionen steigen. Allerdings wächst die Sorge vor konjunkturellen Dämpfern. Bereits im Januar gingen die Neuzulassungen laut Kraftfahrt-Bundesamt um 6,6 Prozent zurück, der Absatz von Firmenwagen schwächelt, und auch im Werkstattgeschäft sparen Kunden.
Peckruhn drängt daher auf eine rasche Freischaltung der Antragsplattform. „Es stehen drei Milliarden Euro bereit und werden nicht abgerufen“, mahnt er. In Verkaufsgesprächen zeige sich, dass die Prämie durchaus das Potenzial habe, Interessenten von Gebrauchtwagen zum Kauf eines Neuwagens zu bewegen.

R2D2 meint
Ein Grund mehr diese depperten Prämien überall abzuschaffen! Ein Produkt muss einen Preis haben, der steht am Produkt, fertig. Wenn es nicht gekauft wird, muss man es günstiger machen oder besser. Dieser Umstand hat im Mittelalter schon funktioniert, sollte auch heute klappen…
MK meint
Schon mal überlegt, dass das vieleicht genau der Plan der Union und der Autolobby war? Eine Prämie zu schaffen, die mehr schadet als nutzt, damit man sich hinterher hinstellen und sagen kann „Seht ihr, die Leute kaufen nicht mal mit staatlicher Subvention eAutos“ und dabei bewusst verschweigt, dass es ohne Subvention wahrscheinlich sogar besser gelaufen wäre?
Von daher gebe ich Ihnen im Ergebnis recht: Die Verkaufszahlen von eAutos sind 2025 rapide gestiegen gegenüber 2024 als erstem Jahr ohne Subvention und hat die Lieferfähigkeit z.B. des VW-Konzerns weit überstiegen….und das obwohl schon da ständig über die Möglichkeit einer neuen Förderung schwadroniert wurde, so dass sicher viele auch da schon lieber erst mal gewartet haben dürften. Von daher sage ich auch: Einfach den Markt machen lassen, dann wird das schon.
David meint
Auf VW bezogen, sind einige Modelle durch den MEB+ Umbau gerade nicht mehr bestellbar und die Bücher für die Fronttriebler sind noch nicht offen. Das ist also geplant, dass man gerade abarbeitet und weniger Neubestellungen entgegen nimmt. Die Prämie betrefft aber nur Privatkunden und dabei die wenig solventen Privatkunden. Das ist doch der kleinste Teil der Neuwagenbesteller.
Gerry meint
Also wenn das von VW so geplant war, dann war es vollkommenes Managementversagen. Aber damit haben sie ja Erfahrung 😉.
Wirklich schade, dass VW bis heute keinen elektrischen Kleinwagen anbieten kann 🙄. Toller Plan😂.
David meint
Nur, weil du es nicht verstehst? Die Auslieferung gehen doch volles Rohr weiter. Schau dir doch morgen die Zulassungszahlen wieder an. Nur hilft das dem ZDK nicht. Denen helfen nur neue Verträge. Aber die werden im zweiten Quartal kommen. Die werden das überkompensieren. Schwieriger wird es bei anderen Unternehmen. Die haben nämlich gar nicht die Kapazitäten.
Gerry meint
Der VW-Plan ist in etwa so intelligent wie die damaligen VW-Dieselmanipulationen.
Nun verstanden.😉
daavidmariundco es wäre etwas glaubwürdiger auch mal Fehler einzugestehen, als nur Marketinggeschwafel von sich zu geben. 👍
Davon abgesehen freuen wir uns hier auf die elektrischen Klein-und Kleinstwagen von VW, auch wenn man verdammt spät dran ist.😉
SB meint
Im Škoda-Autobaus in der Nähe verhalten sich die Verkäufer immer noch wie in 22/23 als man als Kunde froh sein durfte, wenn man ein Auto zum Höchstpreis verkauft bekommt. Keine Ahnung ob das ein Einzelfall ist oder sympathisch für die Branche. Ich vermute letzteres.
Mittlerweile haben sich die Zeiten wieder geändert. Der Handel muss wieder was tun, damit die Kunden unterschreiben. Das sieht man am Rabattniveau.
Das ist der Arbeitsauftrag an die Mitglieder der ZDK: nicht der Kunde muss mit verboten und auslaufenden Verbrennerportfolios zum BEV gezwungen werden, sondern: der Handel muss möglichst viele Käufer vom BEV überzeugen: mit den vielen guten Argumenten und mit Probefahrten. Der Handel muss die Antriebswende mitgestalten, denn er ist das Bindeglied zwischen Herstellern und Käufern.
Futureman meint
Ist leider kein Einzelfall. Durften letztens im Renault-Autohaus eine Probefahrt im Leapmotor machen. Buchung ging ganz einfach über die Leapmotor-Seite.
Probefahrt war super, für den Preis ein tolles Auto. Leider fühlte man sich nach der Fahrt im Autohaus nicht wie ein Kunde, sondern eher wie ein ungewünschter Gast.
Wir wurden quasi mit unterschriftsbereiten Kugelschreiber in der Hand ohne weitere Worte verabschiedet…
brainDotExe meint
Wundert es dich? Glaubst du dass das Autohaus an einem Leapmotor großartig was verdient?
Hättest du einen Renault gekauft, sähe das wahrscheinlich anders aus.